Beinwil

Weiden sind für Schmetterlinge statt Kühe

Schmetterlingsreich: Jean-Pierre Voyame erklärt, wie er einen Lebensraum für Orchideen, Salamander und Schmetterlinge erschafft.

Schmetterlingsreich: Jean-Pierre Voyame erklärt, wie er einen Lebensraum für Orchideen, Salamander und Schmetterlinge erschafft.

Mit viel Herzblut entsteht in Beinwil ein biologisches Paradies für Schmetterlinge und Orchideen. Die Besitzer bewirtschaften den Hof Waldenstein naturschonend und gleichzeitig auch ökonomisch lohnend.

Was die seltenen Schmetterlinge mögen, das frisst das Vieh nicht. Und was das Vieh nicht frisst, das wird Wald. So viel wurde den Besuchern schnell einmal klar, wenn sie beim Rundgang auf dem Beinwiler Hof Waldenstein gut zuhörten und sich eine eigene Meinung bildeten.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wollte den Besuchern auf dem Hof von Verena und Jean-Pierre Voyame zeigen, wie eine sorgfältige biologische Bewirtschaftung und gezielte Massnahmen sehr viele seltene Schmetterlinge und Orchideen fördern können. Und das gelang bestens. Der Hof Waldenstein ist ein Juwel, wie man es nur selten sieht.

27 Orchideenarten wurden bisher auf dem Hof festgestellt, davon stehen 10 auf der roten Liste der seltenen Arten. Und es kommen laufend neue Orchideen hinzu. «Am Morgen haben wir eine neue Art entdeckt, die Brandorchis», erklärte Jean-Pierre Voyame. Hinzu kommen 50 Schmetterlinge, wovon 11 auf der roten Liste sind.

Keine rentable Angelegenheit

«Diese Vielfalt ist riesig», sagte dazu Lukas Pfiffner, Projektleiter Biodiversität und Naturschutz am FiBL. Das glaubt man sofort, wenn man sich die Weiden des Hofes ansieht. Zweifel kommen bei anderen Aussagen auf. Die Bewirtschaftung des Hofes Waldenstein sei nicht nur naturschonend, sondern auch ökonomisch lohnend, teilt das FiBL in seiner Pressemitteilung mit. Und das landwirtschaftliche Produktionsniveau sei beachtlich, erklärt Pfiffner. Rechnet man aber nach, was der Hof Waldenstein mit 12 Mutterkühen auf 16 Hektaren produzieren kann, so kommt man auf ein anderes Resultat. Der Betriebsleiter Jean-Pierre Voyame sagt auch, dass er bedeutend mehr Geld in den Betrieb investiert, als dieser abwirft. Und dies seit zehn Jahren, seit er ihn selber führt.

Allein die Arbeitszeit, die er ins Roden einer einzigen Weide gesteckt hat, schlägt mit umgerechnet 100000 Franken zu Buche. Er rechnet damit, dass er noch weiter kräftig à fonds perdu investieren muss, um einmal einen selbsttragenden Betrieb übergeben zu können.

Versuch, mehr Geld zu verdienen

Bis es so weit ist, versucht das Ehepaar Voyame verschiedene Betriebszweige aufzubauen. Ihre biologischen Beeren kann man im Bio-Laden in Laufen kaufen. Auch züchten sie einheimische Orchideen. Und sie wollen die erste Erhaltungs- und Vermehrungssammlung von essbaren Wildbeeren und Wildfrüchten der Schweiz anlegen. Der Grundstein ist schon gelegt, denn auf dem Hof Waldenstein wachsen bereits sehr viele Wildbirnen und Wacholderbäume.

Bei allen Tätigkeiten muss sich Jean-Pierre Voyame genau überlegen, welche Folgen sie haben. So möchte er gerne manche Mähweiden etwas früher nutzen, weil das Kraut Klappertopf überhandgenommen hat, das für die Kühe und Kälber giftig ist. Da protestiert aber der Biologe Christian Rust laut, weil das den Schmetterlingen schaden könnte. Auch als Voyame davon spricht, dass er ein paar der unzähligen Jungbüsche entfernen will, interveniert Rust. Doch ist es klar: Liesse Voyame alle stehen, so würde aus der Weide schnell ein Wald, der nicht nur die Schmetterlinge, sondern auch die Kühe heimatlos werden liesse.

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