Leserwandern Etappe 9

Tropfende Kühe, tosende Fälle und kurlige Kauze

Sauwetter auf der 9. Etappe. Doch die Leserwanderer liessen sich die Freude nicht nehmen.

Sauwetter auf der 9. Etappe. Doch die Leserwanderer liessen sich die Freude nicht nehmen.

Die 9. Etappe stand im Zeichen des «Schlangenhansi». Doch statt Schlangen gabs nur Regenschauer.

Die Bronzetafel an der Felswand in der Ämmenegg ist so unscheinbar wie der Mann es war, dem hier an dieser einsamen Wegkurve ein Andeken errichtet wurde: Hans Schweizer (1891 bis 1975) war allen hier nur als «Schlangenhansi» bekannt. Denn seit er als Junge auf einer Sommerwanderung mit seinem Bruder einst eine Viper entdeckte, liess ihn die Faszination für die kriechenden Tiere ein Leben lang nicht mehr los.


Schweizer bildete sich nebenher in jahrelangem Seltststudium zum Herpetologen (Reptilienkenner) aus und unternahm zahlreiche Forschungsreisen im In- und Ausland. Am liebsten wanderte er tagelang durch den Solothurner Jura, wo er mehrere bislang unbekannte Schlangen-Unterarten fand. Einige davon tragen seither gar seinen Namen in ihrer lateinischen Bezeichnung: die «Vipera lebetina schweizeri», die «Natrix natrix schweizeri» oder die «Lacerta trilineata hansschweizeri», zum Beispiel.


Schweizers Entdeckungen brachten ihm in Fachkreisen viel Anerkennung und 1972 gar die Ernennung zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Seine Terrarien, übrigens, schmückte der bescheidene Mann gerne mit seltenen Steinen, die er teils auf entlegenen griechischen Inseln sammelte und in seinem Wanderrucksack nach Hause brachte.


Am 18. September 1974 wanderte der begeisterte Schlangenkenner ein allerletztes Mal seinem Lieblingsweg durch die Ämmenegg entlang. In der Abendsonne fand er zwei trächtige Weibchen. Kurze Zeit später starb er.


Die 47 Leserwanderer, die gestern dem Hundewetter trotzten und mit dem SVP-Nationalrat und Hobby-Wanderleiter Christian Imark von Passwang nach Zullwil marschierten, hatten weniger Schlangenglück. Sie sahen nur nasse Kühe, tropfende Hochlandrinder und Weinbergschnecken, die das grausig-kalte Wetter ganz augenscheinlich mehr genossen als die sonnenverwöhnten Leserwanderer.

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