1 Handelt es sich beim Schweissacker in Niederbuchsiten um ein stinkendes Feld?

An der Grenze zu Wolfwil wird in Niederbuchsiten der Hof mit umliegendem Umschwung der untere Schweissacker genannt. Der obere Schweissacker befindet sich jenseits der Grenze auf Wolfwiler Boden. Unsere ersten Belege dieses Namens stammen alle aus dem 19. Jahrhundert und zeigen durchgehend die heutige Schreibung. Für eine zuverlässige Deutung benötigen wir aber eine möglichst alte und ursprüngliche Form des Namens.

In Trimbach finden wir ebenfalls den Namen Schweissacker. Dieser befindet sich an der Aare im Industrieareal Grossfeld. Für den Trimbacher Schweissacker haben wir in unserer Datenbank den ersten schriftlichen Beleg aus dem Verzeichnis von Gülten und Schuldbriefen aus dem Jahr 1668: «sechs Jucherten Ackher der Schweitacher genant». Ein weiterer Beleg aus dieser Quelle aus dem Jahr 1676 zeigt die Namenform: «Schweützackher». Erst im Übersichtsplan von 1873 erscheint die heutige Schreibung Schweissacker. 

Das mittelhochdeutsche Wort sweiz, schweiz bedeutet Schweiss oder Schweissi, Schweizi und ist eine Abstraktbildung zum Verb schweizen, schweissen und bedeutet Schweiss absondern, schwitzen, triefen oder durchsickern. Der Schweiss als wässerige Aussonderung aus den Poren in Tropfenform kann im übertragenen Sinn auch «aus dem Erdboden hervorsickerndes Wasser» bedeuten.

Namenkundlich haben wir es demnach bei einem Schweissacker mit durch Quellendruck entstandenen feuchten oder sumpfigen Stellen im Gelände zu tun. Diese Deutung scheint für beide Beispiele nachvollziehbar. Der Schweissacker in Trimbach findet sich in der Nähe der Aare und der Schweissacker in Niederbuchsiten und Wolfwil liegt in einem wasserreichen Gebiet. Auf der Siegfriedkarte von 1870 sind die verschiedenen Kanäle und Bachläufe noch gut ersichtlich. Die beiden Namen gehen also tatsächlich auf das Wort Schweiss zurück, stinken jedoch nicht – Sie dürfen sich davon gerne selbst im Gelände überzeugen.

2 Der Name Atligspor in Oberbuchsiten ist uns allen gut bekannt, aber was bedeutet der Name genau?

Das Gebiet Atligspor befindet sich in Oberbuchsiten am Fuss des Roggen zwischen dem Chöpfli und dem Zäggenacker. Der Erstbeleg stammt aus dem bernisch-solothurnischen Urbar von 1423 und lautet: «von einer Ruti, heisst uff dem Atlispor». Im Beleg von 1518 ist der Name als: «ein Juchartten uff dem adlis Spor» überliefert. Seit 1877 lautet der Name zunächst Atlissporn; danach ist die heutige Form Atligspor belegt.

Die Präposition «auf» in den Belegen von 1423 und 1518 lässt vermuten, dass es sich hier um eine Flur in erhöhter Lage handelt oder dass sich die Flur damals in erhöhter Lage befunden haben muss. Es handelt sich hier wohl um eine Zusammensetzung des Personennamens Ato, Atli und dem Wort «Bor». Bor bedeutet Anhöhe und ist ebenfalls im Namen des Bergs Born in Wangen enthalten. Atlispor ist also die Anhöhe einer Person namens Atli. Der germanische Personenstamm Ato gehört zum gleichen Stamm wie das Wort Atta, das für Vater, schweizerdeutsch Ätti (Grossvater) steht. Der Name kann in unterschiedlichen Formen existieren: Ato, Atli, Etti, Ettin. Auf diesen Namen gehen auch die Namen Attenried in Hauenstein und Lostorf oder der Ettenberg in Däniken zurück. Beide Namen zeigen ebenfalls ein Besitzverhältnis auf.

3 Hat es im Muggenloch in Stüsslingen besonders viele Stechmücken?

Das Muggenloch liegt im Wald in Erlinsbach, westlich des Dorfes an der Grenze zu Stüsslingen. Hier befindet sich jedoch keine lochähnliche Vertiefung, sondern ein sumpfiger Wald. In diesem Fall hängt jedoch das Grundwort Loch nicht mit dem neuhochdeutschen Wort Loch zusammen, sondern kommt vom mittelhochdeutschen Wort lo, das lichter Wald bedeutet. Dies zeigen auch die Belege des Grundbuches von Niedererlinsbach aus dem Jahr 1826 deutlich auf: «Victer Mÿer Matten im Mugenloh».

Wo es sumpfig ist, halten sich bekanntlich viele Mücken auf. Das schweizerdeutsche Wort Mugge kommt vom mittelhochdeutschen Wort mugge und meint tatsächlich das stechfreudige Insekt. Die Genitivendung -en (Muggen) verweist jedoch in Namen oft auf ein Besitzerverhältnis. Hier könnte es sich demnach um einen Personennamen Mugg, der aus dem althochdeutschen Personennamen Muchilo entstanden ist, handeln. In diesem Fall handelt es sich nicht um einen Wald, in dem es viele Mücken hat, sondern um einen Wald, der im Besitz einer Person namens Mugg war.

Für eine abschliessende Deutung fehlen uns hier aber alte Belege und es bleibt Raum für Spekulation.