Vier Tage lange stellten 16 auserwählte junge Kunstschaffende an der ersten JKON (Junge Kunst Olten, ehemals JugendArt) ihre Werke in der Schützi aus. Drei dieser Künstler erhielten nun jeweils einen Preis für ihr Schaffen. Zwei der Gewinner kommen aus dem Kanton Solothurn.

Nadia Bader (30) aus Holderbank gewann mit ihrem Projekt «Zeichenhefte», eine Reihe künstlerischer Tagebücher, den Preis des Oltner Vereins art i.g. Dieser beinhaltet einen Ausstellungsplatz am diesjährigen Oltner Kunstmarkt vom 12. und 13. September auf der alten Holzbrücke. «Ich bin total überrascht», sagt die Zeichnerin, Vermittlerin und Forscherin. Dabei strahlt sie über das ganze Gesicht.

Zuerst digital, jetzt analog

Die JKON sei eine gute Gelegenheit gewesen, um die Tagebücher, die seit 2011 auf ihrem Blog nadiabader.ch digital einzusehen sind, erstmals analog zu zeigen. «Es ist eine ganz andere Erfahrung, wenn man die Tagebücher, das Papier, in den Händen hält, als wenn man vor dem Bildschirm über den Blog scrollt», sagt sie. Und in den ausgestellten Zeichenhefte, die sonst bei ihr zuhause im Regal stehen, sei auch viel geblättert worden. «Ich hab viel positives Feedback von den Besuchern erhalten», so Nadia Bader. Die direkte Begegnung sei sehr anregend gewesen.

Die Kunst des Nacktseins

Der Solothurner Roshan Adhihetty (24) erhielt für seine Fotoserie über Nacktwanderer den Bargeldpreis von 5000 Franken der Hans-und-Beatrice- Maurer-Billeter-Stiftung. Was er mit dem Preisgeld macht, weiss er schon. Seit längerem hat er ein grösseres Ziel: ein Buch, das er im 2016 publizieren möchte. «Dieses Geld kann ich sehr gut für dieses Projekt gebrauchen», sagt Adhihetty, der letztes Jahr sein Fotografie-Studium in Lausanne abschloss.

Für sein Siegerprojekt, das er bereits an mehreren Ausstellungen in der Schweiz präsentieren konnte, begleitete er im 2014 insgesamt acht Mal Nacktwanderer in Deutschland und im Tessin. Wie er überhaupt darauf gekommen ist? «Ich bin einmal in Korsika per Zufall an einem Nudisten-Strand gelandet», sagt Adhihetty, «und war so fasziniert von diesen Leuten, die sich nackt so wohl fühlen konnten.» Damals habe er sich nicht ausgezogen. Die «natürliche Nacktheit», weit weg von der Erotik und der Werbung, beschäftigte ihn noch lange nach dem Ausflug. «Deshalb wollte ich meinen Fragen selber nachgehen», so Adhihetty, der sich daraufhin Nacktwanderern anschloss. Nackt natürlich. «Es kostete mir am Anfang eine extreme Überwindung», sagt er. Er habe die Wanderer vorher auch nicht gekannt. «Ich habe sie übers Internet kontaktiert», sagt er. Die Gruppe, die mehrheitlich aus Männern besteht und in der das Durchschnittsalter 55 Jahre beträgt, habe ihn freundlich aufgenommen. Und ihm auch die Erlaubnis gegeben, sie zu fotografieren. Das Vertrauen wuchs von Mal zu Mal, und so entstanden auch richtige Freundschaften, sagt der junge Fotograf. «Jedes der Fotos habe ich vor der Ausstellung dann noch jedem Abgebildeten vorgelegt und nochmals das Einverständnis eingeholt», sagt er. Durch dieses Projekt sei er insgesamt sehr gewachsen.

Tod trifft Leben

Auch das Kunstmuseum Olten vergab einen Preis: Die Gewinnerin Charlotte Friedli aus Zürich wird dieses Jahr während des ganzen Monats August ihre Foto-Werke im Projektraum «Skurrile Ideen» ausstellen können. Charlotte Friedli (23) versuchte in ihrem Projekt «Zu Leibe rücken» vergängliche Objekte fotografisch festzuhalten. «Zum Kunstobjekt wurden die verschiedenen Materialien erst durch die Verschmelzung mit dem Wesen eines Menschen», steht im Projektbeschrieb der ZHdK-Studentin. «Mich reizte es, die Formbarkeit der toten Materialien mit der Formbarkeit eines lebendigen Jungen zu kombinieren.» Und so deren Verletzlichkeit zu untersuchen.

JKON 2015: Mehr Interessierte als erwartet

Zwar nicht so viel mehr als erwartet, aber doch mehr Besucher als im letzten Jahr seien an die Ausstellung der jungen Künstler in die Schützi gekommen, sagt JKON-Sprecherin Melanie Gamma. 450 Eintritte seien verkauft worden. «Die Besucher sind dieses Jahr länger in der Ausstellung geblieben und haben alles genau angeschaut», sagt sie. Das sei auch das Ziel gewesen. Bezüglich der Qualität der Werke habe sie sehr positive Rückmeldungen erhalten. Die Ausstellung hätte vom Niveau her auch im Kunstmuseum Olten sein können, soll ihr eine Kunstverständige gesagt haben.