Analyse

Nach dem finanziellen Desaster ist beim EHC Olten vor allem Demut angesagt

Wie konnte es zu diesen gravierenden finanziellen Turbulenzen kommen? Welche Schuld trägt Ex-Geschäftsführer Peter Rötheli? Und wie geht es weiter? Der Versuch einer Bestandesaufnahme rund um den EHC Olten.

Es war schwer verdauliche Kost, die die Aktionäre der EHC Olten AG am Montagabend an der Generalversammlung serviert bekamen. Aus heiterem Himmel kam die Hiobsbotschaft für der Organisation nahestehende Personen nicht. Aber für den normalen Fan war es doch eher schockierend, was da zu hören und zu lesen war. Ohne massiven finanziellen Einsatz der Verwaltungsräte und dem Klub zugeneigten Leute hätte es ziemlich sicher geheissen: «Aus die Powermouse.» Eine öffentliche Rettungsaktion in Millionenhöhe zur Verhinderung eines Konkurses wäre kaum erfolgreich gewesen.

Dass von all den dramatischen Ereignissen, die sich im Hintergrund abspielten, nichts offiziell an die Öffentlichkeit drang, führte für die Klubverantwortlichen während Monaten zu einer sprichwörtlichen Zerreissprobe. Auf der einen Seite schwebte über allem immer noch der berühmt-berüchtigte Dreijahresplan mit dem grossen Ziel, den Aufstieg in die National League zu schaffen. Auf der anderen Seite war da die Erkenntnis, dass sich immer wieder neue, finanzielle Abgründe auftaten. Hier also die hohe Erwartungshaltung und die damit oft aufflammende Unzufriedenheit der Anhänger. Dort das Wissen, dass es eigentlich nur noch ums Überleben geht.

Peter Rötheli, die tragische Figur

Nun weiss man: Der EHC Olten ist bei seinem Streben nach Höherem fast ungebremst in eine Wand gedonnert. Der aktuelle Verwaltungsrat mit Präsident Marc Thommen hat es anlässlich der Generalversammlung tunlichst vermieden, mit dem Finger auf Schuldige des Debakels zu zeigen. Aber man kann eins und eins zusammenzählen, um zu erkennen, wer die Hauptverantwortung für dieses Fiasko trägt: der im November abgetretene Geschäftsführer Peter Rötheli.

Rötheli ist eigentlich die tragische Figur in dieser ganzen Geschichte. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass der Hägendörfer dank seinem unglaublichen Herzblut, seiner Leidenschaft und seinem Einsatz zu Beginn des Jahrtausends dafür gesorgt hat, dass der damals (einmal mehr) dem Untergang geweihte EHC Olten wieder zu einer respektierten Adresse im Schweizer Eishockey wurde. Bildlich gesprochen, hat Rötheli eine verlotterte Holzhütte in ein schmuckes Einfamilienhaus umgebaut. Bei seinem Streben, es in eine Villa zu verwandeln, um im Konzert der Grossen mitzuspielen, hat er sich offensichtlich allerdings fürchterlich verrannt.

Man darf ihm dabei nicht einmal böse Absicht unterstellen. Dass er den Sprung ins Oberhaus des Schweizer Eishockeys mit aller Macht anstrebte, war zum damaligen Zeitpunkt aus mehreren Gründen durchaus nachvollziehbar. Aber Rötheli hat es dabei verpasst, dem Klub die richtigen Strukturen zu verpassen. Auf dem Eis wurde auf Teufel komm raus und oft ohne erkennbaren Plan in teilweise überteuertes Personal investiert. Neben dem Eis blieb er als Geschäftsführer viel zu lange eine eigentliche One-Man-Show. Dass er mit der Zeit offensichtlich vollkommen den Überblick verlor und dabei gravierende Fehler machte, ist nicht erstaunlich. Zumal in diesem Chaos erst recht auch potenzielle Kontrollorgane zum Scheitern verurteilt waren.

Benvenuto Savoldelli, der Bremsklotz

In einem anderen Licht steht dabei auch der im Sommer 2017 abgetretene VR-Präsident Benvenuto Savoldelli. Dass er gegen Ende seiner Amtszeit mit seinem langjährigen Weggefährten Rötheli Differenzen bezüglich Ausrichtung des Klubs hatte, ist kein Geheimnis. Der kostenbewusste Savoldelli war ein Bremsklotz bei der Vorwärtsstrategie Röthelis und galt bald einmal als Verhinderer. Bis sich Savoldellis Nachfolger Marc Thommen einen Überblick verschafft und alle Leichen im Keller entdeckt hatte, war es längst zu spät, der Schaden bereits angerichtet.

Es ist das grosse Glück des EHC Olten, dass Thommen und die restlichen Verwaltungsräte dieses leckgeschlagene Schiff nicht haben sinken lassen. Sondern, im Gegenteil, auch mitten in einem der schwersten Stürme der jüngeren Vereinsgeschichte, sich daran gemacht haben, die Organisation auf ein solides Fundament zu stellen. Mit einer funktionierenden Geschäftsstelle, mit Investitionen in die Stadioninfrastruktur – und trotz massiver Sparvorgaben – mit dem Willen, weiter gutes Geld in das sportliche Aushängeschild, die erste Mannschaft, zu stecken.

Seien wir also froh, gibt es ab Mitte September wieder Eishockey im Kleinholz zu sehen. Aber jetzt ist Demut angesagt. In jeder Beziehung.

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