Das Hörgerät ist an, der Rollator sicher neben den Sitzreihen verstaut. Gespannt warten 23 Senioren in der Eingangshalle des Altersheims Derendingen-Luterbach auf den musikalischen Weihnachtsauftritt der 70 Kinder.

Zum dritten Mal wird in Derendingen in der Vorweihnachtszeit das Projekt «Adventskalender» durchgeführt. Dabei besucht eine Kindergarten- oder Primarschulklasse jeden Tag das Altersheim und unternimmt etwas mit den Heimbewohnern.

Nachdem die Primarschule Mitteldorf die letzten zwei Jahre den «Adventskalender» gestaltete, stand die Aufgabe dieses Jahr der Primarschule Steinmatt zu. Das gemeinsame Basteln, Spielen oder Singen soll laut Sabine Egger, Schulleiterin der Primarschule Steinmatt, die Begegnung zwischen Jung und Alt fördern.

«Viele unserer Senioren machen dabei ganz spezielle Erfahrungen», sagt Angela Piscitelli, Fachfrau Aktivierung und Alltagsgestaltung. «Zum Beispiel wenn sich ein Kind per ‹Du› an einen Bewohner wendet», erzählt sie. Ja, hinter dem Projekt, an welchem insgesamt 170 Kinder mitmachen, stecke sehr viel Organisationsarbeit. Der Aufwand lohne sich aber definitiv. «Besonders die Verspieltheit und Unbeschwertheit der Kinder tut den Bewohnern gut und lässt bei vielen auch Kindheitserinnerungen aufkommen», erzählt sie von ihren Erfahrungen. Auch der 85-jährige Urs Rudolf Von Rohr ist vom Projekt überzeugt: «Ich bin froh, wenn die Kinder im Haus sind.»

Kleine (B)engel – grosse Wirkung

Auch die Kinder profitieren, laut Angela Piscitelli, vom Treffen mit der älteren Generation. «Sie können viel über den Umgang mit alten Menschen lernen.» Bewusst oder unbewusst ganz bestimmt. Nun stehen die 70 Kinder zwischen fünf und acht Jahren in der Eingangshalle des Altersheims. Einige winken fröhlich in das Senioren-Publikum, welches geduldig auf den grossen Auftritt der Kleinen wartet.

Legen die Kinder mit dem Singen von allbekannten Weihnachtsliedern los, tauen einige der sitzenden Zuschauer die Stimmbänder auf und summen leicht mit. Bei den moderneren Liedern hingegen, wie zum Beispiel «Zimetschtern han i gern» mit der Melodie des bekannten «Jingle Bells», lassen die Senioren die riesige Freude der Kinder einfach nur auf sich wirken. Das Resultat: ein Lächeln, ein Schmunzeln oder gar ein strahlendes Lachen.

Auf den Stühlen oder Rollatoren wippen einzelne mit dem Kopf oder klopfen mit den Füssen den Takt mit. «Für uns ist dies etwas Kleines, aber für einige der Senioren sind diese emotionale Regungen etwas sehr Grosses», erklärt Angela Piscitelli. Auch sie strahlt während des Kinderkonzerts und freut sich mit den Bewohnern mit.

Der energiegeladene Auftritt der kleinen (B)engel hinterlässt bei den Senioren sichtlich Zufriedenheit und Freude. «Auch die Kinder haben sich sehr auf das Konzert gefreut. Bis jetzt hatten die Kinder an den Aktivitäten des Projekts ‹Adventskalender› immer Spass», sagt Kindergärtnerin Veronica Feller. Als sich die Kinder nach dem Konzert schwungvoll zu der Tee- und Snackausgabe begeben, bleiben einige Senioren noch sitzen und beobachten gespannt das zappelige Kommen und Gehen. Wieder mal Action im Haus.

Lieber miteinander

Nicht nur bei der Begegnung von Jung und Alt wird das Miteinander in Derendingen grossgeschrieben, sondern auch bei der Multikulturalität, welche das Dorf prägt. In der Tat ist die Vielfalt von Herkunft und Religionen auch stark in den Schulen zu spüren. Vor allem um die Weihnachtszeit ist es dann umso wichtiger, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Dies scheint der Schulleiterin der Primarschule Steinmatt in Derendingen auch zu gelingen. «In unserem Adventsprogramm hat alles Platz», sagt Sabine Egger.

Bewusst wählen Lehrer Lieder aus, deren Inhalt auf alle Religionen übertragbar ist. «Beispielsweise solche, in denen das Licht thematisiert wird», erklärt die Schulleiterin und stellt klar: «Aber natürlich sind auch einige christliche Lieder in unserem Singheft zu finden.»

Nicht nur bei der Auswahl der Lieder, sondern auch beim ganzen vorweihnachtlichen Schulprogramm wird laut Egger auf die vielen verschiedenen Religionen Rücksicht genommen: «Wir führen beispielsweise auch absichtlich kein Krippenspiel auf, sondern eine Königsgeschichte.»