Seit Jahren schiebt der Gemeinderat den Entscheid vor sich hin, die Quelle Flüematt wegen Verunreinigungen mit Kolibakterien im Rohwasser vom Trinkwassernetz zu nehmen. Mit der Forderung, eine Schutzzone für die Quelle auszuscheiden, habe der Kanton die Gemeinde nun quasi zu diesem Schritt gezwungen, erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi.

Ins Trinkwassernetz sei das mit Fäkalkeimen belastete Rohwasser aber nie gelangt, betont die Gemeindepräsidentin. Die darin enthaltenen Kolibakterien würden vor der Einspeisung ins Reservoir Flüematt mittels einer Ultraviolettbestrahlung auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau reduziert. Das Wasser könne also bedenkenlos getrunken werden.

Dass sich der Gemeinderat dennoch für einen Verzicht auf die Flüematt-Quelle ausspricht, hat mit den hohen Kosten zu tun, welche die vom Kanton verlangte Ausscheidung einer Schutzzone der Stufe S 2 verursachen würde. In dieser Zone muss sichergestellt werden, dass Krankheitserreger, wie etwa Kolibakterien sowie andere abbaubare Stoffe nicht in die Wasserfassung gelangen können. Die auszuscheidende Zone hätte einem Untersuchungsbericht zufolge ein Ausmass von rund 10 Quadratkilometer erreicht und damit Kosten von mindestens 200 000 bis 250 000 Franken verursacht, wie Bartholdi dazu ausführt.

Herkunft nicht definierbar

Die Grösse der Schutzzone wurde aus Markierungsversuchen abgeleitet. Diese hatten gezeigt, dass die Fliessgeschwindigkeit des Karstwassers, mit welchem die Quelle gespeist wird, viel höher ist als bisher angenommen. Das Wasser, welches die Quelle verunreinigt, könnte demnach ebenso aus dem Gebiet Langenbruck, Holderbank stammen wie auch von den Sömmerungsweiden in Oberbuchsiten. Schlüssig nachweisen lasse sich das nicht, bemerkt die Gemeindepräsidentin.

Die Schwierigkeit, die Herkunft des Wassers zu bestimmen sowie die schlechte Qualität des Rohwassers und die geringe Ergiebigkeit der Quelle Flüematt hätten den Gemeinderat schliesslich dazu bewogen, auf deren Nutzung zu verzichten. Dieser Entscheidung sei eine lange und emotional geführte Diskussion vorausgegangen, berichtet Bartholdi.

Erstaunlich deutliches Votum

«Der Entscheid fiel uns aber nicht leicht, schliesslich gibt es auch emotionale Komponenten», erwähnt die Gemeindepräsidentin. So gebe es in der Gemeinde viele Leute, die nur ungern auf das Wasser aus dem eigenen Dorf verzichten möchten. Der Beschluss, künftig auf die Flüematt-Quelle zu verzichten, sei aus ihrer Sicht mit 6 Ja-Stimmen gegen 1 Nein-Stimme erstaunlich deutlich ausgefallen. «Es war ein emotionaler Kopfentscheid», meint Bartholdi.

Die Quelle, mit welcher je nach Wetter und Klimaverhältnissen 16 bis 33 Prozent des Egerkinger Wasserbedarfs abgedeckt werden, soll so schnell wie möglich vom Netz genommen werden. Es dürfte etwa ein bis zwei Monate dauern, bis die Quelle mittels baulichen Massnahmen um das gleichnamige Reservoir Flüematt geleitet werden kann. Das Reservoir selbst ist von den erwähnten Massnahmen nicht betroffen und wird weiterhin für die Trinkwasserversorgung eingesetzt. Das Wasser wird nach Umleitung der Quelle vollumfänglich vom Zweckverband Regionale Wasserversorgung Gäu bezogen.

Quelle soll weiter genutzt werden

Die Flüematt-Quelle will der Gemeinderat aber nicht einfach aufgeben. Deshalb hat er die Werkkommission beauftragt, sich über deren weitere Nutzung Gedanken zu machen. «Denkbar wäre zu Beispiel ein Kleinkraftwerk», bemerkt Bartholdi.