Volley Schönenewerd

Von der 2. Liga in die NLA in weniger als zwei Jahren: Mischa von Burg und seine in ungewöhnlichen Bahnen verlaufende Karriere

Mischa von Burg mit einem erfolgreichen Angriff gegen Chênois.

Mischa von Burg mit einem erfolgreichen Angriff gegen Chênois.

Erstes Nati-Aufgebot im Sommer und dazu Stammspieler bei Volley Schönenwerd: Es geht steil nach oben für Mittelblocker Mischa von Burg. Dabei stand einst in den Sternen, ob das junge Talent überhaupt jemals wieder Volleyball spielen wird.

Mischa von Burg hat sich diese Saison bei Volley Schönenwerd zum Stammspieler gemausert. Was er auch einem ehemaligen Arbeitskollegen verdankt. Denn eigentlich hatte er schon aufgehört. In der Oberstufe hatte von Burg, der schon als 7-Jähriger in Meisterschwanden sein erstes Training absolvierte, genug vom Volleyball.

Als er dann aber im zweiten Lehrjahr war, kam Nico Ramer, der damals in der NLB spielte, in den gleichen Betrieb. Dieser nahm ihn nicht ernst, als von Burg erzählte, dass er ebenfalls Einiges drauf habe im Volleyball. Der Ehrgeiz war damit neu geweckt. 2014 stieg von Burg in Aarau in der 5. Liga wieder ein und nach einem Jahr wurde er in die 2. Liga befördert.

«Als ich merkte, dass ich das Niveau aufgeholt hatte, begann ich, mich nach Optionen umzuhören», erzählt er vom Wechsel zu Volley Schönenwerd. Marco Fölmli, der damalige Trainer der zweiten Mannschaft, lud ihn in ein Probetraining ein – und liess ihn nicht mehr gehen. Zu gut spielte von Burg.

Die Chance gepackt, als sie plötzlich da war

Die Vorbereitung auf die Saison 2017/18 durfte der Aargauer mit dem Fanionteam bestreiten. Bis Fabian Plak, die Verstärkung aus Holland, kam. Doch kaum war von Burg weg, verletzte sich mit Simon Hofstede ein anderer Mittelblocker. «Ich verpasste ein Training und schon war ich wieder dabei», erinnert sich von Burg.

In diesem Stil ging es weiter. Plak verletzte sich und ging zurück in seine Heimat und zum Ende der Saison fiel auch noch Christoph Hänggi wegen eines Bandscheibenvorfalls aus. So wurde von Burg ins kalte Wasser geworfen und durfte die Playoffs spielen. «Das war meine Chance», blickt er zurück. «Ich merkte, dass ich vom Level her noch nicht ganz so weit war, aber es war cool, so viel zu spielen. Trotz ein paar Schnitzern war ich zufrieden.»

Die Verantwortlichen offenbar auch. Von Burg wurde fixer Bestandteil des NLA-Kaders. Doch in der vergangenen Saison «ist vieles doof gelaufen», wie er selbst sagt. Er war nominell die Nummer drei hinter Samuel Ehrat und Christopher Frame. «So Mitte Saison war ich von den Leistungen her dran an den beiden.» Doch dann wurde er von einer Hirnhautentzündung deutlich zurückgeworfen und absolvierte 2018/19 nur ein Spiel.

Die Herausforderung angenommen

Im Sommer hatte von Burg Angebote von anderen NLA-Klubs. Doch der 21-Jährige entschied, die Herausforderung anzunehmen und zu versuchen, sich bei Schönenwerd durchzusetzen.
Dies ist ihm gelungen. In den bisherigen sieben Spielen war er neben Christopher Frame gesetzt. Janick Sommer, der auf diese Saison hin aus Bern kam, bleibt die Rolle des Reservisten.

«Wir sind alle drei auf einem ähnlichen Niveau», sagt von Burg bescheiden. Und warum spielt er, abgesehen vom Umstand, dass ihm als Jüngstem des Trios die Zukunft gehört? «Der Einsatz ist entscheidend – im Training und im Match. Und die nötige Aggressivität, gewinnen zu wollen», sagt er. «Man muss Energie auf den Platz bringen und das klappt bei mir aktuell recht gut.»

Zuerst das Nati-Aufgebot, dann der NLA-Stammplatz

Beflügelt habe ihn sein erstes Nati-Aufgebot im Sommer. Obwohl er sich im Trainingslager wenig Chancen ausrechnete, durfte er mit an die Universiade nach Neapel. «Das war ein richtiger Push für mich. Die Wochen mit der Nati waren der absolute Traum.» Und der soll im nächsten Sommer weitergehen, wenn die EM-Quali ansteht.

Von Burg hofft, dabei zu sein. Davor gilt der Fokus aber der NLA. Zum Abschluss der Vorrunde wartet heute Samstag das Auswärtsspiel bei Näfels. Der Respekt vor dem Tabellenvierten sei zwar da, doch «wenn wir unser Volleyball spielen, schlagen wir sie.»

Egal wie das Spiel ausgeht, Schönenwerd wird die erste Hälfte der Quali auf dem ersten oder zweiten Platz abschliessen. Aktuell liegt Amriswil vorne. «Ich hoffe, dass wir die Quali als Erster beenden», sagt von Burg. «Dafür müssen wir das zweite Direktduell gegen Amriswil gewinnen. Aber auch wenn es der zweite Rang wird – auch dafür hätte ich vor der Saison unterschrieben.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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