Fussball
FCA-Goalie: Mal der Held, dann der Depp

Besteht Aaraus Torhüter Sascha Studer im Spiel von heute Montag gegen Stade Nyonnais die Reifeprüfung? Studer machte seine Sache während der Vorrunde ordentlich, bewegte sich mit seinen Leistungen aber irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn.

Ruedi Kuhn
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Aargauer Zeitung

Plötzlich dreht Sascha Studer den Spiess um, schlüpft in die Rolle des Journalisten und stellt eine Frage: «Wer kommt schon perfekt auf die Welt?» Sekunden später lächelt der junge Mann schelmisch, gibt sich die Antwort gleich selbst und sagt: «Niemand. Jedenfalls ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und als Torhüter ist man so oder so meistens ganz oben oder ganz unten.»

Studer weiss, wovon er spricht. Nach dem Abgang von Kultfigur Ivan Benito kämpfte der junge Mann im Hinblick auf diese Saison um die Nummer eins im Tor des FC Aarau. Dass er das Duell mit Joël Mall für sich entschied, hatte nichts mit Qualität zu tun, nein, Konkurrent Mall zog sich im Vorfeld der Meisterschaft eine Fussverletzung zu. Diese ist bis heute nicht ausgeheilt. Studer machte seine Sache während der Vorrunde ordentlich, bewegte sich mit seinen Leistungen aber irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Top und Flop wechselten sich in bunter Reifenfolge ab: Mal war Studer der Held, dann der Depp.

«Ich suchte das Gespräch mit Jakovljevic»

Die Besetzung des Torhüterpostens wurde auch vor dem Auftakt zur Rückrunde zu einem zentralen Thema. Trainer Ranko Jakovljevic hatte die Qual der Wahl. Mit dem kurzfristig verpflichteten Routinier Reto Bolli und den Talenten Sascha Studer und Philipp Bachmann kämpften gleich drei Goalies um den begehrten Platz an der Sonne. Jakovljevic entschied sich vor dem ersten Spiel gegen Biel für den erfahrenen Bolli. Studer war enttäuscht, haderte aber nicht mit dem Schicksal, sondern ging der Sache auf den Grund. «Ich suchte das Gespräch mit Jakovljevic», so Studer. «Er sagte mir, dass ich in Zukunft die Konzentration noch höher halten und klarere Anweisungen an die Mitspieler geben müsse.»

Bolli aber blieb vorerst zwischen den Pfosten. Weil der Neue in den Partien gegen Biel (5:3), Delémont (3:3) und Servette (2:4) zehn Tore kassierte und dabei nicht immer glückliche Figur machte, reagierte Jakovljevic. Prompt erhielt Studer im Heimspiel gegen Chiasso eine Chance – und nützte sie. Der Youngster zählte während der Nullnummer gegen die Südschweizer zu den Besten und hielt seinen Kasten auch beim 1:0-Sieg in Kriens rein. Logisch also, dass der 19-Jährige heute Abend auch gegen Stade Nyonnais spielen wird.

Gefühlswelt in den Griff bekommen

Studer legt beim FC Aarau momentan so etwas wie eine Reifeprüfung ab. An Talent fehlt es ihm nicht. An Selbstkritik auch nicht. «Früher», sagt Studer, «hat mich meine Selbstkritik schier aufgefressen. Ich machte Mentaltraining und ging dann sogar zu einem Psychologen. Jetzt bekomme ich meine Gefühlswelt langsam, aber sicher in den Griff. Und mit dem Druck kann ich inzwischen auch umgehen.» Das ist gut so, denn der junge Mann ist in nächster Zeit doppelt gefordert. Einerseits als Fussballer, anderseits absolviert er im Mai die Abschlussprüfungen für das Handelsdiplom im KV-Bereich.

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