Fussball
Barrage adé: Nach der Niederlage in Schaffhausen ist der FC Aarau wohl am Ende der Träume angelangt

Durch das 2:3 in Schaffhausen sind die Aufstiegschancen des FCA noch einmal deutlich kleiner geworden. Trainer Keller vermisst das Selbstvertrauen bei seinen Schützlingen, Goalie Simon Enzler sagt: «Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren.»

Frederic Härri
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Das 2:3 in Schaffhausen könnte der eine Rückschlag zu viel gewesen sein für die Aufstiegsambitionen der Aarauer um Simon Enzler.

Das 2:3 in Schaffhausen könnte der eine Rückschlag zu viel gewesen sein für die Aufstiegsambitionen der Aarauer um Simon Enzler.

Claudio Thoma / freshfocus

Nach der Halbzeitpause kündigt sich das Unheil ein erstes Mal an. In der 48. Minute segelt eine Schaffhauser Flanke von links in den Strafraum. Simon Enzler, der Torhüter des FC Aarau, verlässt den Fünfmeterraum, fixiert das Spielgerät scheinbar sicher zwischen den Handschuhen, dann aber prallt er unglücklich mit Vordermann Léon Bergsma zusammen. Der Ball fällt nach unten, wie reifes Obst von einem Baum. «Und ja, dann steht der Stürmer halt leider dort und macht ihn rein», resümiert Enzler nach Spielschluss.

Es ist ein Moment der Marke Slapstick, der den Ausgleich bringt. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatte Filip Stojilkovic die Aarauer in Führung gebracht. Und gewiss ist der Patzer des sonst so sicheren Schlussmannes bezeichnend für die unglücklichen Ereignisse, die sich im Lipo Park zu Schaffhausen aneinanderreihen. Doch gibt die Szene nicht den Ausschlag dafür, dass der FCA die Heimreise ohne Punkte im Gepäck antreten muss.

Vielmehr ist es die Reaktion der Mannschaft – oder das Ausbleiben ebendieser – nach der abermaligen Führung durch Kevin Spadanuda in der 53. Minute. «Nach dem 2:1 dachte ich mir: Gut, jetzt stehen wir hinten sauber und kriegen das hin», sagt Enzler. Doch der FCA kriegt es nicht hin, er sortiert sich nicht schnell genug und muss im direkten Gegenzug das 2:2 hinnehmen.

Nach dem 2:1 verzeichnete der FCA keine Torchance mehr

Danach schleicht sich eine unerklärbare Passivität ein. Die Aarauer erspielen sich keine einzige Torchance mehr. «Gegen vorne ging nicht mehr viel», sagt Enzler. «Wir hatten keinen Zugriff und sind nur hinterhergelaufen.» Die Quittung erfolgt elf Minuten vor Schluss, als Abwehrchef Bergsma nicht resolut genug gegen Francisco Rodriguez verteidigt. So darf Rodriguez den Pass auf Uran Bislimi spielen, der Enzler überlupft und das letzte Tor dieses Abends erzielt.

Am Ende steht eine Niederlage, die den FCA im Aufstiegsrennen vorentscheidend zurückwirft. Den FC Schaffhausen musste man in der Tabelle vorbeiziehen lassen. Der Rückstand auf den Barrageplatz, den der FC Thun belegt, beträgt sechs Punkte. Auch das Torverhältnis spricht nicht für das Team von Stephan Keller. Der Trainer stand am Samstag nach Abpfiff auf dem Schaffhauser Kunstrasen und sagte:

«Heute war ein klarer Indikator, dass die Barrage ohne den FCA stattfinden wird.»

Elf Niederlagen in 33 Spielen sind letztlich zu viel

Keller bezog sich natürlich auf das Resultat, doch dürfte er mit der Aussage auch auf die gesamte Saison des FC Aarau gedeutet haben. Darauf, dass die Mannschaft in den entscheidenden Momenten nicht wach genug, nicht abgeklärt genug auftritt. Darauf, dass sie zwar viele Tore schiesst, mehr als jeder andere Challenge-Ligist, mit 55 Gegentoren aber auch die schwächste Abwehr stellt, sieht man mal vom FC Chiasso ab. Der FCA hat in 33 Spielen elf Mal den Platz als Verlierer verlassen. Kein anderer Aufstiegsanwärter verlor zweistellig.

Stephan Keller musste konstatieren, dass der Ausfall von Olivier Jäckle und Mickael Almeida zu schwer wog.

Stephan Keller musste konstatieren, dass der Ausfall von Olivier Jäckle und Mickael Almeida zu schwer wog.

Claudio Thoma / freshfocus

In Schaffhausen sagte Keller auch den Satz: «Ich wünschte mir, das Selbstvertrauen der Spieler wäre so gross wie das Vertrauen, das ich in sie habe.» Captain Olivier Jäckle und Stürmer Mickael Almeida fehlten bei der 2:3-Niederlage gelbgesperrt. Spieler solcher Güte sind nicht so leicht zu ersetzen, doch sagte Keller eben auch: «Die anderen hätten in die Schuhe von Oli und Mickael schlüpfen müssen.» Der Konjunktiv verrät es: Geschafft haben sie es nicht.

In Enzlers abschliessenden Worten schwingt Gelöstheit mit

Wurde die junge Mannschaft letztlich vom Druck und von den Erwartungen eingeholt, die sich in den letzten Wochen und Monaten aufgestaut haben? Simon Enzler widerspricht. «Ich finde nicht, dass der Druck zu gross war. Wir wussten, dass in der Tabelle alles nahe zusammen ist und wir Siege brauchen, aber das war nichts Neues für uns.»

Als der Torhüter schliesslich auf die restlichen drei Saisonspiele gegen Kriens, Thun und Lausanne zu sprechen kommt, ist in seinen Worten trotz allem eine gewisse Gelöstheit auszumachen. «Wir haben nichts mehr zu verlieren», sagt Enzler und es klingt wie eine Erleichterung. Neun Punkte zu holen, das sei das Ziel.

«Und dann schauen wir, was am Ende dabei herauskommt.»