Vor gar nicht allzu langer Zeit galt es als normal, Menschen mit Demenz in geschlossenen Abteilungen zu betreuen. So wurde es bis 2014 auch im Gäu praktiziert, und zwar im Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen. Pünktlich zu dessen Eröffnung im Jahr 2011 war im Obergeschoss eine geschlossene Abteilung für Menschen mit Demenz eingerichtet worden. Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) wollte für die Zukunft gerüstet sein: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahrzehnten massiv steigen wird.

Gina Kunst, Bereichsleitung Betreuungs- und Pflegeentwicklung sowie stv. Geschäftsleiterin der GAG, erlebte dies mit. Wie sich nach kurzer Zeit abzeichnete, war die Idee mit der geschlossenen Abteilung dann doch nicht optimal, denn: «Es brachte sehr viel Unruhe in das Leben der Betroffenen, auch weil die Abteilung viel zu gross war», erinnert sie sich.

Inzwischen wurde die «Geschlossene» im Alterszentrum Sunnepark aufgehoben und in eine normale Abteilung umgewandelt, während die Menschen mit Demenz im Wohnhaus Stapfenmatt in Niederbuchsiten leben. Im Jahr 2021 soll das grosse Demenzzentrum Lindenpark in Balsthal eröffnet werden. Die weitere Nutzung der Stapfenmatt ab dem Jahr 2021 ist noch offen.

«Alltag ist normal»

Doch zunächst wurde nun am Freitag pünktlich zum Welt-Alzheimer-Tag in Niederbuchsiten diese zusätzliche Wohngruppe eingeweiht. Sieben Betroffene leben im neuen Gebäude unmittelbar neben der «Stapfenmatt» in einer geräumigen Attikawohnung mit grosser Terrasse. Der Gast trifft auf ein familiäres Klima, und nicht etwa auf klinische Infrastruktur oder Pflegerinnen in weissen Schürzen.

«Das Motto hier lautet, den Leuten einen normalen Alltag anzubieten», erklärt Gina Kunst, oder zumindest «so normal wie nur möglich.» Die Wohnung ist konventionell eingerichtet, bis auf ein paar Ausnahmen. So musste der Sanitätsbereich modifiziert werden, und die Bewohner schlafen in Pflegebetten.

Der Mensch steht im Mittelpunkt, wie es hier heisst. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden in den Alltag einbezogen, sei es beim Wäschezusammenlegen, abwaschen oder kochen. Laut Simona Caratus, Abteilungsleiterin Stapfenmat, sind diese Menschen mit bestimmten Bewegungsabläufen sehr vertraut, nur: «Manchmal putzen sie halt den Tisch, wenn es gar nicht nötig wäre. Oder sie öffnen einfach so eine Tür.»

Das Zauberwort lautet «Wertschätzung», sind sich die Verantwortlichen einig. Rüdiger Niederer, GAG-Geschäftsleiter, unterstreicht dies: «Nach dem Umzug von der geschlossenen Abteilung hierher hat sich das Wohlbefinden unserer Patienten sofort verbessert. So habe sich auch die «Weglauf-Drang» minimiert, der bei Demenzkranken oft ein Problem ist. «Dies ist unserem einzigartigen Betreuungsprogramm zu verdanken», so Niederer. Sagt beispielsweise jemand: «Ich muss hinaus, um mein Kind zu suchen», antworten die Pflegerinnen nicht: «Unsinn, Ihr Kind ist längst erwachsen, Sie bleiben hier», sondern gehen mit der Person hinaus, um «das Kind» zu suchen. Manchmal überlegen es sich die Patienten Minuten später anders. So komme es zu weniger Konflikten.