Snooker

Nach sensationellem Einzug ins WM-Hauptfeld: Der Fricktaler Alexander Ursenbacher ist den Tränen nahe

Der Fricktaler Alexander Ursenbacher hat als erster Schweizer den Einzug ins Hauptfeld der Snooker-WM geschafft.

Der Fricktaler Alexander Ursenbacher hat als erster Schweizer den Einzug ins Hauptfeld der Snooker-WM geschafft.

Der 24-jährige Fricktaler Alexander Ursenbacher hat sich als erster Schweizer überhaupt für das Hauptfeld der Snooker-WM qualifiziert – und musste im Siegerinterview nach dem 10:8 gegen den Engländer Andrew Higginson die Tränen zurückhalten.

Weisses Hemd, weinrote Seidenweste, Dreitagebart, leicht glänzende Augen und eine etwas unordentliche Frisur: Wenig deutet in diesem Moment darauf hin, dass der junge Mann im Fokus der vor ihm aufgebauten Kamera gerade ganz Grosses geleistet hat.

Die Rede ist von Alexander Ursenbacher. Nur wenige Augenblicke zuvor, hat der 24-Jährige Sportgeschichte geschrieben: Als erster Schweizer überhaupt hat sich der Fricktaler für das Hauptfeld der Snooker-Weltmeisterschaft (vom 31. Juli bis 16. August) qualifiziert.

Gleichzeitig ist Ursenbacher auch der erste Snooker-Spieler aus einem deutschsprachigen Land, dem dies gelingt. «Ich kann es gar noch nicht so richtig glauben. Aber ich bin überglücklich», sagt er im Videointerview mit dem Kamerateam des Snooker-Weltverbandes.

Den Sprung ins Hauptfeld der 32 weltbesten Snooker-Spieler schaffte Ursenbacher am späten Montagabend dank eines spektakulären 10:8-Sieges gegen Andrew Higginson in der vierten und letzten Qualifikationsrunde. Und das, obwohl der Schweizer, in der Weltrangliste als Nummer 86 geführt, keinesfalls als Favorit in die Partie gegen die englische Weltnummer 58 ging.

Doch Ursenbacher liess sich von den 28 Rängen Unterschied nicht beeindrucken und legte furios los. Trotz zwischenzeitlicher 6:2- und 9:6-Führung wurde es noch einmal eng für den Fricktaler, der den Engländer noch einmal aufschliessen lassen musste. Im 18. Frame zeigte Ursenbacher dann aber seine Nervenstärke und entschied die Partie dank einer sogenannten «Re-spotted Black» mit 10:8 für sich.

«Dass das Ziel zum Greifen nahe war, habe ich lange Zeit ausblenden können. Als ich dann aber acht, neun Frames für mich entschieden hatte, begannen meine Gedanken zu kreisen und ich kam doch noch etwas ins Zittern», sagt Ursenbacher und fügt, angesprochen auf seine Coolness im spielentscheidenden Frame, an: «Ich bin selber etwas überrascht, wie gut ich in der Schlussphase mit dem Druck umgehen konnte.»

Das dafür nötige Selbstvertrauen dürfte sich Ursenbacher bereits in der dritten Qualifikationsrunde besorgt haben. Denn dort hatte der Rheinfelder den letztjährigen WM-Halbfinalisten Gary Wilson (Weltnummer 19) besiegt und damit bereits bewiesen, dass er für höhere Aufgaben bereit ist.

Gegner im WM-Sech­zehntelfinal noch offen

Bereits gestern Dienstag reiste Ursenbacher von Sheffield zurück nach London. In der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches bereitet er sich in den kommenden Tagen mit einem Coach und grösstenteils von der Umwelt abgeschottet auf den WM-Sechzehntelfinal – das unbestrittene Highlight seiner bisherigen Karriere – vor.

Wer in der Runde der letzten 32 sein Gegner sein wird und wann die Partie stattfinden wird, erfährt Ursenbacher erst Mittwochmittag (12 Uhr MEZ) bei der Auslosung. Allerdings gibt er sich betont cool: «Ich werde die Auslosung zwar verfolgen, aber es kümmert mich nicht, wer mein Gegner sein wird – ich will einfach nach Sheffield und spielen», sagt Ursenbacher.

Sheffield ist so etwas wie der Heilige Gral im Snooker. Seit 1977 wird im Crucible Theatre in der britischen Stadt die Weltmeisterschaft der Billard-Variante ausgetragen. Schon nur bei den Titelkämpfen antreten zu können, ist in der Snooker-Szene ein Traum.

Dementsprechend freut sich Ursenbacher auf seine Premiere im WM-Hauptfeld. Und er bereitet sich bereits jetzt mental auf seinen Einmarsch ins Crucible Theatre vor: «Ich hoffe, dass ich nicht zu weinen beginne», sagt er – und muss die Tränen schon nur beim Gedanken an diesen Moment zurückhalten.

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