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Wie sich Silvan Dillier für die Tour de Suisse aufgedrängt hat

Der Aargauer Neoprofi Silvan Dillier fährt in der heutigen Mittelland-Etappe erstmals mit der Tour de Suisse durch seine engere Heimat. Das zeugt vom Vertrauen, dass die Mannschaft dem letztjährigen Sieger der Zürcher Sixday-Nights entgegenbringt.

Simon Steiner
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Silvan Dillier ist in guter Form.

Silvan Dillier ist in guter Form.

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«Wann fährst eigentlich du mal die Tour de Suisse?» Immer wieder hat Silvan Dillier diese Frage in den letzten Jahren gehört. Und musste dann jeweils erklären, dass er zuerst einen Profivertrag bei einem der grossen Teams brauche, die an der Rundfahrt teilnahmeberechtigt sind.

Diese Woche fährt Dillier die Tour de Suisse nun zum ersten Mal – obwohl das eigentlich lange gar nicht vorgesehen war. Die Verantwortlichen im BMC Racing Team, wo Dillier seit dieser Saison fest angestellt ist, wollten dem Aargauer den anforderungsreichen Parcours mit fast 18 000 Höhenmetern auf 1330 Kilometern in seinem ersten Profijahr noch nicht zumuten. Mit seinen guten Leistungen bei der Tour de Romandie und vor allem Ende Mai bei der Belgien-Rundfahrt vermochte Dillier die Teamführung dann aber umzustimmen.

Offensiver Fahrstil, dosierte Planung

«Silvan hat sich sehr schnell ans Profiniveau gewöhnt – viel rascher als andere Neoprofis», sagt Allan Peiper, Performance Director beim BMC Racing Team. Mit bald 24 Jahren verfüge Dillier zudem über eine bessere Trainingsbasis als etwa ein Zwanzigjähriger. «Mit seinen Leistungen hat er gezeigt, dass er bereit ist für eine Tour de Suisse, wo er nun weitere Erfahrung sammeln kann.» In den ersten Etappen hat Dillier sein Niveau bestätigt: In den ersten vier Tagen der Rundfahrt erreichte er das Ziel zweimal als bester Schweizer. In der Gesamtwertung belegt er mit einem Rückstand von zwei Minuten Rang 47.

Nach den grossen Frühjahrsklassikern Gent–Wevelgem, Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix darf Dillier damit bereits im ersten Profijahr beide Schweizer Rundfahrten auf der World Tour bestreiten. Das zeugt vom Vertrauen, dass die Mannschaft dem letztjährigen Sieger der Zürcher Sixday-Nights entgegenbringt. Besteht aber angesichts dieses Rennprogramms nicht die Gefahr, den jungen Fahrer zu verheizen?

«Wir wissen um dieses Risiko und planen seine Einsätze sehr bewusst», entgegnet Peiper. «Andere Teams schicken ihre Neoprofis gleich auf dreiwöchige Rundfahrten. Das tun wir nicht.» Dillier selber würde durchaus noch mehr Rennen bestreiten. «Ich bin jung und will fahren», sagt er. «Die Teamführung achtet dagegen eher darauf, dass ich nicht zu viel mache.»

Dass Dillier in seinem ersten Profijahr wiederholt durch seine offensive Fahrweise aufgefallen ist, wertet aber auch Peiper als positives Zeichen. «Diese Unerschrockenheit ist bei jungen Fahrern eine gute Voraussetzung, um Erfolg zu haben.» Wie zuletzt in Gippingen, wo Dillier als Zweiter den Sieg nur knapp verpasste. Dass ein prominenter Teamkollege wie der frühere Weltmeister Philippe Gilbert dort für ihn den Sprint vorbereitete, sagt zudem viel über die Position des jungen Aargauers in der hochdekorierten BMC-Mannschaft.

Spannende Zukunftsaussichten

Allan Peiper attestiert ihm denn auch «spannende Aussichten» für die Zukunft. Grosses Potenzial sieht der gebürtige Australier vor allem in den Eintagesklassikern – bereits für diesen Herbst, wenn Dillier bei weiteren World-Tour-Rennen wie den Cyclassics in Hamburg oder den Grossen Preisen von Plouay (F), Québec oder Montréal debütieren wird. Defizite ortet Peiper bei seinem Schützling noch im taktischen Rennverhalten auf Profistufen. «Da fehlt Silvan noch etwas die Erfahrung.»

Die nächste Gelegenheit zum Lernen bietet sich Dillier – aufgewachsen in Schneisingen, wohnhaft in Ehrendingen – bereits heute, wenn er erstmals mit der Tour de Suisse durch seine engere Heimat fährt. Über den Zurzacherberg etwa, den er im Training schon unzählige Mal überquert hat. Oder durch Endingen, wo er einst zur Schule gegangen ist.

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