Matchbericht
Unnötige, aber verdiente Niederlage: Der FC Aarau bringt sich selber um seine Aufstiegsträume

Das wars dann wohl mit den Barrageträumen: Der FC Aarau kann in Schaffhausen den Patzer von Thun nicht ausnutzen und verliert mit 2:3, obwohl er zwei Mal in Führung lag.

Sebastian Wendel
Merken
Drucken
Teilen
Murat Yakin hat gut lachen: Seine Mannschaft zieht dank dem Sieg am FC Aarau vorbei.
17 Bilder
Enttäuschte Gesichter auf der FCA-Bank.
Der FC Aarau kann auf den dritten Gegentreffer nicht mehr reagieren.
Stephan Kellers Blick spricht Bände.
Es folgt ein irrer Schlagabtausch im zweiten Durchgang: Aarau und Schaffhausen schenken sich gegenseitig drei Tore innert neun Minuten ein.
Raoul Giger tritt seinem Gegenspieler auf den Fuss.
Leion Bergsma kann den Ausgleich zum 2:2 nicht verhindern.
Kurz nach der Pause gelingt Schaffhausen der Ausgleich.
Stojilkovic bringt den FCA wenige Minuten vor dem Pausenpfiff in Führung.
Aarau kommt gegen Schluss der ersten Halbzeit besser ins Spiel.
Bastien Conus entwischt seinem Gegenspieler.
Schaffhausen-Fans machen Stimmung.
Filip Stojilkovic sorgt für Gefahr im Schaffhauser Strafraum.
Es gibt viel Kampf im Mittelfeld, dafür wenig attraktive Torchancen während der ersten Halbzeit.
Liridon Balaj bringt Tempo ins Aarauer Offensivspiel.
Kevin Spadanuda kommt einen Schritt zu spät.
Der FC Aarau erwischt einen harzigen Start in Schaffhausen.

Murat Yakin hat gut lachen: Seine Mannschaft zieht dank dem Sieg am FC Aarau vorbei.

freshfocus

Adieu Barrage? Stephan Keller, der Trainer des FC Aarau, sagt nach dem 2:3 in Schaffhausen: «Das Resultat ist ein Indikator dafür, dass die Barrage in diesem Jahr ohne Aarau stattfinden wird.» Natürlich ist bei sechs Punkten Rückstand und drei verbleibenden Spielen rechnerisch der Sprung auf Rang 2 weiterhin möglich – aber nur das: Es bräuchte ein mittleres Fussballwunder, um in den restlichen drei Runden die vor Aarau liegenden Schaffhausen und Thun noch zu überholen.

Dabei war die Ausgangslage vor dem Anpfiff vielversprechend: Thun hatte am Vorabend in Kriens «nur» 1:1 gespielt, mit einem Sieg in Schaffhausen wäre der Rückstand des FCA auf die Berner Oberländer auf drei Zähler geschrumpft. Es stellte sich aus Aarauer Sicht vor allem die Frage: Wie verkraftet die Mannschaft die Ausfälle der Schlüsselspieler Olivier Jäckle und Mickael Almeida (beide gesperrt)?

Antwort: Nicht gut. Vor allem Jäckle fehlte an allen Ecken und Enden. Trainer Keller stellte Rrudhani auf der Jäckle-Position vor der Abwehr auf, weil er sich von diesem mehr spielerische Impulse als von Mats Hammerich und Silvan Schwegler versprach, die sich die Halbpositionen davor aufteilten. Eine naheliegende Idee, die in der Umsetzung jedoch scheiterte: Rrudhani wirkte von Beginn an als Stratege überfordert, dazu fehlten wegen seiner Versetzung Rrudhanis Dynamik und Torgefährlichkeit in der Offensive.

Es dauerte 20 Minuten, bis die Gäste Ordnung in ihr Aufbauspiel bekamen. Dann aber ergaben sich bis zur Halbzeitpause vier grosse Torchancen, von denen nur die letzte durch Almeida-Vertreter Filip Stojilkovic genutzt werden konnte. Symptomatisch für die ganze FCA-Saison: Zwar geht man mit einer Führung in die Pause, doch müsste diese höher ausfallen, um nach dem Seitenwechsel gar nicht erst in Bedrängnis zu geraten.

Filip Stojilkovic bringt den FCA in Führung.

