Challenge League
Und wieder steht der Schiedsrichter im Mittelpunkt: Aarau bekommt keinen Penalty, Thun schon - 2:0 für die Gäste

Der FCA unterliegt den Berner Oberländern im Brügglifeld. In der Defensive patzen die Routiniers, in der Offensive vergibt das Heimteam zwei Grosschancen und darf sich beklagen, von Schiedsrichter Alain Bieri benachteiligt worden zu sein.

Sebastian Wendel
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«Hoffentlich müssen wir nach dem Spiel nicht wieder über den Schiedsrichter reden», wünscht sich FCA-Trainer Stephan Keller im TV-Interview vor dem Anpfiff. Es bleibt beim Wunsch.

Im Kühlschrank Brügglifeld sind 57 Minuten gespielt, da kommt es zum Laufduell zwischen Raoul Giger und Marco Bürki. Kein Blatt passt zwischen die beiden – und dann fällt der Aarauer. Nicht einfach so, die Konsultation der TV-Bilder bestätigt den Live-Eindruck: Der Thuner trifft den Aarauer im Gesicht, klares Foulspiel. Doch Alain Bieri, der als einer der besten der Schweizer Schiedsrichter-Gilde gilt, reagiert nicht.

Im zweiten Spiel in Folge wird dem FC Aarau ein Elfmeter verwehrt. Vor einer Woche in Lausanne spielt das angesichts des 2:0-Auswärtssieges noch keine Rolle, gegen Thun jedoch ist der Schiedsrichter-Einfluss matchentscheidend: Der verwehrte Penalty bricht die Aarauer Drangphase nach der Halbzeitpause, vor Bieris Fehlentscheid vergeben Bergsma und Schneider zwei Grosschancen.

Und dann steht es nach 67 Minuten plötzlich 1:0 für die Gäste. Ein Tor des eingewechselten Dos Santos aus dem Nichts, nachdem mit Jäckle, Bergsma und Thaler die erfahrensten drei FCA-Profis patzen. Es ist der erste Gegentreffer seit dem 10. September, der erste Gegentreffer nach 557 Minuten. Das ist Allzeit-Rekord seit Aufzeichnung der Statistiken (1981): Goalie Simon Enzler überholt FCA-Legende Andreas Hilfiker, der in der Meistersaison 1992/93 516 Minuten nicht hinter sich greifen musste.

Doch das verkommt an diesem Abend zur Randnotiz, Enzler wird sich später darüber freuen können. Vorerst dürfte der Frust überwiegen: Der Frust darüber, dass Thun nach 78 Minuten durch Chihadeh – auch er ein Einwechselspieler – das 2:0 und somit das Schlussresultat erzielt.

Ironie des Schicksals: Dem zweiten Gästetreffer geht ein Penaltypfiff von Alain Bieri voraus. Zurecht, denn FCA-Verteidiger Marco Thaler reisst im Gewühl nach einem Corner Havenaar zu Boden. Bitter ist das trotzdem für die Aarauer, denn so weit wäre es wohl gar nicht gekommen, hätte Bieri vor den Gegentoren auf Penalty für das Keller-Team entschieden.

Apropos Keller: Der kann seiner Mannschaft nach der ersten Niederlage seit dem 27. August keine grossen Vorwürfe machen. Sie steht nach den Gegenschlägen wieder auf und hat beim Pfostenschuss von Conus ein weiteres Mal Pech. Vielmehr muss die Frage erlaubt sein, ob der FCA-Trainer mit seiner Personalwahl ein gutes Händchen bewiesen hat: Für den verletzten Rrudhani, der an allen Ecken und Enden fehlt, bringt Keller Schwegler, im offensiven Mittelfeld darf erneut Schneider ran. An Schwegler läuft das Spiel vorbei, in der ersten Halbzeit wirkt er gar verloren. Und Schneider ist zwar auffällig, bringt dabei aber zu oft aus aussichtsreicher Position den Ball nicht zum Mitspieler und vergibt kurz vor dem 0:1 eine Grosschance.

Telegramm

FC Aarau – FC Thun 0:2 (0:0)

Brügglifeld. – 3’560 Zuschauer. – SR: Bieri. – Tore: 67. Dos Santos 0:1. 78. Chihadeh (Foulpenalty) 0:2.

Aarau: Enzler; Giger, Thaler, Bergsma, Conus; Schwegler (67. Njie), Jäckle; Balaj (88. Aratore), Schneider, Spadanuda (67. Avdyli); Almeida (78. Gouano).

Thun: Ziswiler; Dorn, Havenaar, Bürki, Schüpbach; Hasler, Roth (58. Chihadeh); Kyeremateng (70. Castroman), Karlen (58. Dos Santos), Dzonlagic (58. Ndongo); Gerndt.

Bemerkungen: Aarau ohne Ammeter, Gashi, Qollaku, Rrudhani, Thiesson (alle verletzt) und Senyurt (nicht im Aufgebot). Thun ohne Sutter (gesperrt), Fatkic, Hirzel, Rüdlin, Schwizer (alle verletzt), Ahmed und Vasic (beide nicht im Aufgebot). – 89. Pfostenschuss Conus. – Verwarnungen: 11. Enzler, 61. Giger, 63. Hasler, 71. Dos Santos (alle Foulspiel).

Wenn die hochgelobte Offensivmaschinerie nicht ins Rollen kommt und der Gegner sich auf die Stirn schreibt, in erster Linie das eigene Tor zu verbarrikadieren – dann hat Aarau bekanntlich Mühe und kommt es so raus wie an diesem Abend. Das soll kein Vorwurf an Thun und dessen Trainer Carlos Bernegger sein: Dieser macht an diesem Abend nicht nur taktisch alles richtig, er wechselt zudem die Torschützen. Beim Schiedsrichter – zumindest insgeheim – dürfte sich Bernegger aber auch noch bedanken.

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