0:4 gegen Dortmund
Der Funke Hoffnung ist bei Schalke und Christian Gross beinahe erloschen

War es das letzte Revierderby für lange? Schalke 04 verliert gegen Dortmund 0:4. Der Abstieg rückt näher. Christian Gross übt sich in Durchhalteparolen.

Raphael Gutzwiller
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Wirkt bei Schalke schon beinahe verzweiflet: Trainer Christian Gross.

Wirkt bei Schalke schon beinahe verzweiflet: Trainer Christian Gross.

Bild: Freshfocus

0:4 zu Hause gegen Dortmund. Es ist eine weitere Niederlage für Schalke, vielleicht emotional die schwerste in dieser Saison, in der sich die Niederlage aneinander reihen. Dortmund ist der Erzfeind aus dem Pott, keine Partie für die Fans wichtiger. Ausgerechnet jene Partie hätte zum Weckruf für Schalke werden sollen. Sie hätte den Glauben zurückbringen sollen.

Doch die Bilder gleichen sich. Am Ende sind die Gesichter ratlos, die Köpfe hängend. Christian Gross krazt sich am Kopf, der Zürcher Trainer ist konsterniert. «Heute lief es gegen uns», fasst er bei «Sky» zusammen. Aufgeben, das werde Schalke aber nicht: «Wir werden weiter kämpfen. Bis zum bitteren Schluss. Wir haben keine andere Wahl.»

Hängende Köpfe bei Sead Kolasinac und Suat Serdar.

Hängende Köpfe bei Sead Kolasinac und Suat Serdar.

Bild: Leon Kuegeler / EPA

So viele Punkte Rückstand, wie Punkte geholt

Es sind Durchhalteparolen, der grosse Glaube an das Wunder, das wäre ein Ligaerhalt inzwischen, kauft man Gross kaum mehr ab. Der Funke Hoffnung scheint beinahe erloschen. Neun Punkte hat Schalke in 22 Partien gewonnen, eben so viele Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz.

Der Schweizer Gross ist es nicht, der die Hauptverantwortung bei einem allfälligen Abstieg tragen würde. Dass er aber der Mann sein würde, der Schalke wieder aufrichten kann, scheint dennoch fraglich. Gemeinsam mit drei namhaften Neuzugängen hätte er bei seinem Amtsantritt Ende Dezember die Hoffnung zurückbringen sollen. Sead Kolasinac und Shkodran Mustafi kamen von Arsenal, der einstige Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam. Bis heute ist das routinierte Trio noch nie gemeinsam auf dem Platz gestanden. Gegen Dortmund fehlte nicht nur Huntelaar, beim Einwärmen verletzte sich auch noch Mustafi. Und noch in der ersten Hälfte erlitt auch Keeper Ralf Fährmann eine Verletzung und musste ausgewechselt werden. Es lief gegen Schalke.

Kämpfen und Malochen

Das Rumpfteam hielt gegen Dortmund dagegen. Kämpfen und Malochen heisst für sie das Schalker Motto. Doch die Entscheidungsfindung, sie ist zu häufig falsch. Seit Wochen wissen die Schalker nichts mit dem Ball in den eigenen Reihen anzufangen, das ist auch gegen Dortmund so. Nur in der Phase nach der Pause kommen sie zu guten Chancen, ein gefährlicher Abschluss von Suat Serdar lenkt Marwin Hitz, der Ostschweizer im Dortmunder Tor, an den Pfosten. Ansonsten agiert das Team aber einmal mehr, so wie schon das ganze letzte Jahr: Ohne Selbstvertrauen, ohne spielerische Klasse und einmal mehr auch ohne Punkte.

Vor dem 0:1 vertändelte Benjamin Stambouli den Ball, Jadon Sancho erzielte das 1:0. Wenig später erhörte Erling Haaland mit einem wunderschönen Treffer zum 2:0. Nach Toren von Raphaël Guerreiro und Haaland in Hälfte Zwei stand das 0:4.

Grosse Freude bei Jadon Sancho (links) und Marco Reus über den 4:0-Derbysieg.

Grosse Freude bei Jadon Sancho (links) und Marco Reus über den 4:0-Derbysieg.

Bild: Leon Kuegeler / EPA

Der Rücktritt und das Mitleid

Die jetzige Situation auf Schalke ist einer Reihe von schlechten Entscheidungen geschuldet. Sportvorstand Jochen Schneider hat sich mit vielen Transfers vertan, auch bei der Wahl der Trainer hatte er jahrelang kein gutes Händchen. Am Dienstag informierte er sein Team, dass er im kommenden Sommer von seiner Position zurücktreten werde. Die Weichenstllung für die 2. Liga. So kurz vor dem wichtigen Dortmund-Spiel sicher nicht bestes Timing.

Und so hat jetzt selbst Dortmund Mitleid mit den Gelsenkirchenern. Captain Marco Reus sagte:

«Wenn Schalke absteigen würde, wäre das schon schade.»

Darauf deutet bei Schalke alles hin. Doch Christian Gross macht weiter. Wenn es sein muss bis zum bitteren Ende.

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