Bellach
Gemeindepräsident Anton Probst: «Ich scheue auch weiterhin keine Kontroverse»

Der neue, alte Gemeindepräsident Anton Probst (FDP) will in seiner letzten Legislatur nicht aufs Maul hocken. Als Hauptthema für seine Amtszeit nennt er die Ortsplanungsrevision. In Sachen Budget müsse man künftig zurückstecken.

Christof Ramser
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Will Lösungen: Anton Probst vor dem Bellacher Weiher. Felix Gerber

Will Lösungen: Anton Probst vor dem Bellacher Weiher. Felix Gerber

Felix Gerber

Ohne Konkurrenz wurde Anton Probst als Gemeindepräsident bestätigt. Der Freisinnige folgte 2007 auf Ernst Walter, damals nach einer Kampfwahl gegen Felix Glatz (Grüne). Vor vier Jahren wurde Probst ebenfalls ohne Gegenkandidat gewählt.

Anton Probst, sie scheinen in Bellach unbestritten zu sein. Sind Sie zufrieden mit dem Wahlresultat?

Ich bin sehr zufrieden. Es war zu erwarten, dass der Wahlkampf lau werden würde, weil es keinen Gegenkandidaten gab. Ich habe auch keinen Wahlkampf geführt. Die Beteiligung an den Wahlen war zwar niedriger als bei den eidgenössischen Abstimmungen. Aber von denen, die an der Urne waren, haben mich 80 Prozent gewählt. Eine schöne Motivation für die nächste Legislatur.

Sie hätten gerne einen Gegenkandidaten gehabt?

Ja, dann hätte ich aus dem Vollen schöpfen können. Es ist fast schade, aber ich habe mich als Gemeindepräsident ziemlich zurückgehalten. Es ist immer einfach, zu kritisieren. Aber wenn es darum geht, etwas zu verändern, sieht man niemanden mehr.

Sie sprechen von der Aufsichtsbeschwerde von SP und Grünen, weil Sie einen Fragebogen zum Marti Recycling Center eigenmächtig ergänzten.

Der Gemeinderat hat mir in der Folge der aufsichtsrechtlichen Beschwerde eine Rüge erteilt. Das war eine massive Aktion der Linken. Die Konsequenzen einer solchen Beschwerde können bis zur Amtsenthebung gehen. Man könnte so etwas auch gütlich regeln. Aber ich habe klar und offen gesagt, dass ich meine Kompetenz überschritten habe. Dazu bin ich gestanden.

Ist das Arbeitsklima im Rat gefährdet? Sie wurden auch im Gemeinderatswahlkampf von Parteien gerügt.

Ich glaube nicht, dass wir nicht mehr respektvoll miteinander umgehen können. Ich hoffe auf ein konstruktives Klima. Klar ist aber: Ich scheue mich nicht, eine kontroverse Meinung zu haben. Als Gemeindepräsident stimme ich schliesslich auch mit. Doch ich will nicht polarisieren, sondern integrativ wirken und Lösungen realisieren. Dazu braucht es verschiedene Ansichten, das ist normal und richtig.

Wird es Ihre letzte Legislatur sein? Sie sind 63-jährig.

Ganz sicher. Das Gemeindepräsidium in Bellach ist ein Vollamt, aber mit zwei Funktionen. Gemäss der kommunalen Dienst- und Gehaltsordnung DGO bin ich von der Gemeinde angestellt als Chef der Verwaltung, ich bin verantwortlich für das Personalwesen, für die Verwaltung gemeindeeigener Liegenschaften und für andere Funktionen in der Verwaltung. Dafür gilt das Pensionsalter 65. Daneben gibt es den rein politischen Teil meines Amts. Dieser ist unabhängig von der DGO, den kann ich bis zum Ende der Amtsperiode ausführen.

Dann sind Sie also in zwei Jahren nur noch zu 50 Prozent im Amt?

Das ist nun zu prüfen. Soll das Gemeindepräsidium auch in zwei Jahren ein Vollamt sein, oder soll ich die Funktionen in der Verwaltung abgeben, wie es etwa in Biberist gemacht wurde? Das muss nun geklärt werden. Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht.

Welche Aufgaben erwarten Sie in der letzten Legislatur?

Das Hauptthema wird die Ortsplanungsrevision sein. Das räumliche Leitbild steht, die Revision ist gestartet. In zweieinhalb Jahren sollte sie stehen. Die Revision umfasst das ganze Dorf: Es geht um Umzonungen, um das Verkehrswesen, um Naherholungsgebiete oder um Tempo 30.

Und wohin bewegt sich Bellach?

Die Bevölkerungsentwicklung sollte nicht aus dem Ruder laufen. Jetzt haben wir 5200 Einwohner, die oberste Grenze sind 6000. Sonst müssten wir die ganze Infrastruktur erweitern. Das letzte Wort hat das Raumplanungsamt. Ein grosses Thema ist die Überbauung der Spitzallmend. Dort besteht ein Gestaltungsplan, derzeit bereinigen wir Einsprachen. Schliesslich weihen wir demnächst die neue SBB-Haltestelle ein. Die Sporthalle ist ja bereits in Betrieb.

Die Bodenwaschanlage der Marti AG ist kein Thema mehr?

Nach der ablehnenden Gemeindeversammlung ist kein neues Gesuch eingegangen. Das Geschäft wurde im Gemeinderat abgeschrieben.

Wie sieht die finanzielle Zukunft Bellachs aus?

Das Budget sieht nicht so gut aus, wir müssen zurückstecken. Gemäss Finanzplan kommt der Steuerfuss in den nächsten Jahren wohl nicht mehr runter. Bis Ende 2014 wächst der Bilanzfehlbetrag auf 800 000 Franken. Wenn es aber keine Überraschung gibt, haben wir bis zum Ende meiner Amtszeit wieder ein Eigenkapital, wenn auch ohne Reserven. Ich bin zuversichtlich, dass die Steuerbelastung nicht über 120 Prozent steigt.

Gemeindepräsident und Vize gewählt: Von 3231 Stimmberechtigten haben 1039 Anton Probst gewählt (leer: 247). Das absolute Mehr lag bei 671 Stimmen. Vizegemeindepräsident Stefan Henzi (CVP) erhielt 1178 Stimmen (absolutes Mehr 680, Leerstimmen 181)

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