Schwingen
Diese Aargauer haben die grössten Chancen auf einen Coup am Unspunnen-Schwinget

Am Sonntag findet in Interlaken der Unspunnen Schwinget statt. Nicht viele Aargauer haben am prestigeträchtigen Fest Chancen für Furore zu sorgen. Die «Aargauer Zeitung» hat jene vier Schwinger rausgepickt, denen man am ehesten einen Exploit zutrauen kann.

Wolfgang Rytz
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Behält Nick Alpiger am Unspunnen Schwinget einen kühlen Kopf?

Behält Nick Alpiger am Unspunnen Schwinget einen kühlen Kopf?

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Nick Alpiger 5. 12. 1996 – 185 cm/108 kg – 28 Kränze – 10. der Jahrespunkteliste.

Nick Alpiger 5. 12. 1996 – 185 cm/108 kg – 28 Kränze – 10. der Jahrespunkteliste.

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Der neue Nordwestschweizer Leader

Der noch nicht 21-jährige Staufener Nick Alpiger hat sich in den letzten vier Jahren ab dem ersten Kranzgewinn 2013 in Basel extrem gesteigert. Der souveräne eidgenössische Kranzgewinn im letzten Jahr in Estavayer-le-Lac war nur eine Zwischenstation. Zu Saisonbeginn feierte der bullige Sennenschwinger am Baselstädtischen Schwingertag in Riehen mit einem Schlussgangerfolg über Bruno Gisler seinen ersten Kranzfestsieg. Da zeichnete sich ab, dass er im Nordwestschweizerischen Schwingerverband bald die Vorherrschaft übernimmt.

Mit seinen drei Bergkränzen auf dem Stoos, der Rigi und dem Weissenstein hat er dies schneller als erwartet umgesetzt. Die alternden Leader Christoph Bieri, Bruno Gisler und Mario Thürig hat er im Laufe der Saison überflügelt. Sein variabler Schwingstil mit Links- und Rechtsschwüngen, gepaart mit einer unerschrockenen offensiven Einstellung, bringt auch Spitzenschwinger von nationalem Format in Schwierigkeiten. Bei seinem jugendlichen Alter winkt ihm weiteres Steigerungspotenzial.

Dazu passt, dass er bisher erklärte, als zu 100 Prozent arbeitender Maurer brauche er (noch) kein spezifisches Krafttraining. Beim Saisonhöhepunkt in Interlaken ist ihm zwar nicht gerade der Triumph, aber doch die eine oder andere Überraschung gegen einen Anwärter auf den Festsieg zuzutrauen. Beim Schwingervolk geniesst der leidenschaftliche Hobbyfischer viele Sympathien, weil er bisher allen Lockrufen von Sponsoren widerstand.

Patrick Räbmatter 12. 12. 1991 – 187 cm/140 kg – 26 Kränze – 53. der Jahrespunkteliste.

Patrick Räbmatter 12. 12. 1991 – 187 cm/140 kg – 26 Kränze – 53. der Jahrespunkteliste.

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Der liebenswürdige Favoritenschreck

Mit Patrick Räbmatter haben die Nordwestschweizer den unberechenbarsten Schwinger im Kader. Nach dem ersten Kranzgewinn 2010 machte der ehemalige Fussballgoalie in den Zwilchhosen nur langsame Fortschritte. Noch 2013 war er in Burgdorf weit von einem Eidgenössischen Kranz entfernt. Seither hat sich viel verändert.

Der Brocken aus Uerkheim hat im Sägemehl seine Kurz/Kreuzgriff-Kombination und seinen gefürchteten Schlungg technisch verfeinert. Spätestens seit seinem Sieg 2016 über Schwingerkönig Matthias Sempach weiss die ganze Schwingerschweiz, dass «Räbi» jeden Gegner bezwingen kann. Das gilt trotz siebenwöchiger Verletzungspause im Juni/Juli auch für das Unspunnenfest.

Tobias Widmer 24. 8. 1996 – 192 cm/110 kg – 8 Kränze – 57. der Jahrespunkteliste.

Tobias Widmer 24. 8. 1996 – 192 cm/110 kg – 8 Kränze – 57. der Jahrespunkteliste.

Chris Iseli

Leistungssprung im Winter

Die RS warf ihn im letzten Jahr zurück, doch am «Eidgenössischen» überraschte das Talent des Schwingklubs Aarau mit einer starken Leistung. Er kämpfte gar um den Kranz. Auf diese Saison hin verwandelte sich der Schlaks in ein Kraftpaket. Im Winterhalbjahr legte er massiv an Muskelmasse zu. Im Sägemehl begeistert er weiterhin mit offensiver Schwingweise. Damit bringt der kaufmännische Angestellte auch «Böse» ins Wanken.

Seine körperlichen Fortschritte, basierend auf Trainingsfleiss, zahlen sich aus. Am Nordwestschweizerischen besiegte er den Nordostschweizer Eidgenossen Marcel Kuster. Entsprechend spielt der sechsfache Saisonkranzer im Nordwestschweizer Team eine wichtige Rolle.

Lukas Döbeli 7. 3. 2000 – 186 cm/109 kg – 5 Kränze – 79. der Jahrespunkteliste.

Lukas Döbeli 7. 3. 2000 – 186 cm/109 kg – 5 Kränze – 79. der Jahrespunkteliste.

ho

Der Jüngste als grösste Hoffnung

Alpiger und Räbmatter in Ehren, aber die grösste Nordwestschweizer Hoffnung für die Zukunft ist Lukas Döbeli. Der Jahrgangssieger am Eidgenössischen Nachwuchs-Schwingertag 2015 in Aarburg hat bei den Aktiven Fuss gefasst. Mit 17 Jahren ist der Freiämter der jüngste Teilnehmer am Unspunnen-Schwinget. Trotzdem oder erst recht kann er in Interlaken für eine Überraschung sorgen.

Vier Saisonkränze lassen erkennen, dass seine Fortschritte anhalten. Dass er an eidgenössischen Anlässen unbeschwert und entsprechend stark auftreten kann, zeigte er in Estavayer. Mit drei Plattwürfen am zweiten Tag kam er dem Eidgenössischen Kranz nahe. Die Unspunnen-Konkurrenz ist gewarnt vor dem Zimmermannlehrling.