Das nennt man dann wohl «jammern auf hohem Niveau»: Sechs Spiele, fünf Siege in Serie, Tabellenplatz 2 und ein Torverhältnis von 29:13 – die Saisonstart-Bilanz des EHC Olten liest sich auf dem Papier prächtig. Und doch kamen die Spieler im Donnerstags-Training in den «Genuss» eines veritablen Donnerwetters ihres Trainers. Chris Bartolone war mit der Arbeitseinstellung seiner Jungs alles andere als zufrieden. Und liess es sie verbal spüren.

Zumal er auch noch keine Gelegenheit gehabt hatte, seine Eindrücke des Thurgau-Spiels vom Dienstag (4:3 nach Verlängerung) zu vermitteln. Die waren alles andere als gut gewesen – Sieg hin oder her. Und so musste der aufgestaute Unmut des ansonsten so freundlichen
EHCO-Headcoachs raus.

Die Botschaft war klar: Mit einer Leistung wie gegen Thurgau gibt es an diesem Wochenende nichts zu gewinnen. Heute Abend wartet in Visp ein Gegner, der nach einem schwierigen Saisonstart zuletzt immer besser in Schwung gekommen ist. Und am Sonntag steht bereits das nächste Derby gegen Langenthal auf dem Programm. Auch da ist klar: Ohne die richtige Einstellung wird es gegen Mannschaften dieses Kalibers richtig schwierig.

Keine Chance für den Schlendrian

Man kann Bartolones Intervention angesichts der nackten Zahlen also tatsächlich als «Jammern auf hohem Niveau» abstempeln. Aber der US-Amerikaner hat in seinen mittlerweile über zwei Jahren, die er in Olten arbeitet, gelernt, die entsprechenden Warnsignale zu erkennen und frühzeitig einzugreifen. Der Schlendrian soll gar nicht erst eine Chance erhalten, sich zu installieren, die Spieler keine Gelegenheit erhalten, es sich in der Komfortzone bequem zu machen. Mit wenigen Ausnahmen blieben fast alle Akteure gegen Thurgau unter den Erwartungen. Vor allem punkto Einsatz und Konzentration. Deshalb wird der Oltner Trainer in Visp genau hinschauen, wer die Botschaft verstanden hat und wer nicht – und die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Chris Bartolone nimmt seinen Söldner Bryce Gervais (Bild) in Schutz: «Es war eines dieser Spiele, in welchem dir als Spieler nichts gelingt. Aber ich mache mir um ihn keine Sorgen.»

  

Einer der Spieler, die am Dienstag Rätsel aufgaben, war der Kanadier Bryce Gervais, der während der ganzen Partie wie ein Fremdkörper ohne Bindung zum Spiel wirkte. Das hatte auch Chris Bartolone gesehen, aber er nimmt seinen Söldner in Schutz: «Es war eines dieser Spiele, in welchem dir als Spieler nichts gelingt. Aber ich mache mir um ihn keine Sorgen.» In der Tat ist es noch viel zu früh, sich ein Urteil über die Qualität von Gervais zu bilden. Zumal der Stürmer auch nicht ganz fit ist und seit längerer Zeit mit Problemen an der Hand zu kämpfen hat.

Wegen dieser Verletzung pausierte er Ende September auch schon im Spiel gegen die Ticino Rockets (7:0). Kommt ein weiterer Faktor dazu, der gerne vergessen wird: Ausländische Spieler haben in Olten generell eine weniger dominante Rolle als bei Teams wie Ajoie oder Thurgau, wo sie die Hauptlast der Offensive tragen müssen. Der EHCO verfügt über ein viel ausgeglicheneres Kader. Entsprechend wird auch die Eiszeit anders verteilt.

Mischler fällt aus

Ohne Eiszeit bleibt vorderhand Goalie Matthias Mischler, der mit einem kleinen Muskelfaserriss am Oberschenkel mindestens eine Woche pausieren muss. Als temporären Ersatz holte EHCO-Sportchef Marc Grieder vom Erstligisten Argovia Stars Sandro Wehrli (21), der bereits Ende August im Trainingslager in Füssen ausgeholfen hatte.

EHCO-Goalie Matthias Mischler (hinten) fällt mit einem kleinen Muskelfaserriss am Oberschenkel mindestens für eine Woche aus.

EHCO-Goalie Matthias Mischler (hinten) fällt mit einem kleinen Muskelfaserriss am Oberschenkel mindestens für eine Woche aus.