Endingen
Aufstiegsdrama wird im Gericht entschieden – Spieler von Suhr Aarau schon in den Ferien

Der TV Endingen zieht seinen Protest gegen das 29:29 gegen Suhr Aarau an die nächste und höchste Instanz. Am Dienstagabend findet die Verhandlung des Verbandssportgerichts statt.

Fabian Hägler
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Impressionen vom ersten Aufstiegsdrama zwischen Endingen und Suhr (29:29) Der Endinger Simon Huwyler lässt den Kopf hängen. Im Hintergrund feiern die Suhrer.
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Die Enttäuschung bei Endingen ist kurz nach dem Abpfiff gross. Suhr Aarau steigt dank dem 29:29 auf, Endingen fehlte nur ein Tor.
Endinger Anhänger in der mit 2136 Zuschauern gefüllten Halle
Ljubormir Josic (Suhr) vor toller Kulisse in der GoEasy-Arena.
Karlo Ladan (links, Endingen) gegen Stevan Kurbalija (rechts, Suhr).
Beau Kägi (links, Suhr) gegen Goalie Andre Willimann (rechts, Endingen).
Christian Riechsteiner (links, Endingen) gewinnt ein Penaltyduell gegen Martin Pramuk (rechts, Suhr): Riechsteiner trifft 10 Mal in diesem Match, 5 Mal von der Siebenmeterlinie.
Tim Aufdenblatten (Mitte, Suhr) gegen Lukas Riechsteiner (links) und Karlo Ladan (rechts, beide Endingen).
Die Fans des TV Endingen gaben alles.
Endingens Captain Christian Riechsteiner (links, Endingen) gegen Patrick Romann (rechts, Suhr).
Der Endinger Lukas Riechsteiner beim Abschluss - er erzielte drei Tore in der Nervenschlacht.
Der Zurzibieter Patrick Romann von Suhr Aarau (Mitte) erzielt den letzten und entscheidenden Treffer für sein Team. Im Bild ist gegen Karlo Ladan (links) und Christian Riechsteiner (rechts) vom TV Endingen.
Letztes Time-Out. Und alle stehen in der Halle - Endingen gelingt kein Tor mehr, es bleibt beim 29:29.
Suhr Aarau steigt nicht nur auf, sondern holt sich auch den NLB-Meister-Pokal.
Der Jubel bei Suhr Aarau ist gross.
So jubelt Suhr Aarau mit den Fans nach der Nervenschlacht gegen Endingen.
Der in Bad Zurzach aufgewachsene Patrick Romann (links) feiert mit Lukas Strebel (rechts, beide Suhr) den Aufstieg.

Impressionen vom ersten Aufstiegsdrama zwischen Endingen und Suhr (29:29) Der Endinger Simon Huwyler lässt den Kopf hängen. Im Hintergrund feiern die Suhrer.

Alexander Wagner

«Es stinkt mir, und es ist sehr schade, dass nun ein Gericht entscheiden muss, aber wir fühlen uns ganz einfach ungerecht behandelt», sagt Christian Villiger, der Geschäftsführer des TV Endingen. Villiger wird am Dienstagabend den NLB-Handballclub bei der Verhandlung vor dem Verbandssportgericht vertreten.

Endingen hat den Entscheid der Nationalen Disziplinarkommission, nicht auf den Protest nach dem 29:29 gegen den HSC Suhr Aarau vom 30. April einzutreten, bei der höchsten juristischen Instanz des Handballverbandes angefochten.

Der Verein meldete Protest an, weil in der Schlussphase die Zeitmessung nicht korrekt erfolgt sei und somit für den letzten Angriff nur zwei statt sechs Sekunden zur Verfügung standen.

Die Disziplinarkommission entschied am Freitag erstinstanzlich, nicht auf den Protest des TV Endingen einzutreten, weil dieser vor der Ausführung des letzten Freiwurfs nicht formell korrekt angemeldet worden sei. «Wir sind in diesem Punkt anderer Meinung und möchten, dass unser Protest inhaltlich behandelt wird», sagt Villiger. Endingen-Trainer Michael Spuler habe versucht, den Protest während des Spiels anzumelden, der Delegierte des Verbandes habe ihm aber nicht zugehört.

