Radsport

300 Kilometer und ein erfüllter Traum: Supertalent Marc Hirschi vor Mailand-Sanremo

Darf sich gleich an einem der fünf Radsport-Monumente versuchen: Neo-Profi Marc Hirschi.

Darf sich gleich an einem der fünf Radsport-Monumente versuchen: Neo-Profi Marc Hirschi.

Marc Hirschi gilt als grösstes Schweizer Radsport-Talent seit Fabian Cancellara – jetzt darf er sich als Neuling bereits an Mailand–Sanremo versuchen. Er geht die Aufgabe mit grossem Respekt, aber noch grösserer Vorfreude an.

Wer im Radsport als Neuling in das Profi-Business einsteigt, der muss normalerweise erst einmal hartes Brot essen. Will heissen: Man wird für die kleineren Rennen eingeteilt und muss sich dort bewähren, ehe man zu höheren Aufgaben gerufen wird. Bei Marc Hirschi läuft das alles etwas anders. Der 20-Jährige gilt als einer der grössten Hoffnungsträger seiner Sparte. Sein eindrücklicher Ritt zum U23-WM-Titel im vergangenen Herbst in Innsbruck hat seine Stellung als Ausnahmetalent untermauert. In der Schweiz wird er schon mit Fabian Cancellara verglichen. Nicht nur, weil er im selben Dorf (Ittigen) wohnt wie der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger. Sondern, weil man ihm dasselbe Talent attestiert.

Durchkommen und dann helfen

Da ist es nur logisch, dass er von seinem Arbeitgeber, dem deutschen Sunweb-Team, gleich einmal auf höchstem Niveau auf Herz und Nieren geprüft wird. Deshalb steht Marc Hirschi am Samstag um 9.45 Uhr in Mailand am Start des ersten Frühjahresklassikers der Radsaison 2019. Sage und schreibe 291 Kilometer zwischen der norditalienischen Metropole und dem Ziel in Sanremo stehen auf dem Programm. «Das wird die längste Fahrt mit dem Velo, die ich jemals gemacht habe», zeigt Marc Hirschi Respekt vor der Aufgabe. Vor allem deshalb, «weil ich nicht weiss, wie mein Körper reagiert, wenn nach sechs Stunden Fahrt die entscheidende Phase des Rennens beginnt. Ich hoffe, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt so gut durchkomme, dass ich dann noch in der Lage bin, Helferdienste zu verrichten.»

So wurde Marc Hirschi U23-Weltmeister

Hirschi U23 WM

Ursprünglich war nicht geplant, dass der Profi-Lehrling beim ersten der fünf «Monumente des Radsports» am Start steht. Eine Verletzung sorgte aber dafür, dass Hirschi vor etwas mehr als zwei Wochen informiert wurde, dass er ins Aufgebot nachrücke. «Das war schon eine Überraschung für mich. Zumal wir mit Michael Matthews, Tom Dumoulin und Sören Kragh Andersen drei Leute im Team haben, die um den Sieg mitfahren können.» Will heissen: Marc Hirschi wird in seiner ambitionierten Equipe eine wichtige Helferrolle spielen. «Meine Hauptaufgabe wird es sein, unsere Teamleader im Feld gut zu positionieren», sagt der 20-Jährige, der zusammen mit seinen Teamkollegen am Donnerstag die letzten 40 Kilometer des Parcours intensiv rekognosziert hat – darunter die beiden berühmten Anstiege Cipressa und Poggio. «Die beiden Steigungen wirken, wenn man im Training drüberfährt, gar nicht so steil. Aber es ist dann schon etwas anderes, wenn hier im Renntempo raufgefahren wird – und man schon 250 Kilometer in den Beinen hat», zeigt Hirschi Respekt vor der anstehenden Aufgabe.

Exzellentes Renngespür

Sollte er in der entscheidenden Phase noch an der Spitze des Feldes präsent sein, dann dürfte ihm sein Gespür für den Rennverlauf, sein exzellenter Instinkt, zugutekommen. Vor allem deshalb dürfte er von den Sunweb-Verantwortlichen aufgeboten worden sein. Dass er, wie sein Vorbild Fabian Cancellara, der 2008 in Sanremo triumphierte, gar um den Tagessieg mitfährt, ist nicht zu erwarten. Es geht für den Newcomer vor allem darum, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Grundsätzlich überwiegt bei Marc Hirschi, der von sich selber sagt, dass er die italienischen Rennen am liebsten fährt, aber die riesige Vorfreude: «Dass ich als Neo-Profi gleich an so einem Rennen teilnehmen darf, ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Deshalb setze ich mich auch nicht unter Druck. Ich schaue mal, wie es mir geht.»

Läuft alles nach Plan und bleibt er von Krankheiten und Verletzungen verschont, dann dürfte Marc Hirschi am Ende seiner ersten Profisaison schon drei der fünf Radsport-Monumente bestritten haben. Sein Rennprogramm umfasst unter anderem auch die Teilnahmen bei Lüttich–Bastogne–Lüttich und im Herbst an der Lombardei-Rundfahrt. Auch deshalb schwärmt Hirschi: «Ich habe ein super Programm.»

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