Neuendorf

Wie aus einem Bauernhaus ein modernes Mehrfamilienhaus entstand

Moderne trifft Geschichte: Das Architekturbüro Robert und Esslinger hat ein historisches Neuendörfer Bauernhaus in ein modernes Mehrfamilienhaus verwandelt.

Aus alt mach neu, lautet ein berühmtes Sprichwort und in diesem Falle trifft dies auch auf ein Bauernhaus in Neuendorf zu. Die Gäuer Gemeinde hat mit den alten Bauernhäusern entlang der Dorfstrasse ein schützenswertes Ortsbild, das von nationaler Bedeutung ist. Zu den aussergewöhnlichen Bauten gehört das Bauernhaus am Umgangweg mit dem angebauten Stall aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Wie alte Bauernhäuser erhalten werden können, zeigt das Architekturbüro Robert und Esslinger aus Rickenbach, das die Liegenschaft restaurierte und als Mehrfamilienhaus modernisierte. Von aussen her betrachtet, fällt dies kaum auf, lediglich weitläufige und modern anmutende Fensterflächen zeugen von den Umbauarbeiten. Denn: Die grössten Veränderungen im spätgotischen Wohngebäude wie auch im Stall fanden im Innern statt. «Die Aufgabe war es, durch eine bessere Nutzung des riesigen Gebäudevolumens, das Haus auch in der Zukunft weiterhin unterhalten zu können», schreibt Daniel Robert, Mitinhaber und Gründer des Architekturbüros.

Den Planern war es hier besonders wichtig, den angebauten Stall beizubehalten, damit dieser nicht abgerissen und durch ein «gesichtsloses» Mehrfamilienhaus ersetzt wird. Robert begründet dies wie folgt: «Der Charakter eines ehemaligen Bauerndorfes, mit seinen Wohnhäusern und angebauten Ställen, soll das Dorfbild weiterhin prägen.» Letztlich soll so nicht nur das äusserliche Antlitz der Bauernhäuser gewahrt werden, sondern auch der Charme und Charakter des Dorfes.

Auch wenn der bäuerliche Charakter des Gebäudes am Umgangweg hervorgehoben wird, ist der eigentliche Zweck des Gebäudes heute ein ganz anderer. «Mit ein wenig mehr Planungsaufwand kann ein Stallteil durchaus in zeitgemässes und modernes Wohnen überführt werden», so der Architekt. Das habe den Vorteil, dass Baukosten gespart werden können und somit ein gewisser Recyclingprozess stattfindet, durch welchen graue Energie gespart wird. Dies ergebe auch aus Sicht der Denkmalpflege durchaus Sinn, denn somit wird auch die alte Bausubstanz des historischen Hauses vor starken Eingriffen geschont.

Aus einem Stall werden Maisonette-Wohnungen

Das spätgotische Wohnhaus mit dem Stall reiht sich in eine lange Liste von historischen Gebäuden ein, die vom Rickenbacher Architekturbüro gewissermassen ein zweites Leben erhielten. Seit der Gründung des Büros Anfang der 1980er-Jahre beschäftigt es sich mit dem Umgang und der Renovierung historischer Bauten. Während der fast 40 Jahre hat das Büro in der gesamten Deutschschweiz mehr als 500 Projekte realisiert - von Schaffhausen über Guggisberg BE bis nach Saas Fee VS. «Es sind auch viele Kulturgüter aus den Kantonen Aargau und Solothurn dabei, wo wir je ein Büro haben», ergänzt Robert. Das besondere an diesen Liegenschaften sei, dass jede ein Unikat ist und nach ganz individuellen Lösungen verlangt. Aktuell arbeitet die Robert und Esslinger AG unter anderem am bekannten Schloss Wartenfels in Lostorf (wir berichteten).

Doch wie ist es überhaupt zum Umbau gekommen? «Weil das Hauptgebäude unter Denkmalschutz steht und wir die Auflagen des Kantons einhalten mussten, haben wir ein erfahrenes Büro gebraucht», sagt die Liegenschaftsbesitzerin Karin von Arb auf Anfrage. Sie ist Vermieterin und Mitinhaberin von NDK Immobilien mit Sitz in Olten, das sie zusammen mit ihren beiden Geschwistern führt. Vom Heimatschutz bekamen die Liegenschaftsbesitzer den Hinweis auf das auf Restaurationen historischer Gebäude spezialisierte Architekturbüro Robert und Esslinger. Zusammen mit den Architekten begutachteten die von Arbs das historische Bauernhaus. Ein weiterer Vorschlag kam von einem anderen Architekturbüro aus der Region, letztlich entschieden sich die von Arbs aber für die Rickenbacher Firma.

«Im Stall wurden auf zwei Stockwerken drei grosse Maisonette-Wohnungen eingerichtet», sagt von Arb. Dort wo sich heute die Fenster befinden, war einst ein grosses Tor für den Traktor. Die alten Stalltüren wurden beibehalten. Im Innern liessen die Besitzerinnen alles modernisieren. So gibt es einen Unterlagsboden und im Schlafzimmer wurde der alte Boden durch einen Neuen aus Parkett ersetzt. «Im Erdgeschoss des Stalls wurden hingegen sehr moderne Böden eingebaut, um den Räumen ein industrielles oder gewerbliches Flair zu geben», erzählt die Liegenschaftsbesitzerin.

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