Guggibad-Schwinget
Zwei Zwanzigjährige im Schlussgang: der Angriff der Jungen beim Guggibad-Schwinget

Tobias Widmer gewinnt das Duell zweier 20-Jähriger im Schlussgang des traditionellen Schwingfestes im Freiamt. Er setzt sich dabei gegen seinen Kokurrenten Joel Strebel durch. Das setzt einen Trend von Aussenseiter-Siegen beim Guggibad-Schwinget fort.

Rainer Sommerhalder
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Guggibad-Schlussgang, 23.4.17
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Tobias Widmer besiegte Joel Strebel im Schlussgang.
Wie immer beim Schwingen zeigen sich die Kontrahenten als faire Sportsmänner.

Guggibad-Schlussgang, 23.4.17

RS

Wer das Guggibad-Schwinget gewinnt, aus dem wird etwas. Die beiden letzten Sieger Nic Alpiger und Patrick Räbmatter sind inzwischen «Eidgenossen». Nun setzt Tobias Widmer die Serie der jungen Aussenseiter an der Ranglistenspitze der traditionellen Freiluft-Eröffnung im Freiamt nahtlos fort. Und auch seine Perspektiven lassen so manch Schwingerherz schneller schlagen.

Dank drei neuen Kranzgewinnern am Eidgenössischen im letzten August leutete der Aargau den Generationenwechsel definitiv ein. Mit Nic Alpiger und Patrick Räbmatter waren zwei von ihnen in Buttwil am Start. Dazu auch die beiden routinierten «Eidgenossen» Mario Thürig und Christoph Bieri. In den Schlussgang schaffte es indes keiner aus diesem Favoritenquartett.

Dort standen sich die beiden 20-jährigen Tobias Widmer und Joel Strebel gegenüber und unterstrichen damit, dass der Angriff der nächsten Generation längst nicht bei Alpiger und Räbmatter aufhört. Ganz im Gegenteil. Mit den Gebrüdern Andreas und Lukas Döbeli, mit Yanick Klausner, Reto Leuthard sowie Janik Läuchli wächst vor allem im Freiamt eine beeindruckende Armada von hungrigen und talentierten Nachwuchsschwingern heran.

Beim Heimspiel im Guggibad wurden sie vorerst noch vom Kaderkollegen des Schwingclubs Aarau, vom Teufenthaler Tobias Widmer ausgebremst. Dieser gewann fünf seiner sechs Kämpfe und stellte gegen Mario Thürig. Auf dem Weg in den Schlussgang sogar zwei «Eidgenossen» Paroli geboten hat Joel Strebel. Nach dem Gestellten gegen Bieri beeindruckte vor allem der Plattwurf gegen Alpiger im fünften Gang, in welchem es für beide um Alles oder Nichts ging.

Im Schlussgang bewies Widmer seine Fortschritte im mentalen Bereich. Der muskelbepackte Modellathlet mit «nur» 94 Kilogramm Körpergewicht bei 192 cm Grösse spielte den Verlauf des Kampfs vor dem Einsatz im Kopf durch und erlebte es danach im Sagmehl exakt gleich wie bei der gedanklichen Trockenübung. «Wir kennen uns aus vielen Gängen im Nachwuchs. Es ist immer eine enge Sache zwischen uns. Beide sind stark mit dem Kurz, aber ich wusste, dass er vor seinem Schwung zuerst eine kleine Finte einbaut. Diesen Moment habe ich ausgenutzt», erklärte der 20-Jährige sein Erfolgsrezept.

Das Potenzial von Tobias Widmer ist seit längerer Zeit erkannt. Wer ihm im Aarauer Schwingkeller schon gegenüberstand, der weiss um seine Stärke. «Nur gelang es mir bisher zu selten, die Trainingsleistungen im Wettkampf abzurufen», sagte der gelernte Kaufmann selbstkritisch. Um der durch die RS zusätzlich verstärkten Stagnation in der vergangenen Saison zu entkommen, professionalisierte Widmer sein Umfeld. Mentaltrainer Markus Müller half ihm während der Wintermonate beim Aufbau der Überzeugung, sich im Ernstfall mehr zuzutrauen. Der Berner Konditionstrainer Andreas Lanz sorgt mit seinen Trainingsinputs dafür, dass die Fortschritte des Aargauer Rohdiamanten nach Plan verlaufen.

Und was hat sich Tobias Widmer selber vorgenommen? «Ich will in diesem Jahr in jedem Gang das Maximum herausholen», sagt er. Gelingt dies, sehen wir ihn Ende August beim Unspunnen-Fest der Besten.

Die Resultate des Guggibad-Schwinget:

Buttwil. Guggibad-Schwinget (80 Schwinger/1150 Zuschauer). Schlussgang: Tobias Widmer (Teufenthal) bezwingt Joel Strebel (Aristau) nach 3:12 Minuten mit Kurz. – Schlussrangliste: 1. Widmer 58.25. 2. Mario Thürig (Möriken) und Andreas Döbeli (Sarmenstorf) je 57.50. 3. Strebel 57.25. 4. Marco Reichmuth (Cham) und Patrick Räbmatter (Uerkheim) je 57.00. 5. Armin Reichmuth (Mettmenstetten) und Yanick Klausner (Benzenschwil) je 56.50. 6. Martin Bättig (Kleinwangen LU) 56.25. 7. Jürg Mahrer (Hellikon), Dominik Waser (Alosen), Adrian Schmutz (Langenbruck) und Nick Alpiger (Staufen) je 56.00. 8. Roger Erb (Metzerlen) und Reto Leuthard (Merenschwand) je 55.75. – Ferner: 11. u.a. Christoph Bieri (Untersiggenthal) 55.00.