Gemeinderat

Warum wurde der Raiffeisen-Bankschalter geschlossen? «Chropfleerete» in Welschenrohr

Geldgeschäfte am Bankschalter können in Welschenrohr nicht mehr getätigt werden. Für den Gemeinderat ein massiver Abbau der Dorf-Attraktivität.

Geldgeschäfte am Bankschalter können in Welschenrohr nicht mehr getätigt werden. Für den Gemeinderat ein massiver Abbau der Dorf-Attraktivität.

Gemeinderat befragt Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Dünnerntal-Guldental zur Schliessung des Bankschalters im Dorf.

Die Raiffeisenbank Dünnerntal-Guldental hat ihren Bankschalter in Welschenrohr seit Anfang Januar geschlossen. Nun hat der Gemeinderat die Bankleitung zum Gespräch aufgefordert. An der Sitzung vom Montag erschienen Cornelia Dippon, Präsidentin des Verwaltungsrats, und Roland Studer, Aktuar des Verwaltungsrates, um Red und Antwort zu stehen.

Gemeindepräsidentin Theres Brunner stellte zu Beginn der Unterredung einige Fragen: Warum wurde der Bankschalter geschlossen? Was bedeutet das für die Räumlichkeiten, die mitten im Dorf liegen? Welche Auswirkungen hat die Massnahme für die Steuereinnahmen von Welschenrohr? Wie sieht die Raiffeisenbank Dünnerntal-Guldental in fünf bis zehn Jahren aus?

«Wir dürfen die Raiffeisenbank nicht nur regional anschauen, sondern müssen auch schweizweit denken», begann Cornelia Dippon. «Wir haben uns die Kundenfrequenzen angeschaut und da müssen wir, ohne zu beschönigen, sagen: Wir hätten schon länger den Schalter schliessen müssen». Es seien immer die gleichen wenigen Kunden, die auf der Bank ihr Geld beziehen; dies können sie genauso gut an einem Bancomaten, der in Welschenrohr jetzt neu installiert wurde, tun. Als Bank müssten sie die «too big to fail»-Vorgaben ernstnehmen und diese besagen, dass mindestens zwei Personen an einem Schalter eingesetzt werden und dazu noch weitere Personen für im Back-Office tätig sein sollten. «Dazu haben wir eindeutig zu wenig Frequenzen; das versteht sicher jeder hier», argumentierte Dippon. Deshalb propagiere man als Bank das Beratermodell. Hier kommt ein Berater auf den Kunden zu – ähnlich einem Versicherungsberater – und hilft ihm bei weitergehenden Bankfragen.

«Andere wären längst gegangen»

Ein weiteres Argument für die Schliessung des Schalters sei, dass man eine neue Alarmanlage hätte installieren müssen und man diese Investition nicht mehr tätigen wollte. «Dennoch möchte ich betonen: Die Geschäftsstelle Welschenrohr ist nicht geschlossen. Noch immer verfügt Raiffeisen über ein dichtes Geschäftsstellennetz im Thal und die Erreichbarkeit ist für die Kunden sehr gut. Wer selbstständig kein Geld am Bancomaten abheben will, dem schicken wir gar sein Bargeld per Post nach Hause, falls er das ein paar Tage vorher anmeldet», so Dippon. Und eines betonte die Verwaltungsratspräsidentin noch: «Ich kann ihnen keine Versprechen machen, wie lange dies jetzt so bleibt.» Welche Auswirkungen dies auf die Steuererträge von Welschenrohr habe, auch dies könne sie momentan nicht sagen. Doch sie versuche, dies in Erfahrung zu bringen und der Gemeindepräsidentin so bald als möglich mitzuteilen.

Was mit den Gebäuden geschehe – da sei man noch am Überlegen. «So verrückt es klingt, aber Leerstehen lassen ist günstiger als Renovieren. Es sind gute Räumlichkeiten, mit einem Verkauf wird aber noch gewartet.»

Dass die Schalter-Schliessung für die Gemeinde so überraschend gekommen sei, habe auch mit der Kurzfristigkeit der beschlossenen Massnahmen zu tun gehabt. «Wir entschieden im Dezember 2019, den Schalter zu schliessen und haben daraufhin die Gemeindepräsidentin informieren wollen, sie aber nicht erreicht. So musste der Brief an die Genossenschafter eben raus, noch bevor der Gemeinderat informiert worden ist. «Wir sind uns bewusst, dass das Dorf etwas verliert. Doch bedenken sie: Wir sind lange geblieben, andere wären längst gegangen.»

«Diese Informationspolitik ist inakzeptabel»

Nun war es an den Gemeinderäten, ihrem Ärger Luft zu machen. «Da wurden Versprechungen nicht eingehalten. Wir bemühen uns, unser Dorf auch für ältere Bewohner attraktiv zu halten, und dann kommt ein solcher Brief. Diese Informationspolitik ist inakzeptabel», wurde gesagt. Man hätte den Gemeinderat im Vorfeld über die Vorhaben unbedingt informieren sollen. Das habe die Post bei Schliessung der Poststelle wenigstens noch gemacht. Man erinnere sich, dass Dippon anlässlich der Information zur Fusion Dünnerntal-Guldental vor zwei Jahren versprochen habe, dass die Bankfiliale fünf Jahre so weiter betrieben werde, wie bisher. Dieses Versprechen bestätigten weitere Gemeinderatsmitglieder. Cornelia Dippon wehrte sich: Das habe sie so sicher nicht gesagt.

Wie lange der Bancomat in Welschenrohr betrieben werde, sei auch unsicher, meinten weitere Gemeinderäte. Was denn nun Gewerbetreibende machen sollen, wenn kein Tresor oder keine Einzahlungsmöglichkeit im Dorf vorhanden sei, wurde weiter gefragt. «Die wenigen Gewerbetreibenden im Dorf müssen nun beispielsweise ihr Bargeld übers Wochenende Zuhause horten. Das kann es doch nicht sein». Man habe über einen Einzahlungsautomaten nachgedacht, gab Dippon zu. Doch die Automaten seien sehr störanfällig und deshalb habe man davon abgesehen.

«Wir bemühen uns, für ein Butterbrot unser Dorf attraktiv zu halten, und dann werden solche Entscheide gefällt», sagte ein anderer Gemeinderat. «Man habe als Gemeinde bei der Bank auch Fremdkapital – wenn auch zu schlechteren Bedingungen als bei anderen Banken – aufgenommen, weil man sich mit der Genossenschaftsbank verbunden fühle. Wo denn jetzt der Genossenschaftsgedanke geblieben sei, wurde gefragt.

Dippon versuchte noch mal zu erklären, dass man aufgrund der Zahlen gezwungen gewesen sei, den Schalter zu schliessen. «Die Einwohnerzahl ist einfach nicht mehr gegeben, als dass wir hier den Schalterbetrieb aufrechterhalten können».

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