Die Aufführungen der letzten Tage werden sich im Gedächtnis verankern. Bei Wärme und den Strahlen der untergehenden Sonne erhielt die «Fledermaus» mit ihrem eindrücklichen Bühnenbild einen geradezu glücklich stimmenden Glanz. Von diesen Witterungsvorzügen profitierten nicht alle bisherigen Auftritte des 100 Mitwirkende umfassenden Ensembles aus Solisten, Chor und Orchester in Burgäschi.

Das Publikum genoss die Aufführung in vollen Zügen. Alle Protagonisten haben ihre Spielszenen seit der Premiere am 1. Juni mit feinfühliger Finesse und schauspielerisch prächtiger Ironie weiter ausgeformt. Und die wirklich betörenden Stimmen – zum Glück ohne Erkältung durch das regnerische Wetter – bewältigten ihren Part mit gesanglicher Eleganz und Ausstrahlung. Mit diesen Auftritten hat die Freilichtbühne Burgäschi Massstäbe gesetzt, an denen sich schweizweit andere Darbietungen in diesem Genre messen lassen müssen.

«Am meisten gewonnen hatte die Zuschauergruppe der Zweit- und Drittbesucher, die sich genussvoll wunderbarer Musik und Spiel hingeben konnten und die vielen Feinheiten registrierten», sagt der künstlerische Gesamtleiter Hermann Gehrig. Man habe inzwischen 9000 Karten verkauft und hoffe nun noch auf einen weiteren Publikumszustrom bis zur Derniere am 9. Juli, zeigt er sich angesichts der Wetterverhältnisse im Juni mit dem bisherigen Resultat zufrieden. Der angepeilte Verkauf von 10 000 Karten wurde bis anhin nicht erreicht.

Die Königin der Operetten

Auch wer kein Operetten-Fan ist, wird sich von diesem Werk mit seinen Handlungsfacetten bezaubern lassen. Dazu Gehrig, der seit drei Jahrzehnten Singspiele und Operetten in zunehmend grösserem Rahmen aufführt: «Die Fledermaus von Johann Strauss gilt als die Königin aller Operetten. Ich selbst habe mich nicht daran gewagt, aber meine Tochter Melanie hat dank Ausbildung und dem ihr eigenen künstlerischen Feuer gemeinsam mit der Solistencrew eine grossartige, bühnengeeignete Inszenierung erarbeitet.»

Zusätzlich konzipierte sie das Bühnenbild, organisierte den Probenverlauf, leitete die Chorproben, nähte nebenher noch Kostüme und spielte eine quicklebendige, überzeugende Rosalinde. Nicht unerwähnt bleiben darf als «Senkrechtstarterin», die alle Zuschauer ins Herz schlossen, Anna Vichery als Zofe Adele. Minenspiel, Gestik und vor allem ihre ausdrucksvolle Sopranstimme, die auch Wörter verständlich artikulierte, begeisterten.

Differenzierte Bühnenpersönlichkeiten zeichneten Daniel Camille Benz als leichtlebiger Gabriel von Eisenstein, Roger Bucher als amüsierlustiger, aber rachsüchtiger Notar Falke, Peter Bader als bilderbuchgetreuer Russenprinz Orlofsky, Tobias König als verführerischer Gesanglehrer Alfred, Ronnie Grossenbacher in seiner Rolle als Advokat Blind, Ida (Ilaria Bianchi) als Adeles Schwester Ida, Hermann Gehrig als rollenechter Gefängnisdirektor und nicht zu vergessen: der die Lachmuskeln strapazierende Gefängniswärter Frosch (Urs Mühlethaler) mit seinen wienerisch gefärbten Kommentaren.

In seiner eingangs interaktiven Show gefiel Andreas Hubert als knorriger Ivan. Das Orchester unter der Leitung von Reimar Walthert entfaltete ein ausgewogenes Klangvolumen, das dank Übertragung keinen beengten Orchestergrabeneffekt entstehen liess. Gleich gut gelang die Verstärkung der Solostimmen.

Eine Welt für sich

Dass die Bühnenwelt so gut gedeiht, ist in Burgäschi Verdienst des dafür zweckmässig ausgebauten Standorts Burghof der Familie Aeschlimann. Dort wurde dieser musikalische Grossanlass nun bereits zum dritten Mal durchgeführt. Beteiligt sind auch die beinahe 100 Freiwilligen in der Festwirtschaft und in allen Diensten vor und hinter der Bühne.

Stellvertretend für alle Mitwirkenden erklären die beiden Chormitglieder Claudia Weber und Markus Siegenthaler, woher sie ihre Motivation für die mehr als 20 Aufführungen – oftmals bei schlechtem Wetter – nahmen: «Wir haben eine tolle Stimmung im gesamten Team – das sind einfach verbindende Spitzenerlebnisse.» Und viele haben noch nicht genug von dieser besonderen Bühnenatmosphäre.

Laut Hermann Gehrig ist eine Fortsetzung in zwei Jahren gewiss.

Info: www.burgaeschi.ch, Vorstellungen am 3., ev. 4., 5., 6., 8. und 9. Juli.