Nicolas Gygax
Wenn es anderen nur schon vom Zuschauen schwindlig wird, ist er in seinem Element

Mit drei Rückwärtssaltos und vier Schrauben ins Glück: Der Aargauer Skiakrobat Nicolas Gygax feiert im Weltcup seine Podestpremiere und träumt von den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking.

Martin Probst
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Fühlt sich wohl, wenn die Welt Kopf steht: Nicolas Gygax.

Fühlt sich wohl, wenn die Welt Kopf steht: Nicolas Gygax.

Tatyana Zenkovich / EPA

Als er nach drei Rückwärtssaltos mit vier Schrauben sicher landet, weiss er es schon: Endlich hat es geklappt. Nicolas Gygax streckt seine Arme in die Höhe, legt sich wenig später in den Schnee und streckt die Beine und Arme von sich.

Im kasachischen Almaty belegt Gygax Rang zwei. Es ist der erste Weltcuppodestplatz für den Aargauer Skiakrobaten. «Dass ich das Potenzial für ein solches Resultat habe, wusste ich schon lange», sagt er.

Nicolas Gygax.

Nicolas Gygax.

Stephan Bögli / Aargauer Zeitung

Seit fünf Jahren springt der 25-Jährige im Weltcup. 29 Wettkämpfe auf dieser Stufe mussten aber verstreichen, ehe es im 30. Anlauf zur Podestpremiere kam. Gygax sagt:

«Schön, dass es nun auch im Wettkampf geklappt hat.»

Denn in den Trainings hält er mit seinen Schweizer Teamkollegen Pirmin Werner und Noé Roth gut mit. Der eine ist vier, der andere fünf Jahre jünger als er. Beide standen schon mehrmals auf dem Podest – während Gygax wartete. Aber Eifersucht? Sicher nicht. Im Gegenteil: Weil er den internen Vergleich und damit das Wissen hatte, dass er es könnte, wusste der Aargauer, dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein konnte, bis auch er reüssiert.

Klar: Gygax war 2019 Weltmeister mit dem Team. Es war ein riesiger Erfolg. Aber er sagt auch: «Am Ende ist Skiakrobatik ein Einzelsport. Darum bedeutet mir dieser Podestplatz im Einzel enorm viel.»

Und doch spielt das Team auch für diesen Erfolg eine wichtige Rolle. «Wir pushen uns gegenseitig, wir freuen uns für jeden Erfolg, den ein anderer erzielt. So macht alles viel mehr Spass.» Für Gygax ist das die Erklärung, warum die Schweizer Skiakrobaten derzeit so erfolgreich sind.

Mit dem Gleitschirm lebt er den Traum vom Fliegen

Gygax entdeckte den Sport erst mit 15. Zuvor war er Kunstturner und leidenschaftlicher Skifahrer. Als Skiakrobat konnte er beides verbinden. Und erst noch seine Sehnsucht nach Nervenkitzel stillen. Wenn anderen schon beim Zuschauen schwindlig wird, ist er in seinem Element.

Egal wie hoch, ob Saltos oder Schrauben, am liebsten würde Gygax wohl ganz abheben, wenn er über die Schanze springt. Nur die Physik setzt dem Wirtschaftsstudenten Grenzen. Doch wird der Traum vom Fliegen zu gross, nimmt er den Gleitschirm. Die Luft ist sein Element.

Da passt es gut, dass er für seinen Sport oft in ein Flugzeug steigen muss. Die Skiakrobaten bewegen sich oft ausserhalb der bekannten Winterdestinationen in Europa. Ob Kasachstan oder China, ob Russland oder Weissrussland. Gygax ist oft unterwegs. Auch in einem Winter, der von Corona geprägt ist.

«Es ging vieles sehr gut über die Bühne», sagt er. Nur in China waren die Skiakrobaten für einmal nicht. 2022 soll das aber wieder anders sein: Die Olympischen Winterspiele in Peking sind das grosse Ziel von Gygax. Der Fahrplan dorthin stimmt. Mit der Podestpremiere sowieso.

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