Analyse
Vor den schwierigsten Wochen unseres Hockeys

Der Spengler-Cup wurde abgesagt. Ambri, Davos, Zug, Rapperswil-Jona und Lugano sind in der Quarantäne. Das Schweizer Eishockey leider unter der Omikron-Variante. Eine Analyse zum Corona-Chaos.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Leere Ränge statt Eishockey-Fest: Vor wenigen Tagen sagten die Verantwortlichen den Spengler-Cup ab.

Leere Ränge statt Eishockey-Fest: Vor wenigen Tagen sagten die Verantwortlichen den Spengler-Cup ab.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Die erfreuliche Meldung zuerst. Sie ist nicht sportlicher oder wirtschaftlicher Natur. Sondern philosophischer. Liga-Manager Denis Vaucher sagt: «Es wird weitergehen.» Er sagt es mit leichter Resignation in der Stimme. Als erfahrener Krisenmanager weiss er: Es wird weitergehen. Aber die Frage ist, unter welchen Voraussetzungen. In alten Zeiten konnten Meisterschaften abgebrochen oder gar nicht erst gespielt werden. Weil Geld kein Faktor war. Heute sind die beiden höchsten Ligen ein Geschäft, das im Jahr mehr als 250 Millionen umsetzt. Mit über 800 Arbeitsplätzen.

Die neue Infektionswelle tangiert inzwischen das Hockey auf mehreren Ebenen. Das Problem sind nicht nur Mannschaften, die in Quarantäne geschickt werden. Denis Vaucher sagt, es könnte zunehmend schwieriger werden, genügend Personal (Schiedsrichter, Helfer, TV-Techniker) für die Organisation des Spielbetriebes zu finden.

Die möglichen Szenarien

Spiel-Verschiebungen sind wegen der Olympia-Pause vom 28. Januar bis zum 22. Februar viel schwieriger als in der vergangenen Saison. Als erste Massnahme wird noch diese Woche analog der letzten Saison in den beiden höchsten Ligen die Rangliste nach Punkten pro Spiel beschlossen, falls am Ende nicht alle gleich viele Spiele haben sollten. Das Problem der Olympia-Pause hat die Swiss League und die MySports League nicht. Sie spielen durch. Für die National League sehen die Varianten für die nächsten Wochen so aus:

Die Infektionswelle ebbt so rasch ab, dass die Meisterschaft wie terminiert durchgeführt werden kann. Ein wenig realistisches Wunschszenario.

Eine Verlängerung der Qualifikation nach der Olympiapause. Sie ist nicht machbar. Sieben Tage nach dem letzten Finaldatum beginnt die WM und eine Verkürzung der Playoffs würde das «Filetstück» für Sponsoren und TV-Partner tangieren.

Die Show wird nach National und Swiss League Direktor Denis Vaucher weitergehen.

Die Show wird nach National und Swiss League Direktor Denis Vaucher weitergehen.

Keystone

Durchspielen während der Olympiapause. Ist juristisch möglich. Wer 12 Spieler plus einen Torhüter zur Verfügung hat, muss antreten. Die Benachteiligung der Spitzenklubs, die ohne mehrere ihrer Schweizer Stars auskommen müssten, wäre aber so gross, dass diese Variante politisch nicht durchsetzbar ist. Zudem dürften viele ausländische Spieler von ihren Landesverbänden fürs Olympische Turnier aufgeboten werden.

Verzicht auf die Teilnahme am Olympischen Turnier. Die Diskussion um diese Variante wird in den nächsten Tagen europaweit Fahrt aufnehmen. Ein Alleingang der Schweiz ist in dieser Frage jedoch ausgeschlossen. Eine Absage oder Verschiebung der Olympischen Winterspiele durch das IOC oder durch China ist unwahrscheinlich.

Olympia-Aufgebot von Chaos betroffen?

Und was tut die Politik? Unter der Voraussetzung, dass die Immunisierung noch nicht abgeschlossen ist, wenn also nicht alle, die sich impfen lassen wollen, die Gelegenheit hatten, sich impfen zu lassen, können politisch «Geisterspiele» verordnet werden. Die Gefahr von «Geisterspielen» ist bis Ende Januar, bis alle, die wollen, die Booster-Impfung bekommen haben für die drei höchsten Ligen erheblich. Werden auf politischer Ebene «Geisterspiele» verordnet, wird der Staat entschädigungspflichtig.

Die Probleme tangieren auch die Nationalmannschaft. Die Klubs müssen die Spieler fürs Olympische Turnier freigeben. Einem einzelnen Spieler ist es jedoch freigestellt, ob er einem Aufgebot Folge leisten will. Noch ist das Absage-Problem nicht akut. Aber spätestens am 15. Januar, wenn Patrick Fischer sein Olympia-Aufgebot macht und sich die Situation national und international nicht beruhigt hat, wird diese Diskussion aufflammen. Das internationale und das nationale Hockey-Business stehen vor den schwierigsten Wochen der Geschichte und immer mehr auf wirtschaftlich dünnem Eis.

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