Derendingen

Derendinger Jodlerklub zeigt: Jodeln ist nicht einfach «Joholidu»

Die Sängerinnen und Sänger des Jodlerklubs Zytröseli sind beim Proben rund ums Klavier postiert.

Die Sängerinnen und Sänger des Jodlerklubs Zytröseli sind beim Proben rund ums Klavier postiert.

Der Probenbesuch beim Derendinger Jodlerklub Zytröseli zeigt auf, dass noch vieles mehr zum Jodeln gehört als eine Tracht und die Hände in den Hosentaschen. Am 7. Juni gilt es für die Nordwestschweizer Jodlerinnen und Jodler.

Jodeln ist eine typisch schweizerische Tradition. Ein «Joholidu», gesungen in einer Tracht, die Hände in den Hosentaschen: So stellt man sich das landläufig gerne vor. Ganz so einfach ist es aber nicht. Ein Blick in die Probe des Jodlerklubs Zytröseli Derendingen zeigt das deutlich auf. Vreni von Wartburg, Präsidentin des Vereins und Solojodlerin, weiss viel zu erzählen.

«Jutzen»

Das, was von den Jodlerklubs normalerweise dargeboten wird, sind sogenannte Jodellieder. Meistens Lieder mit drei Textstrophen, dazwischen wird der Jodel eingebaut. In einem Jodlerklub sind in der Regel mehr Männer als Frauen. Die Frauen sind allerdings meist diejenigen, die das eigentliche Jodeln übernehmen, während die Männer begleiten. Im Jodlerklub Zytröseli gibt es einen ersten und zweiten Tenor und einen ersten und zweiten Bass. Die Jodlerinnen singen mit dem ersten Tenor – und sie «jutzen», was so viel wie jodeln bedeutet.

Es kommt auf die exakte Betonung an

Vor dem ersten Lied wird das Mundwerk gelockert. Dirigent Georg Heimann lässt die Jodlerinnen und Jodler allerlei «Schnabelwetzer» im Stil von «Fischers Fritz» sprechen. «Beim Singen kommt es auch auf die exakte Betonung an», so Vreni von Wartburg. Der Text soll schliesslich vom Publikum verstanden werden. Egal, ob ältere oder neuere Jodellieder. Sie handeln meist von Bergen, Natur, Heimat, Freiheit und Unabhängigkeit, urschweizerischen Themen also.

Jede Region hat eigene Art

Der «Steimandli-Juiz» gehört ins Repertoire der «Zytröseli». Er wird am Festakt des Nordwestschweizerischen Jodlerfestes vorgetragen. Darum wird er in Derendingen zurzeit intensiv geübt. «Jede Region hat ihre eigene Art von Jodelliedern», erklärt Vreni von Wartburg. Im Jura, mit den eher lieblichen Bergen, seien auch die Jodellieder eher lieblich. In der Innerschweiz oder im Berner Oberland tönen die typischen Lieder anders. Gejodelt wird nicht nur im Chor. Es gibt auch Solojodel, Duette und Terzette.

Verschiedene Kriterien

Beim Jodelvortrag werden nicht nur der Gesang und das Jodeln bewertet. Auch das Auftreten, die Haltung beim Vortrag, die Kleidung, sprich Tracht, sind Kriterien, die beachtet werden. Dies fällt unter den Gesamteindruck. Für diesen lassen sich drei Mal je maximal zehn Punkte gewinnen. Ebenfalls je zehn Punkte gibt es für Tongebung und Aussprache, Rhythmik und Dynamik und die harmonische Reinheit. Wer 54 bis 60 Punkte erreicht, wird in der Klasse 1 klassiert. 48 bis 53,5 Punkte sind Klasse 2; 42 bis 47,5 Punkte Klasse 3 und unter 42 Punkten ist dann Klasse 4.

Nachwuchsmangel

Auch bei den Jodlerklubs mangelt es an Nachwuchs. Im Berner Oberland und in der Innerschweiz ist dies anders, weiss Vreni von Wartburg. «Bei uns wird das Volksgut weniger gepflegt.» Der grosse Anteil an ausländischer Wohnbevölkerung sei sicher teilweise ebenfalls ein Grund, wieso es halt weniger Nachwuchs gebe. Sagt es und eilt zurück in den Kreis der Übenden, um ein Jodelsolo anzustimmen.

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