Welschenrohr-Gänsbrunnen
Gemeinderat wehrt sich und schickt offenen Brief an die Postleitung

Der Gemeinderat Welschenrohr-Gänsbrunnen wehrt sich vehement gegen einen erneuten Abbau des Service Public im ländlichen Gebiet.

Fränzi Zwahlen
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Auf dem Gebiet von Gänsbrunnen will die Post die Steckschilder-Lösung aufgeben und dafür einen online-Service einführen. Die Gemeinde wehrt sich mit einem offenen Brief an die Postleitung.

Auf dem Gebiet von Gänsbrunnen will die Post die Steckschilder-Lösung aufgeben und dafür einen online-Service einführen. Die Gemeinde wehrt sich mit einem offenen Brief an die Postleitung.

Patrick Luethy

Der Gemeinderat von Welschenrohr-Gänsbrunnen hat genug: Schon wieder soll ein Service Public-Angebot auf dem Gemeindegebiet im hinteren Thal gestrichen werden. 2016 wurde die Poststelle im Dorf geschlossen und durch eine Filiale im Volg-Laden ersetzt, dann wurde die Raiffeisenbank in der Dorfmitte geschlossen, und jetzt trifft es die Postversorgung von Gänsbrunnen.

Der dort schon seit Jahren installierte Hausservice mit dem Steckschild, der bisher gut funktionierte, soll in den nächsten Tagen mit einer «modernen Online-Lösung» ersetzt werden. Das teilten die Postverantwortlichen den Behörden mit. Diese Tatsache können und wollen die Gemeindeverantwortlichen von Welschenrohr-Gänsbrunnen nicht mehr nur so hinnehmen.

Es wurde beschlossen, einen offenen Brief zu verfassen, in welchem die Behörden ihre «grosse Verwunderung und vor allem ihr Unverständnis» für diese Massnahmen ausdrücken. Unverständnis deshalb, weil «doch hauptsächlich die ältere Bevölkerung, bei welcher der Umgang mit Smartphones, PC und Tablet nicht so stark verankert ist, von diesen Dienstleistungen Gebrauch macht».

Wo bleibt der einstmals verankerte Service Public?

Die angeführten Argumente der Post überzeugen die Behörden nicht von den Massnahmen. Sie schreiben im offenen Brief: «... es kommt eher das Gefühl auf, dass man auf die Randregionen heutzutage keine grosse Rücksicht mehr nehmen will, sondern es der Post einzig und allein um die Einsparung ihrer Ressourcen geht». Man frage sich, was mit dem einstmals stark verankerten Service Public geschehen sei, und:

«Es wäre schön, wenn die Chefetage der Post vermehrt an die Randregionen und vor allem deren ältere Bevölkerung denken würde.»

Dieser Brief geht in diesen Tagen an die Postleitung und wird per Inserat zudem öffentlich gemacht.

Binzstrasse in zwei Wochen wieder befahrbar

Die Wiederinstandstellung der Binzstrasse, die anfangs April wegen eines Steinschlags unpassierbar wurde, ist im Gang. Anlässlich einer Begehung mit den Gemeinderäten Stefan Rastorfer und Beat Allemann, mit Manuel Schnellmann vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei, zuständig für Schutzbauten, Norbert Emch, Amt für Landwirtschaft und Kreisförster Joshua Huber sowie dem Forstwart Hinteres Thal Adrian Widmer, wurde die Behebung des Schadens analysiert und die zu treffenden Massnahmen besprochen.

Allemann informierte, dass man drei Szenarien besprochen habe: Nur die Strasse freiräumen; die ganze Felsplatte abholzen und entfernen und/oder danach noch Felssicherungsmassnahmen ergreifen. Zusammen mit den Experten sei man überein gekommen, dass mittlere Variante, die ganze Felsplatte abzuholzen und danach zu entfernen, die vorerst beste Variante sei.

Allemann erwähnte, dass dafür ein Kostendach von rund 60'000 Franken notwendig werde, 80 Prozent der Kosten jedoch Bund und Kanton übernehmen. Somit müsste die Gemeinde rund 12'000 Franken aus der Gemeindekasse selbst tragen. Der Gemeinderat konnte sich mit diesem Vorgehen einstimmig einverstanden erklären. Allemann erklärte weiter, dass die Aufräumarbeiten auf der Strasse bereits begonnen haben und man damit rechne, dass diese bis in zwei Wochen wieder befahrbar sei.

Diskutiert wurde auch noch, ob man die Strasse ob des Steinschlagrisikos nicht ganz schliessen müsste. Dies wurde aber abgelehnt. Die Binzstrasse müsse für die Öffentlichkeit befahrbar bleiben, wurde gesagt.

Andere Einstiegsmöglichkeiten in die Wolfsschlucht

Bereits ist die Wandersaison gestartet und schon sind beim Einstieg zur Wanderung durch die Wolfsschlucht zu viele Autos entlang der viel befahrenen Hauptstrasse gesichtet worden. Dies veranlasste die Gemeindepräsidenten von Herbetswil und Welschenrohr-Gänsbrunnen mit den Verantwortlichen des Naturpark Thal zusammen zu kommen, um über das weitere Vorgehen diesbezüglich zu diskutieren.

Gemeindepräsidentin Theres Brunner informierte ihren Gemeinderat. Man habe beschlossen, den Wanderern alternative Einstiegspassagen zur Wolfsschlucht von Herbetswil oder auch von Welschenrohr her beliebt zu machen. «Auch im Bewusstsein, dass dies eine längere Route wird», so Brunner. Die Wanderer sollen mittels Tafeln auf diese Alternativen sowie auf alternative Parkierungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Man hoffe, damit dieses Problem zu entschärfen.

«Sackgeld» für die Stäcklibuebe

Bekanntlich hat der Kanton Solothurn den Gemeinden empfohlen, aufgrund der Coronalage den «Stäcklibuebe» ihre Aktivitäten vom 30. April auf den 1. Mai zu verbieten. Welschenrohr befolgt diese Empfehlung, erhielt nun aber vom Jahrgang 2002 eine Anfrage, ob das traditionelle Maibäumli dennoch gestellt werden dürfe.

Dies wurde im Gemeinderat bejaht. Zudem wurde beschlossen, diesem Jahrgang und demjenigen davor, 2001, je 200 Franken «Sackgeld» für die Jahrgangskasse zu sprechen. Dies weil die Jahrgänger wegen der Pandemie keine Festwirtschaft betreiben dürfen.

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