NäijereHuus
Die Solothurnerin Armanda Tröndle reformierte den Zeichnungsunterricht

Die Kommende Ausstellung im NäijereHuus in der Gemeinde Drei Höfe stellt Amanda Tröndle (1861–1956) vor. Sie war unter anderem Zeichnungslehrerin des berühmten Solothurner Malers Cuno Amiet.

Urs Byland
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Paul Wullimann (links) stellt im Rahmen der Ausstellung, die von Otto Bitterli gestaltet wird, seine Malschule vor. Im Vordergrund Skizzenbücher, an der Wand biografische Fotos und Porträts von Amanda Tröndle.

Paul Wullimann (links) stellt im Rahmen der Ausstellung, die von Otto Bitterli gestaltet wird, seine Malschule vor. Im Vordergrund Skizzenbücher, an der Wand biografische Fotos und Porträts von Amanda Tröndle.

Urs Byland

Das NäijereHuus-Team ehrt in seiner kommenden Ausstellung die wenig bekannte aber in ihrer Zeit einflussreiche Solothurner Pädagogin und Künstlerin Amanda Tröndle (1861–1956). Die Idee zur Ausstellung kam Otto Bitterli, treibende Kraft der NäijereHuus-Galerie, während der Ausstellungsreihe «Stille Auktion», an der jeweils Private Bilder beisteuern. «Vor zwei, drei Jahren wurden plötzlich Bilder von Amanda Tröndle abgegeben. Ich begann mich für diese Solothurner Künstlerin zu interessieren», erklärt er.

Es sei erstaunlich, dass diese Frau, die in München und Paris vernetzt war, in der Provinz in Solothurn geblieben ist, so Bitterli. Die Solothurner Familie Vonlanthen zeigte sich sehr interessiert an einer Ausstellung und stellte ihren Teil des Nachlasses zur Verfügung. Einzelne Bilder können gekauft werden, andere sind Leihgaben. In der Ausstellung ist auch eine Leihgabe vom Kunstmuseum Solothurn zu sehen. Als Ergänzung der Ausstellung wird gleichzeitig mit «Atelier 13» von Rolf Wullimann die Arbeitsweise einer aktuellen Malschule dargestellt.

Kinder und Jugendliche begeistert

Amanda Engel wuchs in Twann auf. In Basel liess sie sich zur Zeichnungslehrerin ausbilden. Ihre Examensarbeit, eine Kopie des bekannten Gemäldes «Kühe am See» von Rudolf Koller erfreute später die Bewohner des Altersheims Wengistein in Solothurn. Als junge Zeichnungslehrerin liess sie sich in Solothurn nieder und heiratete 1885 Arnold Amiet, der 1900 an Typhus verstarb. Schon während der Ehe mit Amiet betrieb Amanda Amiet-Engel Kunststudien in Paris und unterhielt in Solothurn die lokal bekannte Malschule im Rosenhag. Für 5 Franken pro Nachmittag kamen die Kinder in den Genuss einer zeichnerischen und malerischen Ausbildung. Interessierten aus kinderreichen Familien ermöglichte sie eine kostenlose Teilnahme.

Als Zeichnungslehrerin an der Kantonsschule unterrichtete sie auch den berühmten Solothurner Maler Cuno Amiet. «Ihre Fähigkeit, Interesse und Begeisterung zu wecken, sind auf fruchtbaren Boden gefallen», schreibt dazu 2000 Thomas Schmutz im Buch «Gegenwartskunst in Solothurn» in einem Kapitel über die Künstlerin und ihren zweiten Mann Oskar Tröndle. Obwohl sie eine konventionelle Ausbildung nach strenger Kopiermethode erfuhr, propagierte Amanda Tröndle-Engel einen Zeichenunterricht geprägt durch Anschauung, Beobachtung und Erleben. Diese, ihre Methode publizierte sie 1935 zusammen mit Oskar Tröndle im 150-seitigen Buch «Aug, Erwach! Ein Beitrag zum Zeichenunterricht in der Volksschule». Das Buch hatte Erfolg und wurde auch ins Niederländische übersetzt.

Die Welt sehen

Amanda Tröndle-Engel hat aber bereits 1913 in einem Vortrag vor der Töpfergesellschaft Solothurn über die Grundsätze gesprochen. Sie war überzeugt davon, Zeichnen befähige die Welt «zu sehen». Also musste umgekehrt der Zeichnende beobachten und «sich der Merkmale der besonderen Form eines Gegenstandes klar bewusst werden», so die Autorin im Vortrag.

Den viel jüngeren Künstler Oskar Tröndle (1883–1945) aus Möhlin heiratete sie 1906 in München, wo sie ihre Studien fortsetzte, weil sie nach dem Tod ihres ersten Mannes die Malerei zu ihrem Erwerbszweig machen wollte. Ihr Wohnsitz in Solothurn, wo sich das Künstlerehepaar einrichtete, wechselte in den folgenden Jahren. 1936 liessen sie den späteren Stadtbaumeister Hans Luder auf dem Grafenfels einen Anbau zum bestehenden Gebäude errichten und lebten fortan auf dieser Anhöhe über Solothurn.

Amanda Tröndle war auch als Künstlerin bekannt. Sie stellte ihre Arbeiten in Paris und München aus. Ihr Linolschnitt «Das Kätzchen» wurde an der Weltausstellung in New York gezeigt. Auch dieser Druck ist im NäijereHuus zu sehen.

8.–24. März Amanda Tröndle, Malschule Wullimann, NäijereHuus, Drei Höfe. Vernissage: Freitag, 8. März, 19 Uhr.

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