SC Dornach
Ausnahmekoch Riccardi: «Ich bin gesund, was soll ich denn sonst tun?»

Ottmar Hitzfeld schätzt seine Kochkünste genauso wie Giacinto Facchetti: Mit Franco Riccardi hat der SC Dornach einen aussergewöhnlichen Gastgeber fürs Clublokal.

Lukas Hausendorf
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Bei Franco Riccardi diniert viel Prominenz, das zeigen die Bilder an der Wand.

Bei Franco Riccardi diniert viel Prominenz, das zeigen die Bilder an der Wand.

Kenneth Nars

Franco kennen alle im Dorf. Auf dem Weg zum Grab seiner Frau Monika, die vor fünfeinhalb Jahren verstorben ist, begrüssen ihn alle Kinder, wenn sie von der Schule kommen. In der Gemeinde ist Franco Riccardi eine prominente Persönlichkeit geworden. Sein Name ist den Dornachern vermutlich geläufiger als jener des Gemeindepräsidenten Christian Schlatter.

Dabei macht der mittlerweile 75-jährige Wirt des Klublokals vom SC Dornach gar kein grosses Aufheben um seine Person. Seit 2006 kocht der Italiener mit viel Hingabe im Gigersloch und freundet sich mit jedem Gast an. Auf der Website des Sportclubs wird er als «bester Transfer der Vereinsgeschichte» angepriesen. Ein Transfer, den er gar nicht nötig gehabt hätte. Sein Restaurant Ceresio, das er 42 Jahre lang mit seiner Frau in Basel führte, hätte er einfach aufgeben und den wohlverdienten Ruhestand geniessen können. «Aber ich könnte das nicht, einfach aufhören.»

In der Welt des Fussballs ist Riccardi schliesslich daheim

«Wir mussten lange kämpfen, als sich die beiden entschlossen, ihr Restaurant zu verlassen und aus der Stadt aufs Land zu ziehen», erinnert sich Vereinspräsident Stefan Schindelholz. Ein wenig kürzertreten wollte das Wirte- und Ehepaar. Und mit Riccardis Neffe Patrick Rahmen, damals Nachwuchstrainer beim FC Basel, hatte Schindelholz einen stechenden Trumpf auf seiner Seite. «Ein Glücksfall für Dornach», wie Schindelholz sagt. In der Welt des Fussballs ist Riccardi schliesslich daheim.

Er wäre gerne Fussballer geworden. Aber mit siebzehn Jahren verliess der Sohn eines Bauern Parma und kam als Saisonnier in die Schweiz, wo er zuerst in einem Engelberger Hotel arbeitete. Sein Patron verhalf ihm dann zu einer Ausbildung an der Luzerner Hotelfachschule, nach deren Abschluss er dann das «Ceresio» in Basel übernehmen konnte, dessen Pächter just dann einen Nachfolger suchten.

Ottmar und die Rahmsauce

Der Italiener am Claragraben war Dreh- und Angelpunkt der Basler Fussballprominenz. Helmut Benthaus verkehrte täglich im «Ceresio». Riccardi wurde als Dolmetscher an die Europacup-Spiele nach Italien mitgenommen und lernte so Giacinto Facchetti kennen. Der italienische Internationale und spätere Präsident von Inter Mailand war fortan ein regelmässiger Gast. «Er kam immer, wenn ich Trüffel hatte», erzählt Riccardi. Dafür revanchierte sich Facchetti stets mit Freikarten zu den Inter-Spielen in Mailand.
Ein anderer Stammgast war Ottmar Hitzfeld, der bis vergangene Woche die Schweizer Nationalmannschaft trainierte. «Er ist ein super Typ. Ein einfacher», sagt Riccardi. Filet an Rahmsauce ist sein Ding. «Das hat er schon als Junger im ‹Ceresio› immer gegessen.» Und heute noch schaut er gelegentlich im Gigersloch vorbei und isst seine Leibspeise. Das nächste Mal wird ihm Riccardi auf die Schulter klopfen. «Er darf stolz sein auf die Leistung seiner Mannschaft gegen Argentinien», sagt er.

Oper für eine bessere Welt

Die zweite grosse Leidenschaft des Bauernsohns aus Parma ist die Oper. Unumgänglich sei das gewesen. «Zwölf Kilometer von zuhause ist Giuseppe Verdi auf die Welt gekommen», erklärt Riccardi. Ein Heiliger in der Stadt, die auch ihren Flughafen nach dem Komponisten aus der Romantik benannt hat. Seiner Herkunft hat er auch einige Kontakte in die Opernwelt zu verdanken. So ist er etwa mit der Weltklasse-Sopranistin Paola Sanguinetti befreundet. Und im Jahr 2000 schickte ihm Luciano Pavarotti persönlich ein Dankesschreiben.

Seine guten Beziehungen nützt Riccardi seit bald 30 Jahren auch für karitative Zwecke. Jedes Jahr veranstaltet er Benefizkonzerte und Operngalas für gemeinnützige Organisationen. Dieses Jahr stehen noch drei an. Eine Puccini-Gala im Luzerner KKL im Oktober, und im November lässt er Verdis «La Traviata» im Basler Stadtcasino aufführen und die Compagnia Rossini in der katholischen Kirche Dornach auftreten.

Die Erlöse gehen an die Casa d’Italia in Luzern, die Stiftung des Basler Universitäts-Kinderspitals (UKBB) und das Jugendhaus Dornach. Für das UKBB und vormals die Stiftung für krebskranke Kinder sammelt Riccardi schon seit Jahrzehnten. «Franco ist ein ungemein liebenswürdiger und hilfsbereiter Mensch», sagt Stiftungspräsidentin Rita Kohlermann. Ein Lebenskünstler sei er. «Und durch nichts aus der Ruhe zu bringen.» Ja, warum tut er sich diesen Stress denn überhaupt an? Ein Clublokal führen, Benefizkonzerte mit Opernstars und Kulturreisen in seine Heimat organisieren. Zehn Jahre nach der ordentlichen Pensionierung. «Ach, ich habe gute Kollegen, die mir helfen», lacht Riccardi. «Und ich bin gesund, was soll ich denn sonst tun?»

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