Filip Stojilkovic bringt den FCA in Führung.

freshfocus

So aber sind im zweiten Durchgang keine drei Minuten gespielt, als es plötzlich 1:1 steht: Ein Geschenk der Gäste, namentlich von Goalie Simon Enzler, der einen gefangen geglaubten Flankenball nach einem Zusammenstoss mit Vordermann Bergsma fallen lässt – Schaffhausens Pollero reagiert am schnellsten und staubt ab zum 1:1.

Der Beginn einer turbulenten Phase: Fünf Minuten später führt Aarau wieder, nach einem Energieanfall von Raoul Giger, der Stojilkovic freispielte, dessen Zuspiel wiederum von Kevin Spadanuda ins Tor bugsiert wurde. Praktisch im Gegenstoss fällt das 2:2 durch Prtajin, der zuvor von Bergsma vergessen ging.

Es blieb nicht beim einen Patzer des bis dato überragenden Holländers im FCA-Abwehrzentrum: Vor dem 2:3 in der 79. Minute müsste er bei einem gegnerischen Angriff den Ball einfach wegschlagen, stattdessen bleibt Bergsma wie angewurzelt stehen und ermöglicht so den Steilpass auf Bislimi, dessen Lupfer über Enzler hinweg zum Siegtreffer führt.

Drei Tore innert neun Minuten: Zwischen Aarau und Schaffhausen ging es wild zu und her.

Drei Tore innert neun Minuten: Zwischen Aarau und Schaffhausen ging es wild zu und her.

freshfocus

Vor dem dritten Gegentreffer und auch danach lassen es die Aarauer im Vorwärtsgang an Kreativität, Stringenz und Genauigkeit vermissen, um ihrerseits ein drittes Mal zu skoren. So bleibt das Fazit: Der Sieg und somit die Annäherung an die Barrage wäre möglich gewesen, die Niederlage ist indes alles andere als unverdient: Wer erneut mehrere hochkarätige Chancen liegen lässt, wer wiederum viele Gegentore kassiert und wer nach dem 2:3 keine Torchance mehr hat, der muss sich über die elfte Niederlage im 33. Saisonspiel nicht beklagen. Anders gesagt: Nach den Spielen gegen GC (2:1) und Luzern (1:2) konnte der FCA in Schaffhausen nicht an die starken Auftritte anknüpfen, zu viele Spieler kamen nicht auf Touren, was dann einfach zu schwer ins Gewicht fiel.

Keller ist nach dem ziemlich sicheren Out im Barragerennen sichtlich enttäuscht und sagt: «Scheinbar glaube ich mehr an gewisse Spieler als diese an sich selber.» Der Frust des Trainers ist verständlich – trotzdem werden Keller und seine Mannschaft am Ende auf eine erfreuliche Saison zurückblicken dürfen. Egal, ob in den verbleibenden drei Runden noch ein Fussballwunder eintritt oder nicht.

Das Telegramm

FC Schaffhausen - FC Aarau 3:2 (0:1)

Stadion Schaffhausen. - 100 Zuschauer. - SR: Piccolo. - Tore: 43. Stojilkovic (Schwegler) 0:1. 48. Pollero 1:1. 53. Spadanuda (Stojilkovic) 1:2. 54. Prtajin 2:2. 79. Bislimi 3:2.
Schaffhausen: Saipi; Lika (67. Krasniqi), S. Müller, Mujcic (46. Neitzke), A. Müller; Hamdiu; Bislimi, Rodriguez, Mozzone (83. Padula); Pollero, Prtajin (67. Del Toro).
Aarau: Enzler; Giger, Thiesson, Bergsma, Conus; Schwegler, Rrudhani, Hammerich (86. Schneider), Spadanuda (86. Avdyli); Balaj (75. Aratore), Stojilkovic.
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Maouche (gesperrt), Menezes, Sarr (beide verletzt), Bajrami, Berglas, Deronjic, Djoulou, Furrer, Talic und Wick (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Almeida, Jäckle (beide gesperrt), Schindelholz (krank), Peralta, Qollaku, Thaler (alle verletzt), Caserta, Hajdari und Verboom (alle nicht im Aufgebot). - 28. Lattenschuss Stojilkovic. - Verwarnungen: 12. Conus, 52. Mozzone (beide Foulspiel), 57. Giger, 57. A. Müller (beide Unsportlichkeit), 61. Lika (Foulspiel), 80. Thiesson (Handspiel), 87. Rodriguez, 91. Schwegler (beide Foulspiel).