Abstiegskampf
FC Zürich: Alles neu macht der Mai

Nach sieben sieglosen Spielen erlebt der Heimklub im Letzigrund vor 100 zugelassenen Zuschauern beim 3:0 gegen den FC Lugano endlich wieder einmal, wie sich das Gewinnen so anfühlt.

Markus Brütsch
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Antonio Marchesano verwandelt gegen Luganos Goalie Sebastian Osigwe den ersten seiner beiden Penaltys.

Antonio Marchesano verwandelt gegen Luganos Goalie Sebastian Osigwe den ersten seiner beiden Penaltys.

Keystone

Die Fans des FC Zürich haben ihr Feuerwerk nicht für die Katz mitgebracht. Nach dem 3:0 von Blaz Kramer noch vor Ablauf einer Stunde lassen sie es so richtig krachen; vor dem Stadion natürlich und nicht drin, wo die 100 zugelassen Zuschauer ihrem Team zufrieden applaudieren. Im Wissen, dass die Messe nun gelesen ist, der FCZ seine sieben Partien anhaltende Sieglosigkeit an diesem ersten Sonntag im Mai beenden wird und der Redewendung folgt: Alles neu macht der Mai.

Denn nach den Niederlagen des FC Vaduz und des FC St. Gallen sowie dem 1:1 des FC Sion gegen Lausanne-Sport ist ein Wochenende endlich wieder einmal ganz nach dem Gusto der Zürcher verlaufen. Sie haben die St. Galler auf Rang acht verdrängt, den Vorsprung auf den FC Vaduz und den Barrageplatz auf fünf Punkte erhöht und den Abstand zur Roten Laterne FC Sion auf deren sieben.

Captain Brecher: Endlich begriffen, um was es geht

Dass sie damit im Abstiegskampf ganz aus dem Schneider sind, lässt sich zwar noch nicht sagen, für eine grosse Erleichterung hat der erste Sieg seit dem 7. März aber allemal gesorgt. In vier Partien gegen Lugano haben die Zürcher nun zehn Punkte geholt. «Endlich ist bei uns angekommen, um was es geht. Nur so, wie wir heute gefightet haben, kann man im Abstiegskampf bestehen», sagt Captain Yanick Brecher. «Das war ein wichtiger Schritt gegen den Abstieg.»

Selbst wenn das 1:0 und 2:0 erst nach Interventionen von VAR Stephan Klossner durch Penaltytreffer von Antonio Marchesano gefallen sind, ist der Sieg der Gastgeber hoch verdient. Die Entscheide von Schiedsrichter Stefan Horisberger gehen in Ordnung. Marchesano hat in dieser Saison nun schon sechs Mal einen Elfmeter versenkt und ist bereits elffacher Torschütze. So konzentriert der Tessiner bei seinen Abschlüssen auftritt, so fokussiert ist gestern die ganze, ohne den Langzeitverletzten Lasse Sobiech sowie die ebenfalls nicht einsatzfähigen Blerim Dzemaili und Benjamin Kololli angetretene, Mannschaft. Sie lässt dem blutleeren, uninspirierten Europacupanwärter keine Chance; ja, es ist nicht zu erkennen, wer denn nun gegen den Abstieg und wer um einen Spitzenplatz spielt.

«Das war zu wenig von uns», sagt Luganos Trainer Maurizio Jacobacci hinterher. Sein Kontrahent Massimo Rizzo dagegen ist happy, ohne dass es ihm anzusehen ist: «Ein dickes Kompliment an meine Mannschaft. Sie ist für ihre gute Leistung belohnt worden.» Doch Rizzo wäre nicht Rizzo, würde er nicht beifügen: «Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen.»

Vier Runden vor Schluss geht es für neun Zehntel der Klubs in der Super League noch um etwas – gibt es eine andere Liga, die dasselbe von sich sagen kann?

Einzig die Young Boys, die mit 25 Punkten Vorsprung an der Spitze ihre einsamen Kreise ziehen und deren vierter Meistertitel in Folge längst feststeht, tragen nichts zur Spannung bei. Dahinter aber balgen sich neun Teams um die Plätze, die für die Qualifikation zur Conference League vergeben werden, gegen den Verweis in die Barrage gegen den Zweitklassierten der Challenge League und gegen den Direktabstieg als Tabellenzehnter.

Dieses Mal ist der Cupsieger wieder im Europacup

Für die Schweiz auf Rang 19 der Fünfjahreswertung der Uefa und deren Vereine ist die Perspektive klar: Sie besitzt zwar weiterhin vier europäische Startplätze, doch nur Meister YB hat die Chance auf den Einzug in einen relevanten europäischen Wettbewerb. Die Berner werden in der 2. Qualifikationsrunde einsteigen und auf dem Weg in die Gruppenphase der Champions League drei Runden gegen andere Landesmeister bestreiten müssen. Der Cupsieger, der Zweite und der Dritte der Meisterschaft werden allesamt in der 2. Qualifikationsrunde zur neuen Europa Conference League antreten und drei Runden überstehen müssen, um die Gruppenphase zu erreichen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Spielzeit war dem Cupsieger wegen der Pandemie und der nicht einzuhaltenden Meldefrist an die Uefa die Qualifikation für den Europacup verwehrt worden, dafür hatte der in der Liga viertklassierte Klub (Servette) nachrücken dürfen.

Und so präsentiert sich die Lage vor den letzten vier Spieltagen: Basel und Servette haben gute, Lugano, Luzern und Lausanne mässige Chancen auf einen internationalen Platz. Der FC Zürich und der FC St. Gallen müssen im Abstiegskampf deutlich weniger zittern als Vaduz und Sion. Spätestens am Freitagabend, dem 21. Mai, werden die Würfel gefallen sein.

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