Einheimischer Zeitnehmer lässt Zeit verstreichen

Das Argument, dass der Fehler beim Zeitnehmer liege, der vom Verein selber gestellt wird, lässt Christian Villiger nicht gelten. «Kurz vor der Pause lief die Uhr ebenfalls zu lange, wurde dann um drei Sekunden zurückgestellt und prompt erzielte Suhr Aarau dann noch ein Tor.» Villiger sagt, die Situation in der Schlussphase des Spiels sei aus seiner Sicht identisch. Fälschlicherweise habe der einheimische Zeitnehmer die Uhr laufen lassen, deshalb seien vier Sekunden zu viel verstrichen.

Dies hätten die Schiedsrichter oder der Delegierte korrigieren müssen, findet er. Weil dies nicht geschah, beantragt der TV Endingen nun, den Entscheid der Disziplinarkommission aufzuheben und ein Wiederholungsspiel anzusetzen. Doch kann das Verbandssportgericht dies überhaupt anordnen? Gerichtspräsident Roland Schneider sagt auf Anfrage, erst müsse das Gremium entscheiden, ob die Kommission zu Recht nicht auf den Endingen-Protest eingetreten sei. «Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass der Protest formell korrekt angemeldet wurde, können wir selber in der Sache entscheiden oder den Fall zur Neubeurteilung an die Disziplinarkommission zurückweisen», erklärt Schneider.

Ähnlicher Fall vor sechs Jahren

Klar ist: Gegen den Entscheid des Verbandssportgerichts gibt es keine Rekursmöglichkeit. Wie das Urteil ausfällt, ist indes schwierig vorauszusagen. 2010 beschäftigte sich das Gericht schon einmal mit der Zeitmessung. In dem Urteil heisst es, «dass die Schiedsrichter eingreifen können, wenn diese fehlerhaft ist oder Zweifel daran bestehen». Dies gelte zum Beispiel, «wenn bei einem Time-out die Uhr zu spät angehalten wird» – also genau bei jener Situation, die nun zur Diskussion steht. Das Verbandssportgericht hielt fest: «Die Schiedsrichter entscheiden dann über die Dauer der nachzuspielenden Zeit.» Gemäss dem Urteil lassen sich Fehler bei der Zeitmessung oder Ungenauigkeiten bei der Handhabung der Uhren nie ganz vermeiden. Aus diesen Gründen zu lange gespielte Zeit sei «mit all ihren Folgen hinzunehmen».

Dies würde gegen den Endinger Protest sprechen – und darauf hofft Thomas Kähr, der Co-Präsident des HSC Suhr Aarau. «Wir werden beantragen, nicht auf den Protest einzutreten, sondern den Entscheid der Disziplinarkommission zu stützen», sagt er. Auch inhaltlich sei die Endinger Argumentation nicht haltbar. «Die Schiedsrichter haben bei 59:58 wieder angepfiffen, das ist ein Tatsachenentscheid und damit nicht anfechtbar», hält Kähr fest.

Eröffnet wird das Urteil am Dienstagabend oder am Mittwochmorgen. Wann ein mögliches Wiederholungsspiel stattfinden könnte, ist offen. «Ich habe vollstes Verständnis, dass der HSC Suhr Aarau seine Spieler in die Ferien geschickt hat und bedaure das mögliche Terminchaos», sagt Villiger.

Zwischen den besten Aargauer Handballvereinen herrsche ein gutes Einvernehmen, man gehe respektvoll miteinander um. Doch er wünsche sich eine sportliche Aufstiegs-Entscheidung, bei der alles korrekt ablaufe. Diese wäre auch bei einem negativen Entscheid des Gerichtes möglich: In zwei Barrage-Spielen gegen Gossau – das erste ist am Samstag angesetzt – kann Endingen den NLA-Aufstieg realisieren.

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