Sport
Von Ergenekon bis FC Migros: Das sind die skurrilsten Vereinsnamen

Darf ein Verein den Namen einer nationalistischen und des Terrors angeklagten Untergrundorganisation tragen? Ja, lautet das Urteil des Fussballverbands Region Zürich im Fall des FC Ergenekon.

Daniela Mauro, Michael Lüthi und Andreas Fretz
Drucken
Teilen

Denn Ergenekon steht auch für die gleichnamige Region und für den Mythos der türkischen Ergenekon-Legende, lehrt Wikipedia. Vereinsnamen können witzig, skurril, salopp, sollten aber nie rassistisch, sexistisch oder sonst wie politisch unkorrekt sein. Doch wer bestimmt, was zulässig ist und was nicht? Welche Regeln gilt es bei der Namensgebung zu befolgen? Während bei traditionellen Sportarten konservative Namen vorherrschen, scheinen bei jungen Sportarten der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Oft bleibt zu hoffen, dass der Name nicht Programm ist.

Fussball

Wer einen Verein gründen will, muss laut Statuten des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) nur eine Regel befolgen: Firmennamen sind nicht erlaubt (Art. 11.2). Kürzlich erhitzten die Fussballer der Migros die Gemüter, als sie vom Firmenfussball in den Wettspielbetrieb des SFV wechseln wollten. «Wir haben den FC Migros nicht erlaubt», sagt Daniel Rodriguez vom SFV. Man fand eine Lösung: Der Verein heisst nun Sportclub M. Vereine wie Novartis St. Johann, die vor Inkrafttreten des Artikels 11.2 gegründet worden sind, sind davon nicht betroffen. Fussballvereine sind in der Namensgebung äusserst konservativ. Der Grossteil beginnt mit FC und endet mit dem Ortsnamen. Bei Vereinen ausländischer Herkunft wie Mladost Aarau wird die Bedeutung vom Verband abgeklärt. Gesuche zur Vereinsgründung werden in den offiziellen Mitteilungen publiziert und unterliegen einer dreiwöchigen Einsprachefrist.

Unihockey

Beim Schweizerischen Unihockeyverband gilt es für die Vereine bei der Namensgebung, folgende Punkte zu beachten: Im Namen muss die Ortschaft, wo der Verein seinen offiziellen Sitz hat, enthalten sein. Oder sie muss dem Fantasienamen (zum Beispiel Red Arrows Zollikofen) beigefügt sein. Ausserdem gilt politische und konfessionelle Neutralität. Bei Swiss Unihockey lasse man in Namensfragen «den gesunden Menschenverstand walten», sagt Pressechefin Sarah Brunner. Es müsse einfach auf einen Blick klar sein, wo der Verein regional einzuordnen sei. Die erste Prüfung des Namens erfolgt bei der Geschäftsstelle von Swiss Unihockey. Härtefälle werden anschliessend beim Verbandsgericht behandelt. Aber solche sind die Ausnahme.

Handball

Spektakuläre Namen sind im Handball eher die Ausnahme. Meist setzt sich der Mannschaftsname aus einer Ortschaft oder Region und einer Abkürzung wie beispielsweise TV (Turnverein), HV (Handballverein) oder SG (Spielgemeinschaft) zusammen. Doch sind die Kriterien der Namensgebung tatsächlich so streng, oder mangelt es den Vereinen nur an der Fantasie? «Grundsätzlich gibt es keine genauen Regeln, dass ein Name zugelassen oder abgelehnt wird. Fantasienamen sind erlaubt», sagt Marco Ellenberger, Medienchef des Schweizer Handballverbands. Trotzdem sollten die Namen nicht länger als 25 bis 30 Zeichen sein, «denn sonst passen sie nicht in die Tabelle». In den regionalen Ligen seien die Kriterien zusätzlich etwas lockerer als in der Nationalliga. Dort muss klar ersichtlich sein, woher, also aus welcher Region oder Ortschaft, ein Team stammt.

Aktuelle Nachrichten