NLB-Handball
Grosse Freude, aber auch Respekt und offene Fragen

Die NLB-Handballer aus Baden und Möhlin starteten vor wenigen Tagen wieder mit dem Training. Noch ist offen, wann sie spielen dürfen. Die Gemütslage ist unterschiedlich.

Alexander Wagner
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Gute Laune bei Karlo Ladan (vorne). und seinen Städtli-Kollegen.

Gute Laune bei Karlo Ladan (vorne). und seinen Städtli-Kollegen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Die Freude war schon fast mit den Händen greifbar. Die Spieler des STV Baden strahlten, lachten, scherzten und feuerten sich gegenseitig an. Endlich wieder richtiges Mannschaftstraining! Bei aller Freude konnten die Badener Akteure die lange Trainingsabstinenz aber nicht verbergen. Schon nach einer kurzen Einheit mit Sprüngen sowohl für die Koordination als auch die Stabilität und die Sprungkraft waren einige Städtli-Cracks doch schon mächtig ins Schwitzen gekommen.

«Es gibt schon noch einige Baustellen», bringt es Badens Trainer Björn Navarin auf den Punkt. «Wir müssen das sehr vorsichtig angehen», pflichtet ihm Möhlins Trainer Samir Sarac bei. Noch so viele Laufeinheiten im Wald oder Home-Training mit Eigengewicht oder Hanteln können das handballspezifische Training, die vielen kurzen, explosiven Seitwärtsbewegungen und die harten Zweikämpfe am Kreis ersetzen.

«Uneingeschränkte Freude»...

Björn Navarin stand, seit er sich erinnern kann, fast jeden Tag in der Halle. Zuerst als Spieler, danach als Trainer. «Das habe ich mein Leben lang gemacht. Und das wurde einem auf einmal genommen. Es hat den gesamten Lebensrhythmus geändert», erklärt der Badener Coach. Eine gewisse Frustration konnte er dabei weder verleugnen noch verbergen: «Den Fokus zu halten, war schwierig. Es fehlt einfach extrem.» Deshalb sei er jetzt zuerst einmal einfach erleichtert und froh: «Bei mir ist es uneingeschränkte Freude», ordnet er den Neustart ein.

Badens Trainer Bjoern Navarin (Mitte) gut gelaunt mit v.l.n.r. Karlo Ladan, Goalie Alexander Wagner, Philipp Wildi und Johnny Knecht.

Badens Trainer Bjoern Navarin (Mitte) gut gelaunt mit v.l.n.r. Karlo Ladan, Goalie Alexander Wagner, Philipp Wildi und Johnny Knecht.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Deutlich gedämpfteren Optimismus versprüht Möhlins Präsident Simon Mahrer: «Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich freue mich, dass wir wieder trainieren und uns treffen dürfen. Aber ich habe auch Bedenken. Es gibt viele gesundheitliche Fragen.» Zum einen meint er natürlich die besondere Lage, zum anderen die lange Pause. Denn niemand weiss, wie die Spieler dies wegstecken werden, zumal die Fricktaler keinen Profibetrieb haben.

...und «gemischte Gefühle»

Hier liegt auch ein weiterer Grund für die getrübte Freude: «Die Leute leben nicht vom Handball. Was ist, wenn sie in Quarantäne müssen?», gibt Trainer Sarac zu bedenken. «Ich freue mich. Ich war immer dafür, dass wir trainieren und spielen können», betont der ehemalige Spielertrainer von Endingen. Aber insgesamt sehe er die ganze Lage gespalten: «Es sind gemischte Gefühle und es ist eine komplizierte Situation», meint Sarac.

Präsident Mahrer bereitet neben den möglichen Ausfällen seiner Spieler bei ihren jeweiligen Arbeitgebern auch die Frage nach dem Modus und den Konsequenzen viel Kopfzerbrechen: «Es soll durch diese Situation nicht noch mehr Verlierer geben», betont er. Deshalb plädiert er dafür, dass es keine Absteiger aus der NLB gibt. Diese Frage ist noch etwas komplizierter geworden, weil in der 1. Liga die Meisterschaft mittlerweile abgebrochen wurde. «Wenn es keine Absteiger gibt, dann nimmt das viel Druck raus», erhofft sich Mahrer. Dies würde wiederum das Verletzungsrisiko minimieren.

Zurückhaltend bis skeptisch: Möhlin-Coach Samir Sarac.

Zurückhaltend bis skeptisch: Möhlin-Coach Samir Sarac.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Zwar reagieren die beiden Aargauer Vereine etwas unterschiedlich auf den – sowohl für Städlti als auch für Möhlin – überraschenden Trainingswiederbeginn. Der Plan ist, nach sechs Wochen Vorbereitung nach Ostern mit dem Meisterschaftsbetrieb wieder zu starten. Das Ziel ist aber das gleiche: «Wir wollen bereit sein», betont Navarin. Nach einer vorsichtigen Eingewöhnungsphase ist auch für Sarac klar. «Es gibt nur das volle Programm, keine halben Sachen.» Und wenn der erste Muskelkater abgeklungen ist, schwindet vielleicht auch die Skepsis und weicht uneingeschränkter Freude auf die Spiele nach Ostern – so Corona will.