Eisenhammer-Prozess
32 Monate, davon 18 bedingt für den Ex-Eisenhammer-Pächter

Im «Eisenhammer-Prozess» hat das Amtsgericht Olten-Gösgen die Urteile eröffnet. Den Hauptbeschuldigten verknurrte es zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, davon 18 Monate bedingt.

Ueli Wild
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Ehemaliges Wirkungsfeld des verurteilten Mannes: Der seit längerem leerstehende Landgasthof Eisenhammer in Aedermannsdorf. bko

Ehemaliges Wirkungsfeld des verurteilten Mannes: Der seit längerem leerstehende Landgasthof Eisenhammer in Aedermannsdorf. bko

Zweidreiviertel Stunden dauerte die Urteilsverkündung – von Zeit zu Zeit akustisch begleitet von den draussen vorbeiziehenden Guggen. Das Amtsgericht, bestehend aus Gerichtspräsident Pierino Orfei, Amtsrichterin Heidi Ehrsam und Kurt Kristandl (Suppleant), assistiert von Gerichtsschreiber Manuel Vogel, hatte ein ausserordentlich differenziertes Urteil gefällt. Die Anklageschrift gegen den aus Südserbien stammenden Hauptbeschuldigten, einen früheren Pächter des Aedermannsdörfer «Eisenhammers» (vgl. Ausgaben vom 10., 11., 12. 2..), hatte rund 50 Vorhalte umfasst.

Sexuelle Nötigung: Freispruch

In zahlreichen Fällen erachtete das Gericht den Sachverhalt als nicht erwiesen. Freisprüche setzte es daher beispielsweise ab in Sachen versuchte Förderung der Prostitution und versuchte sexuelle Nötigung. Die nur spanisch sprechende Tänzerin und der Nachtclub-Betreiber hätten gar nicht verbal miteinander kommunizieren können, stellte Pierino Orfei fest. Und was die angeblichen Faustschläge gegen die rechte Flanke der Geschädigten angehe, seien gemäss Arztbericht keine Blutergüsse feststellbar gewesen.

Voraussetzungen nicht erfüllt

Auch den Tatbestand der Drohung und Gewalt gegen Beamte hielt das Gericht in der Mehrheit der Fälle nicht für erwiesen. Und die versuchte räuberische Erpressung – laut Anklageschrift begangen am Schalter der a.en in Olten, qualifizierte das Gericht als Drohung und versuchte Nötigung. Der Beschuldigte habe ja keinen Vermögensvorteil zu erzwingen versucht. «Er wollte nur», so Orfei, «dass ihm wieder Strom geliefert wurde – und er hat bezahlt.» Da die betroffenen zwei a.en-Angestellten nicht selber Strafantrag gestellt hätten, seien die Prozessvoraussetzungen hier gar nicht erfüllt gewesen. «Ich hoffe: never again», sagte Orfei wörtlich. Eine Anspielung darauf, dass der überwiesene Vorhalt der räuberischen Erpressung schuld daran war, dass der Prozess überhaupt in Olten und nicht in Balsthal stattfand. «Sie können nichts dafür», wandte sich der Gerichtspräsident an Staatsanwalt Christoph Fricker. (Dieser war der dritte Staatsanwalt, der mit dem Fall befasst war, und er hatte diesen Vorhalt nicht überwiesen.)

Computer und Kopfnuss

Eine ganze Reihe von Hehlerei-Vorwürfen hielt das Gericht nicht für begründet, andere – so etwa die Geschichte mit den gestohlenen Computern, wo es auch Gehilfenschaft beim Diebstahl annahm – jedoch schon. Mitentscheidend war, dass der Beschuldigte in der polizeilichen Einvernahme ausgesagt hatte, er habe sich nie für die Frage interessiert, woher die Ware komme. Ein Schuldspruch erfolgte weiter in Sachen Kopfnuss gegen einen Etagennachbarn in Trimbach, wobei das Gericht nicht auf versuchte schwere, sondern auf einfache Körperverletzung erkannte.

Schweres Verschulden

Die Deliktsumme betrage mehr als 300000 Franken, stellte Orfei fest, die kriminelle Energie sei als gross und das Verschulden als schwer einzustufen. Für das gravierendste Delikt, die gewerbsmässige Hehlerei, hielt das Gericht eine Einsatzstrafe von 24 Monaten als angemessen. Zusammen mit dem Rest kam es auf eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten, wovon 18 Monate bedingt auf drei Jahre ausgesprochen wurden. Nach Abzug der ausgestandenen Untersuchungshaft ergibt das eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

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