Egerkingen

Vereine werden erst 2 Jahre später in die Schulraumplanung einbezogen

Die Vereine werden ihre Anliegen in der Arealplanung für das neue Schulhaus besser einbringen können.

Die Vereine werden ihre Anliegen in der Arealplanung für das neue Schulhaus besser einbringen können.

Weil der Standort des geplanten neuen Schulhauses vom Stimmvolk deutlich abgelehnt wurde, setzt der Gemeinderat eine neue Arbeitsgruppe dafür ein. Darin werden auch die Vereine vertreten sein. Doch Mitsprache haben sie bereits vor zwei Jahren in einem Antrag an den Gemeinderat verlangt. Angefragt wurden sie aber erst letzte Woche.

Die Anfrage kam, aber sie kam zwei Jahre später: Letzte Woche wurden die Egerkinger Vereine vom Gemeinderat angefragt, beim neuen Projekt zur Schulraumplanung mitzuwirken. Vor allem sie waren mit dem Standort des geplanten Schulhauses nicht zufrieden, das Ende September an der Gemeindeversammlung abgelehnt wurde.

Das neue Schulhaus auf der Spielwiese hinter dem Feuerwehrmagazin hätte insbesondere dem Turnverein viel Platz für ihre Trainings genommen. Und der Platz sei ohnehin sehr knapp: Bereits im Sommer 2018 hatten sich der Fussballclub, der Turnverein, die beiden Musikgesellschaften und die Guggenmusik zusammengetan und sich mit einem schriftlichen Antrag an den Gemeinderat gewendet. Damals verlangten sie, dass der Neubau einer Dreifachturnhalle in die gesamte Schulraumplanung miteinbezogen wird. Sie seien bereit die Gemeinderäte dabei zu unterstützen.

In ihrem «Antrag auf Überprüfung der Situation Mühlemattschulhaus» listen die Vereine ihre Anliegen auf. Sie hätten keine Möglichkeiten mehr, ihr Angebot auszubauen. Die Saale und Hallen seien alle belegt. Insbesondere die Turnhalle sei wegen Anlässen immer wieder für Trainings blockiert. Auch die Infrastruktur wie Sanitär- oder Musikanlagen seien nicht mehr zeitgemäss, bemängeln sie.

Die Situation soll überdenkt werden. «Wir wollten die Gemeinde mit dem Antrag auf unsere Anliegen aufmerksam machen», sagt die Präsidentin der Musikgesellschaft Konkordia, Barbara Junker, auf Nachfrage. Anlass dazu haben die Legislaturziele der Gemeinde gegeben, die 2017 veröffentlicht wurden. Sie sehen eine laufende Planung geeigneter Einrichtungen für Kultur und Gesellschaft vor.

Proben in der Abdankungshalle

Seit mehreren Jahren probe die 60-köpfige Musikgesellschaft mangels geeigneten Alternativen aber in der Abdankungshalle, neben der Aufbahrungshalle. «Klar, der Gemeinderat hat nicht den Auftrag, uns ein Probelokal zur Verfügung zu stellen», sagt sie. Aber ihr Verein sei doch relativ erfolgreich unterwegs in der Schweiz. Sie wünsche sich endlich einen geeigneten Probelokal sowie einen zeitgemässen Saal für Anlässe, damit die Turnhalle nicht immer besetzt werden muss.

Auch die Präsidentin des Turnvereins, Nadja Grolimund, äussert sich auf Nachfrage ähnlich. Ihr Verein muss bei grösseren Anlässen jeweils die Turn- und damit ihre Probehalle freigeben. Das lähme den gesamten Turnbetrieb. «Die Infrastruktur stösst definitiv an ihre Grenzen», sagt sie. «Wir wollten die Gemeinderäte frühzeitig über die Bedürfnisse der Vereine informieren.»

Der Gemeinderat behandelte den Antrag an der Gemeinderatssitzung im Oktober 2018 und nahm schriftlich Stellung dazu. Die Anliegen der Vereine entsprächen auch den Überlegungen des Gemeinderates. Er weise aber darauf hin, dass in den Legislaturzielen auch der sorgsame Umgang mit finanziellen Ressourcen festgehalten ist.

Schliesslich aber möchte sich der Gemeinderat dem Anliegen nicht verschliessen, wie es weiter heisst. Er habe das Planerteam des Schulraumes beauftragt, eine Strategie zu entwickeln und die Bedürfnisse aller beteiligten, darunter auch der Vereine aufzunehmen. Kontaktiert wurden die betroffenen Vereine allerdings erst letzte Woche, nachdem der Standort des neuen Schulhauses zur Ablehnung des Projektes führte und der Gemeinderat eine neue Arbeitsgruppe zusammengestellt hat.

Die Mehrzweckhalle wurde nicht einfach vergessen

Bereits kurz nach der Abstimmung über das Projekt sagte die Gemeindepräsidentin gegenüber dieser Zeitung, dass sich der Gemeinderat wohl zu sehr auf die Finanzen konzentriert habe. Auf Nachfrage wiederholt sie, dass sie die Schulraumplanung bewusst von der Planung der Mehrzweckhalle getrennt haben. «Wir hätten nicht beides gemeinsam finanzieren können.» Und weil sie sich hauptsächlich auf die Schulraumplanung konzentriert haben, seien die Vereine nicht kontaktiert worden. «Hätten wir alles miteinander planen wollen, dann hätten wir ganz klar auch die Vereine miteinbezogen», sagt Bartholdi und weist auf die Legislaturziele hin.

«Die Mehrzweckhalle ist seit langem ein Anliegen und ist nicht einfach vergessen worden.» Der Gemeinderat sei genauso vorgegangen, wie er es in der schriftlichen Stellungnahme versprochen habe. «Schon in der Antwort des Gemeinderates sprachen wir von einer längerfristigen Umsetzung der Wünsche, womit wir grundsätzlich auf Kurs sind.» Nach dem Bau des Schulhauses habe man 2023 schliesslich mit der Planung für eine Multifunktionshalle auf dem Mühlemattareal beginnen wollen. Das bestätigte der Gemeinderat auch vor der entscheidenden Gemeindeversammlung. Er stellte zudem in Aussicht, die Spielwiese bis im Somme 2026 zu ersetzen.

Aber das hat nicht gereicht. «Wir wurden einfach vor Fakten gestellt», erinnert sich der Präsident des Fussballclubs, Reto Diriwächter, an die Infoveranstaltung zum neuen Schulhaus vergangenen September. Auch er hätte es begrüsst, mehr Platz für seine Hallentrainings zu erhalten. Im schlimmsten Fall hätte er den Fussballplatz mit dem Turnverein geteilt, wie er sagt. «Wir hätten da sicherlich eine Lösung gefunden.»

Alle Vereine werden vertreten sein

Doch nun freuen sich die Vereine, dass sie Vertreter für die neue Arbeitsgruppe mitschicken dürfen. Auch wenn dies zwei Jahre später als erwartet geschieht. «Wir wollen für alle Seiten eine gute Lösung finden», sagt die Präsidentin des Turnvereins, Nadja Grolimund.

Wen sie in die neue Arbeitsgruppe schicken wollen, sei aber noch unklar. Auch die beiden Musikgesellschaften schicken sicher jeweils einen Vertreter mit. «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung», sagt die Präsidentin der Musikgesellschaft Konkordia. An der ersten Sitzung der Gruppe am 2. November werde auch ein Vertreter des Fussballclubs anwesend sein.

Meistgesehen

Artboard 1