Wolfwil

Unterhaltung auch in schweren Zeiten: Orthopäde dreht Sketchvideos

Not macht bekanntermassen erfinderisch, was in diesem Falle besonders auf den Wolfwiler Roland Ackermann zutrifft. Der Orthopäde dreht während des Lockdowns Sketch-Videos auf Facebook.

Wie viele andere Menschen auch, verbrachte der Orthopäde Roland Ackermann den Lockdown die meiste Zeit zu Hause und verfolgte regelmässig Nachrichten im Radio oder Fernsehen rund um das Coronavirus. Zur Arbeit gehen konnte er nicht, da er seine Klinik für Orthopädie und Sportmedizin an der Spitalstrasse 9 in Olten schliessen musste. «Dass ich mit den Videos angefangen habe, resultiert sicherlich aus der Unterbeschäftigung während des Lockdown. Ich musste einfach etwas machen», sagt Roland Ackermann darüber.

Witz um Toilettenpapier-Hamsterei

Sein erstes Video zum Thema Coronavirus lud Ackermann Ende März auf Facebook hoch und zeigte dabei, wie man möglichst sparsam mit dem WC-Papier umgehen sollte. Damit machte er sich über die Toilettenpapier-Hamsterei lustig und verfilmte einen uralten Witz. «Die Leute fanden dies lustig und ich dachte, warum nicht gleich eine ganze Video-Serie zur aktuellen Krise raushauen?», begründet der Orthopäde seine Idee. Videos in dieser Art habe Ackermann noch nie gemacht und er betont auch, dass er keinerlei Erfahrungen in der Schauspielerei hat.

Ein Mann, verschiedene Figuren

Das erste Video seiner ins­gesamt elf Teile umfassenden Serie erschien auf Facebook fast schon passend am 1.April. Im Mittelpunkt der drei bis acht Minuten langen Sketches stehen der Haupterzähler mit seinem Bier, sowie ein «Depp» in einem roten Pulli und einer Fransen­frisur und zu guter Letzt der «Hochkorrekte», der ein Abziehbild für einen Moralapostel ist. «Später kam noch der Kiffer hinzu, der schnell zum absoluten Publikumsliebling aufstieg», erzählt Ackermann. Die einzelnen Figuren hat der Arzt nicht nur selber erfunden, sondern er spielt diese auch in der Manier einer gespaltenen Persönlichkeit. Für die einzelnen Videos investierte Ackermann viel Zeit und Aufwand, damit diese so authentisch wie möglich auf dem Bildschirm erscheinen. «Bevor ich mit dem Dreh der Videos beginne, sammle ich Ideen aus dem Fernsehen oder dem Radio und verfasse dann den ungefähren Plot», sagt der Gäuer.

Roland Ackermann «Geputzt ist halt jetzt nicht»

Über den Sinn und Unsinn von Atemschutzmasken

Für das Drehbuch benötige er im Schnitt eine bis zwei Stunden, für den Dreh der Videos noch einmal zwei Stunden und eine Stunde, um diese optimal zu schneiden, damit auch alle Figuren am Schluss zusammen sitzen.

In den Sketchen diskutieren die Charaktere über Sinn und Unsinn in der Coronakrise wie zum Beispiel das Tragen einer Atemschutzmaske. Dabei ist der «Trottel» ein fast schon dogmatischer Verfechter der Maskenpflicht und modifiziert seine Masken mit unsinnigem Zubehör, wie einer Klappe fürs Essen. «Ich wollte in erster Linie die ernste Lage auflockern und die Videos sollen auch einen Anreiz zum Nachdenken geben», äussert sich der Orthopäde. Denn auch wenn die Videos in erster Linie als reine Unterhaltung gedacht sind, so steckt hinter diesen jeweils auch eine Message. «Als Hauptbotschaft soll darauf hingewiesen werden, dass es immer noch viele Menschen gibt, die Mühe haben, gewisse Regelungen zu befolgen. Das Motto: ‹Lasst euch helfen, geht keine Risiken ein›», lautet folgerichtig eines von Ackermanns Statements.

Die Videos dienen in den Augen Ackermanns auch als Quelle der Information aber auch als Mahnung. «Ich bin auch nicht immer vollständig einverstanden, wie es mit den Regelungen zu und her geht, aber im Grossen und Ganzen hat der Bundesrat in meinen Augen eine sehr gute Arbeit geleistet», findet der Video-Autor.

Und was meint das Publikum? «Die Reaktionen waren deutlich über meinen Erwartungen, das hat mich einfach dazu motiviert jeweils mit den Sketchen weiterzumachen», erzählt der Gäuer. Für ihn sind die Videos aber auch eine Art Medizin, mit der Zeit des Lockdown kreativ umzugehen und dem gewöhnungsbedürftigen Alltag zu entfliehen.

Die Arbeit in der Praxis wieder aufgenommen

Doch nun beginnen langsam die Lockerungen im Lockdown einzusetzen und Ackermann kann wie gewohnt wieder zur Arbeit. «Ich habe das erste Mal seit gut acht Wochen erste Patienten operiert», sagt der Orthopäde. Verbindlich bleiben die Abstandsregelungen aber nach wie vor für seine Praxis. «Wir schreiben die Patienten auch weniger eng ein, sodass sich nie mehr als zwei Personen in den Warteräumen begegnen», erklärt Ackermann seinen Betrieb.

Nachdem der Wolfwiler nun seiner normalen Tätigkeit nachgehen muss, stellt sich natürlich die Frage, ob er mit seinen Videos weitermacht. Darauf entgegnet er: «Es hat schauspielerisch, aber auch technisch viel Spass gemacht und es war auch ein sehr kurzweiliges Erlebnis. Vielleicht mache ich weiter, wenn ich in Pension gehe», scherzt der Praxisinhaber.

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