Man ahnt schon in den Startminuten Böses: Bryce Gervais albert an der offensiven blauen Linie mit der Scheibe herum und lässt dabei die nötige Ernsthaftigkeit vermissen. Prompt verliert der EHCO-Ausländer die Scheibe, womit er einen Gegenstoss einleitet, den Torhüter Simon Rytz gerade noch parieren kann.

Einen kurzen, ernsthaften Blickkontakt von Trainer Chris Bartolone Sekunden später auf der Bank zum Protagonisten reicht, um klar zu machen: Ein solches Auftreten reicht nicht nur, sondern wird beim so ambitionierten EHC Olten nicht toleriert.

Es scheint nur einen Einsatz später Früchte zu tragen: Ausgerechnet der fehlerhafte Bryce Gervais ist es, der eine sehenswerte Kombination erfolgreich abschliesst (4.). Es folgen daraufhin 48 Sekunden Spektakel-Eishockey: Erst trifft Hohmann, worauf Mäder und Schwarzenbach auf 4:0 erhöhen.

Doch statt auf dieser Erfolgswelle weiter aufzubauen, lässt sich der EHCO auf den jugendlichen Übereifer der Jungraketen ein – und zieht Strafen en masse ein. Am Ende der Partie zählt der EHC Olten 11 Zweiminutenstrafen, gesammelt von sieben verschiedenen EHCO-Spielern.

Warum sie dies getan haben? Stefan Mäder, der sich in den Spektakel-Sekunden als Torschütze feiern lassen durfte, verwirft nach dem Spiel die Arme: «Wir haben uns auf die Spielchen des Gegners eingelassen und dumme Strafen genommen.»

Was er mit «Spielchen» meinte? Schon nach dem 0:3 meinte etwa ein Center-Spieler der Tessiner, dass doch sowieso alles gelaufen sei und er lieber etwas kämpfen würde, worauf die Oltner Fäuste und Stockschläge zu spüren bekamen. Ganz offensichtlich war auch dem letzten Tessiner im Raketenteam bewusst: Das Auge, die Beine, die Hände – der EHC Olten ist eigentlich in allen Belangen um Welten besser. Gegen einen warm gelaufenen EHC Olten zu spielen, scheint ganz offensichtlich den sonst talentierten Tessinern keinen Spass zu machen. Warum also noch spielen?

Es ist dem EHCO vorzuwerfen, dass man in solchen Momenten nicht die Ruhe bewahrt und stattdessen lieber die Reaktion mittels Spektakel-Eishockey gibt. Denn diese «Spielchen» der Tessiner schienen aufzugehen: Drei Tore schossen die Tessiner an diesem Mittwochabend vor trister Kulisse in Überzahl.

Und plötzlich war nach der grandiosen 4:0-Führung wieder Zittern angesagt, sodass Trainer Chris Bartolone die Notbremse zog und das Timeout in Anspruch nahm. «Wir haben uns gesagt, dass wir dringend wieder an unserem Gameplan festhalten müssen und unser Eishockey spielen sollten», sagte Mäder.

Stürmer Ueli Huber, in dieser Saison noch nicht wirklich auf Touren gekommen, gab mit dem 5:3-Treffer und seinem ersten Saisontor, seine Antwort dazu.

Der EHC Olten erholte sich erst im Schlussdrittel von den «Spielchen» der Jungraketen, indem der lauffreudige Jewgeni Schirjajew, der omnipräsente Stan Horansky sowie Bryce Gervais mit ihren Toren doch noch für die erwartet deutlichen Verhältnisse sorgten.

Der EHC Olten geht nun also mit dem vierten Sieg in Folge erhobenen Hauptes in Richtung Wochenende. Es wartet eine Doppelrunde auf die Powermäuse: Erst gastiert La Chaux-de-Fonds am Samstag zum Spitzenkampf im Kleinholz (17.30 Uhr), ehe tags darauf der EHCO bei der EVZ Academy antritt. Mit Siegen Nummer 5 und 6 en suite stünden die Oltner wohl auch tabellarisch wieder gut da.

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