Ando Hakob weiss, wie man sich in den sozialen Medien in Szene setzt. Der 28-jährige Boxer mit armenischen Wurzeln hat sich insbesondere auf Facebook eine beachtliche Fanbase erarbeitet, die er fast täglich mit Videos und Bildern versorgt. Dass er dabei grosse Töne spuckt, liegt in der Natur der Sache. Er bezeichnet sich als «schnellsten Boxer der Welt» und rühmt sich und seine Trainingsmethoden als «genial» oder «die besten, die es gibt». Die Videos werden von seinen Fans fleissig geteilt, einige davon wurden gar über 100 000-mal angesehen.

Auch Mätzchen im Ring gehören bei Ando Hakob dazu. In einem kurzen Videoausschnitt seines jüngsten Profikampfs sieht man, wie er mit dem Gegner spielt. Lässig tänzelt er vor dessen Augen auf und ab, verschränkt die Arme hinter dem Rücken und streckt dem Gegner den Kopf hin. Er praktiziert einen Boxstil, der für die Zuschauer attraktiv ist. Wenn Ando Hakob im Ring steht, ist Spektakel garantiert. Doch längst nicht alle können mit der teilweise prahlerischen Selbstdarstellung von Ando Hakob in den sozialen Medien etwas anfangen. Arrogant, respektlos und überheblich sind noch die harmloseren Beleidigungen, mit denen er konfrontiert wird.

Kalkulierte Provokation

Doch diese provokative und äusserst selbstbewusste Darstellung im Internet ist nur eine Seite von Ando Hakob. Und die will so gar nicht zur anderen Seite des Boxers passen. Denn wer Ando Hakob persönlich trifft, der würde nie auf die Idee kommen, dass dies ein und dieselbe Person ist, die im Netz derart grosse Sprüche klopft. Ando Hakob – mit seinen 1,75 Metern Körpergrösse eher klein – ist freundlich und zuvorkommend. Im Gespräch hat er sein Gegenüber stets fest im Blick, redet leise und wählt seine Worte mit Bedacht.

Wer genau hinhört, merkt schnell, dass da weit mehr dahintersteckt als bloss eine grosse Klappe. Dass er sich auf den sozialen Medien anders verkauft, ist aber kein Zufall. Es war eine bewusste Entscheidung. «Ich habe kein Management und keinen grossen Sponsor hinter mir. Wenn ich also Aufmerksamkeit erregen und mir in der Boxszene einen Namen machen will, muss ich provozieren und allen sagen, dass ich der Beste bin», sagt Hakob. Und der Erfolg gibt ihm Recht. «Ohne Facebook und die anderen sozialen Plattformen wäre ich wohl nicht so weit gekommen.» Dass seine Posts von Aussenstehenden als arrogant oder überheblich bezeichnet werden, nimmt er in Kauf. «Was interessiert mich die Meinung einer kleinen Gruppe von Menschen, die mir meinen Erfolg nicht gönnt? Die sind mir vollkommen egal!»

Riesiger Aufwand

Es ist das einzige Mal im gesamten Gespräch, dass bei Ando Hakob die Emotionen hochkommen und er lauter spricht. Schliesslich geht es um das Boxen, seine grosse Leidenschaft. Und dafür opfert Ando Hakob, der im Alter von neun Jahren aus Armenien in die Schweiz geflüchtet ist, enorm viel. Seit sechs Jahren ist der 28-Jährige Trainer, Manager, Sponsoringverantwortlicher und Profiboxer in Personalunion.

Auch seine Kämpfe organisiert er alle selber. «Das ist ein 24-Stunden-Job. Ich bin immer erreichbar. Der Aufwand dafür ist enorm gross und gerade finanziell muss ich extrem sparsam sein», so Hakob. «Es ist teilweise schon frustrierend, wenn ich dann sehe, welche Möglichkeiten andere Boxer haben. Aber ich will mich nicht beklagen. Ich lebe immerhin im schönsten Land der Welt und kann das machen, was ich liebe – auch wenn es ohne grossen Sponsor ein harter und langer Weg ist.»

Den nächsten Schritt auf diesem Weg kann Ando Hakob morgen Abend in der Stadthalle Olten nehmen. Dann nämlich bestreitet er seinen achten Profikampf gegen den Franzosen Chaquib Fadli (36), ein erfahrener Boxer, der in der Weltrangliste deutlich vor Hakob liegt und erst noch in der nächsthöheren Gewichtsklasse (bis 66,6 kg) antritt als der Badener, der im Superleichtgewicht (bis 63,5 kg) boxt. «Das ist natürlich ein Risiko für mich, aber ich muss Risiken nehmen, um nach vorne zu kommen. Wenn ich diesen Kampf gewinne, nehme ich gleich zwei oder drei Schritte auf einmal. Es ist der bis jetzt wichtigste Kampf meiner Karriere.»