Schliesst er die Lücke?
Was Matthias Kyburz noch für den Aufstieg in den Olymp der Orientierungsläufer fehlt

Matthias Kyburz will an der Heim-EM im Tessin endlich über die Langdistanz reüssieren. Der Titel in der Königsdisziplin ist nämlich der einzige, der dem Fricktaler noch fehlt. Der Kampf um den Titel wird sicherlich eine besondere Herausforderung.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Teilen
«Wenn es unterwegs chlöpft, dann chlöpft es halt.» Matthias Kyburz zur Taktik

«Wenn es unterwegs chlöpft, dann chlöpft es halt.» Matthias Kyburz zur Taktik

Remy Steinegger

Er ist einer der Allerbesten seiner Zunft. Der Aargauer Matthias Kyburz gewann in seiner OL-Karriere 19 Weltcuprennen, vier Weltmeistertitel, dreimal Gold an Europameisterschaften und ebenso oft den Gesamtweltcup. Nur eine Lücke weist das Palmarès des 28-Jährigen nach wie vor auf: den Titel in der Königsdisziplin Langdistanz.

Das ist nicht nur ärgerlich für ihn, das ist auch unverständlich für die Fachleute. Denn zu Kyburz’ stärksten Eigenschaften gehört sein Lauftempo. Eine Tugend, die gerade in diesem Rennen ein Bonus sein sollte. Doch bislang biss sich der Fricktaler bei acht Anläufen an WM und EM die Zähne aus. Ein fünfter Rang von 2014 in Südtirol thront als Bestresultat. Wird dieses letzte Puzzleteil etwa gar zum persönlichen Schatten?

Ab Sonntag messen sich die weltbesten Orientierungsläufer, die praktisch ausnahmslos aus Europa stammen, an den kontinentalen Titelkämpfen im Tessin. Fünf Medaillensätze werden pro Geschlecht vergeben, Kyburz wird innert acht Tagen sechs Rennen laufen. Zwei Medaillen will er dabei gewinnen.

Fokus auf Langdistanz

Den Fokus in der Vorbereitung hat er noch konsequenter auf die Langdistanz gelegt. «Ich habe mein Trainingsprogramm bewusst umgestellt und versucht, pro Tag eine längere Einheit einzubauen», sagt er, der nach Abschluss seines Biologiestudiums im letzten Dezember erstmals als Profisportler unterwegs ist.

Matthias Kyburz reist gut vorbereitet und optimistisch ins Tessin. Bis zum persönlichen Höhepunkt muss er sich noch ein wenig gedulden, denn wie es sein soll, wird der OL-König erst ganz am Schluss der Titelkämpfe ermittelt. Doch ausgerechnet ein Heimsieg an der ersten Schweizer EM seit 1964 wird zur besonderen Herausforderung.

Eine Frage der Einstellung

Denn die Tessiner Wälder haben selbst für vielgereiste Orientierungsläufer spezielle Eigenschaften. Die extrem steilen Hänge und ein unübersichtliches Kartenbild sind ihr Markenzeichen. Kyburz fasst die Voraussetzungen zum Traumlauf so zusammen: «Rauf so schnell wie möglich, aber nicht über dem Limit. Runter nur so schnell, dass man nicht am Ziel vorbeirennt. Und bei den Routenwahlen die richtige Einschätzung machen.»

Wieso hat es bisher nicht geklappt? Der Möhliner glaubt, dass es letztlich eine Frage der Einstellung zum Rennen war. Er habe vielleicht etwas zu viel Respekt gehabt und sei am Anfang oft mit angezogener Handbremse gelaufen oder habe sein Tempo nicht gefunden.

Deshalb ist seine Taktik diesmal klar: «Vom Start weg Risiko und voll loslegen. Wenn es unterwegs chlöpft, dann chlöpft es halt.» Schliesslich folgt das nächste Puzzle schon Anfang August an der WM in Lettland.

Aktuelle Nachrichten