Solothurn schreibt Geschichte

Was verbindet «Füdlistein», römischer Scherben und Statue?

Die Recherche bringt Überraschendes zutage.

Die Recherche bringt Überraschendes zutage.

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt. Teil 4.

Autorin: Simone Leitner

Mitwirkende: Christine Künzler, Schüpfen | Isabel Hunziker, Zuchwil | Hans Fischer, Lüterkofen | Susanne Im Hof, Grenchen

Studer sitzt zu Hause an seinem gemütlichen Schreibtisch, seinen Rauhaardackel «Inspector Barnaby» auf dem Schoss und listet peinlich genau alle vorhandenen Fakten auf. Längst hat er Feierabend. Es ist schon spät und der Kommissar ist müde. Aber heute ist es ihm egal. Müde, erschöpft und ausgebrannt ist er oft schon am frühen Morgen. Nach 40 Jahren Dienst, unzähligen Fällen und noch mehr Ärger will er nur noch eins: pensioniert werden. Und dann mit Barnaby auf die Jagd, mit seinem Enkel basteln und seine Ruhe haben. Doch jetzt ist sein Ehrgeiz geweckt. Mehr noch: Seine Ehre steht auf dem Spiel: Studer muss diesen Fall vor der grossen 2000-Jahr-Feier, an der Solothurn bis weit über die Landesgrenzen hinaus im Rampenlicht steht, lösen. Er weiss, diese Diebstähle sind weder Zufall noch ein Bubenstreich. Kuno Studer bleiben zwei Monate Zeit, um seine Heimatstadt zu retten. Und nur zwei Menschen, mit denen er den Fall lösen kann: Alma Müller und sein Neffe Jeffrey Affolter. Er ruft beide gleich am nächsten Morgen an, erreicht aber nur Alma und verabredet sich mit ihr in der Goldgasse. Studer ist als erster am Tatort. Er sieht sich nach weiteren Spuren um. Sein Blick schweift Richtung Aare und ihm fallen auch diese seltsamen Spuren auf, die auf etwas sehr Grosses und sehr Schweres hindeuten. «Weiss schon, dass es keine Riese gibt», schmunzelt Studer vor sich hin. Jetzt kommt Alma. Bevor er sie begrüsst, sagt er ein wenig nervös: Hier sind Spuren, die mich erschaudern lassen. Alma kennt seine Befürchtungen und ihr ist klar: Sie muss ihre geplante Stadtführung heute um 15 Uhr absagen. Soll sich ihre Kollegin Susi Frischbach um die Touristen aus Süddeutschland kümmern und ihnen die schönste Barockstadt der Schweiz präsentieren – «ohne Goldgasse und den Stadtpark», sagt sie am Telefon zu ihrer Kollegin vom Tourist Office. Alma ergänzt noch flüchtig, sie würde die Gründe später erklären, sei jetzt aber in Eile. Doch bevor sie sich verabschieden kann, hört sie ein Knacken in der Leitung und den Tourismusdirektor am Telefon. Tom Seiffert kennt Alma Müller schon seit sehr vielen Jahren und vertraut ihr blind. Er hört ihr zu und beruhigt sie: «Nimm dir Zeit, grüsse Kuno von mir und wenn ihr mich braucht, bin ich da.» Er ruft noch besorgt: «zu jeder Tages- und Nachtzeit» und ist weg. Alma geht ein paar Schritte der Goldgasse entlang driftet gedanklich weit weg. Früher floss hier der Stadtbach von Norden her offen durch die Stadt bis zur Aare. In den Häusern gab es kein fliessendes Wasser, vieles wurde im Stadtbach gewaschen. Alma sieht den Apotheker seine Gefässe vor seinem Haus an der Kirchgasse (heute Hauptgasse) reinigen. Zuvor säuberte weiter nördlich der Metzger die Därme der geschlachteten Tiere in demselben Bach. Jetzt hört Alma den Kommissar rufen und sie richtet Studer den Gruss von Tom Seiffert aus. Sie nehmen die mysteriösen Spuren unter die Lupe. Studer murmelt: «Hier wurde nicht nur ein historischer Stein gestohlen, sondern auch gegraben». Der Boden ist aufgerissen, die Bsetzisteine nur lose wieder hindrapiert und Wasser dringt an die Oberfläche. Haben die Täter den Stadtbach im Visier?

Jeffrey hat mittlerweile den Chefredaktor des Solothurner Journals angerufen und ihm mitgeteilt, dass die Münzsammlung absolut uninteressant und keine Geschichte wert sei. Chefredaktor Andreas A. von Burg ist genervt und sagt, dass ihm diese Münzen ziemlich egal seien und er jetzt weder Zeit und noch Nerven für ihn und seine historische Faiblesse habe. Jeffrey bleibt zu Hause und recherchiert. Wo gibt es eine Verbindung zwischen dem «Füdlistein», der römischen Scherbe und der Statue im Stadtpark? Vier tiefschwarze Espressi und zwei Stunden später ist er fündig geworden. Was er da gerade entdeckt hat, lässt seinen Atem stocken. Er versucht Studer telefonisch zu erreichen, doch der ist immer noch mit Alma unterwegs und hat kein Ohr für das Klingeln seines Handys. Jeffrey packt kurzentschlossen seine Kamera unter den Arm, macht sich auf zur Goldgasse und trifft seinen Onkel und Alma. Sie besprechen die Lage. «Ab sofort muss die Goldgasse unter Beobachtung gestellt werden. «Und bitte, das Solothurner Journal darf keinen Wind von der Geschichte bekommen», mahnt Studer.

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