In der Thiersteiner Gemeinde Zullwil kehrt allmählich Ruhe ein. Der vom Solothurner Regierungsrat im Dorf im Schwarzbuben eingesetzte Sachwalter Michel Meier hat vor zwei Monaten sein Mandat beendet. Der Gemeinderat ist nach den Ersatzwahlen Anfang Jahr wieder handlungsfähig. Was der 670-Einwohner-Ortschaft jedoch noch fehlt, ist ein Gemeindepräsident oder eine Gemeindepräsidentin.

Das bleibt noch für eine Weile so. «Wir warten zu, bis der Gemeinderat richtig angekommen ist. Nach den Sommerferien werden wir die Präsidiumswahlen thematisieren. Wahrscheinlich ist, dass wir eine gemeinsame Wahlempfehlung abgeben», sagt Gemeindevizepräsidentin Sandra Christ-Helfenfinger (Gemeinsame Liste Zullwil). Sie ist neben Pascal Helfenfinger (FDP) die einzige Verbliebene des einstigen Gemeinderats. Im Januar waren Daniela Fontana (Freie Liste), Lukas Vögtlin (CVP) und Christoph Krebs (FDP) in die Exekutive gewählt worden. Gemäss Christ-Helfenfinger habe sich der neu zusammengesetzte Gemeinderat bereits zu «neun konstruktiven Sitzungen» getroffen.

Jemand müsste ausscheiden

Bei der gemeinsamen Wahlempfehlung wird es sich wohl um ein Mitglied des aktuellen Gemeinderats handeln. Denn: Mit fünf Mitgliedern ist die Zullwiler Dorfexekutive bereits komplett. Besetzt eine externe Person das Gemeindepräsidium, muss ein gewählter Gemeinderat seinen Sitz räumen. «Bis anhin sind keine Bewerbungen an uns herangetragen worden», sagt Sandra Christ-Helfenfinger. Eine Kampfwahl zu gegebener Zeit sei jedoch nicht auszuschliessen.

Kandidiert Hänggi wieder?

Ein Name eines allfälligen Gegenkandidaten, der durch Zullwil geistert, ist Roger P. Hänggi. Der SVP-Mann stand der Ortschaft bis zu seinem Rücktritt im April 2018 als Gemeindepräsident vor. Damals zog er sich zusammen seinen Ratskollegen Markus Kohler und Silver Hänggi (beide Gemeinsame Liste Zullwil) aus dem Gemeinderat zurück.

Den Demissionen vorausgegangen waren lange Auseinandersetzungen mit dem Komitee Pro Zullwil. Die Gemeinde verlor danach ihre Selbstständigkeit und wurde während zehn Monaten durch den Kanton Solothurn zwangsverwaltet.

Auch Gemeindeschreiberin Tanja Hügli kündigte im April des vergangenen Jahres ihre Stelle. Sie begründete den Schritt damit, die Streitereien im Dorf hätten ihr nicht nur Mehraufwand gebracht, sondern seien zur Belastungsprobe geworden.

Sollte Roger P. Hänggi kandidieren, wäre dies keine völlige Überraschung. Vor seinem Rücktritt verfolgte er einen ungewöhnlichen Zickzackkurs: Als amtierender Gemeindepräsident verpasste er 2017 die Wahl in den Gemeinderat und zog sich von allen politischen Ämtern zurück. Bei den anschliessenden Gemeindepräsidiumswahlen liess er sich aber wieder aufstellen – und wurde gewählt.

Ob Hänggi mit einer erneuten Kandidatur liebäugelt, war nicht in Erfahrung zu bringen. Eine Anfrage dieser Zeitung blieb unbeantwortet.