Bätterkinden

Anlage für Bio-Kirschen ist wenig romantisch, dafür wirtschaftlicher

940 wachsende Kirschbäume stehen in Reih und Glied auf einer Hektare Land am nördlichen Dorfeingang von Bätterkinden.

940 wachsende Kirschbäume stehen in Reih und Glied auf einer Hektare Land am nördlichen Dorfeingang von Bätterkinden.

Bei Adrian und Beat Knuchel in Bätterkinden entsteht eine Anlage mit fast 1000 Bäumen für biologischen Kirschenanbau.

Schon sehr bald wird man vor allem im Baselbiet und im solothurnischen Schwarzbubenland sowie in der Zentralschweiz wieder die herrlich blühenden Kirschbäume sehen können. Die zum Teil mächtigen Hochstammbäume prägen die Landschaft sehr stark. Für Adrian Knuchel aus Bätterkinden sind das immer wieder eindrückliche Bilder. Doch bei seinem Entscheid, Kirschen im grösseren Stil anzubauen, haben andere Faktoren eine Rolle gespielt: Biologisch soll der Anbau sein, effizient in der Bewirtschaftung, und die Ernte soll so gut wie möglich gesichert werden. Denn die Kirsche ist eine auf vieles anfällige Frucht.

So wirkt denn auch die Anlage, die sich derzeit im Endausbau befindet, wenig romantisch. Auf einer Hektare Land am nördlichen Dorfeingang von Bätterkinden sind 530 Pfähle in den Boden getrieben, dazwischen Drähte gespannt und schliesslich 940 Kirschbäume gepflanzt worden. Wobei der Ausdruck «Baum» im herkömmlichen Sinn nicht mehr passen will. Für den Bau verantwortlich ist die Firma Quali-Fru aus Opfershofen im Kanton Thurgau, wo man jahrzehntelange Erfahrungen hat mit Anlagen, mit denen Bäume bzw. deren Früchte vor negativen Witterungseinflüssen und Schädlingen geschützt werden können. In den Monaten des nächsten Winters wird die Anlage mit Folie zum rundum Abdecken ausgerüstet, und, wenn alles nach Plan läuft, können im Sommer 2017 erste Kirschen abgelesen werden. «Allerdings eher so zum Versuchen», sagt Adrian Knuchel. 

Im Jahr darauf hingegen soll die erste Ernte verkauft werden können. «Das Ziel liegt bei acht bis zehn Tonnen pro Jahr. Der Bedarf an Bio-Kirschen ist gross.» Kirschenanbau ist aber nur ein Teil im Landwirtschaftsbetrieb der Generationengemeinschaft, die Adrian (35) und sein Vater Beat Knuchel (60) gegründet haben. Bereits bestehend ist eine Nussbaumplantage mit 180 Hochstammbäumen, die erste Ernte wird 2019 oder 2020 erwartet. «Wie bei den Bio-Kirschen besteht auch hier Bedarf.» Ferner gehören Mutterkühe und Mutterschafe sowie 2000 Legehennen zum Betrieb.

Adrian Knuchel lernte zuerst Forstwart, bevor er sich für die Ausbildung in der Landwirtschaft entschied. Heute ist er überzeugter Bio-Bauer, aber auch Unternehmer. Als solcher sah er sich nach einem weiteren, zum Betrieb passenden Erwerbszweig um und kam dabei auf die Kirsche, genauer gesagt auf die Tafelkirsche. «Hier besteht Bedarf», erklärt er, «der Kirschenkonsum ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Mittlerweile liegt er bei mehr als 5000 Tonnen jährlich, aber nur etwa ein Drittel davon stammt aus der Schweiz.» Interessant aber sei für ihn, dass besonders bei den Bio-Kirschen die Nachfrage um ein Vielfaches grösser sei als das Angebot.

Allerdings ist Knuchel nicht der Erste, der den Bedarf entdeckt hat. In der Region Mittelland existieren bereits mehrere Betriebe, die aber nicht nur Kirschen, sondern noch andere Früchte und Gemüse aus biologischem Anbau anbieten. «Für die Kirschen sehe ich da keine Konkurrenz, sondern es zeigt mir, dass wir auf gutem Weg sind», sagt er und weist auf weitere Gründe hin, dass sich die Investition von rund 100 000 Franken in die Anlage inklusive einiger Maschinen lohnt. «Der Boden ist für die Bäume ideal, für die Befeuchtung können wir Wasser aus dem nahegelegenen Emmenkanal herbeiführen. Ebenfalls ganz in der Nähe steht eine Biogasanlage, wo flüssiger organischer Dünger zu haben ist, und schliesslich können wir Hühnermist aus der eigenen Legehennenproduktion verwenden.»

Ein besonderes Augenmerk gilt der Schädlingsbekämpfung. «Das eigentliche Ziel ist es, dass möglichst wenig Bekämpfung nötig ist», erklärt Knuchel. «Daher wird, wenn eine bestimmte Wachstumsphase erreicht ist, die ganze Plantage vollständig eingehüllt. Potenzielle Schädlinge werden so ausgesperrt.» Durch den Anbau verschiedener Kirschensorten wird dafür gesorgt, dass die Ernte über eine Zeit von vier bis fünf Wochen gestaffelt erfolgt. Wie die Früchte schliesslich zur Kundschaft gelangen sollen, sei noch nicht im Detail entschieden, sagt Adrian Knuchel. «Am liebsten möglichst viel direkt ab Hof.»

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