Coronakrise

Take-away oder Lieferdienste: Restaurants werden in der Krise kreativ

Beim Restaurant Zur Lotus in Oensingen gab es schon immer Take-away, sagt Gastgeber Chork Chhit (ganz rechts).

Beim Restaurant Zur Lotus in Oensingen gab es schon immer Take-away, sagt Gastgeber Chork Chhit (ganz rechts).

In der Region geht die Coronakrise an den Gastronomie-Betrieben nicht spurlos vorbei. Wer bietet Take-away oder Lieferservice an?

Wer mittags oder abends in einem Restaurant verbringen möchte, der muss sich bis mindestens zum 19. April gedulden. Seit knapp drei Wochen gelten die Sonderregelungen des Bundesrats, wovon auch die Gastronomiebetriebe betroffen sind. Doch welche Lokale in der Region Thal/Gäu bieten überhaupt Take-away oder Lieferdienste an?

Ein solcher Betrieb ist zum Beispiel das Oensinger Restaurant Zur Lotus, das mit Spezialitäten aus Südostasien lockt. «Bei uns gab es schon immer Take-away, doch jetzt in der Krisenzeit stell ich um», sagt der Restaurant-Inhaber Chork Chhit auf Anfrage. Take-away der speziellen Art bietet «Zur Lotus» seit den Massnahmen des Bundes an. Einen Lieferdienst hingegen gibt es nicht. «Die meisten Kunden rufen mich an oder kommen persönlich vorbei. Ich habe keine Zeit, alles zu liefern», meint Chhit. Alles in allem ist der kambodschanisch stämmige Besitzer jedoch zuversichtlich, auch wenn die Zeiten alles andere als ideal für ihn seien. «Ich bin sehr zufrieden.» Er habe aber trotzdem Kurzarbeit für sein Personal beantragt. «Ich hoffe, dass die Krise bald vorbei sein wird», sagt der Inhaber. Von den Besuchern hat er bisher ausschliesslich positives Feedback erhalten. Mit dem verstärkten Einsatz im Take-away-Bereich hofft Chhit, neue Kunden zu gewinnen. «Wir bieten täglich neue Menüs an, und die Leute, welche noch nie bei mir waren, haben die Chance, das Essen zu probieren und kennen zu lernen», sagt der Wirt. Auch wenn die Massnahmen des Bundes einschneidende Wirkungen zeigen, so lobt Chhit die Schweizer Regierung. «Ich bin sehr froh, dass der Bund es den Restaurants gestattet, weiterhin Take-away zu nutzen, denn sonst hätte ich echte Existenzängste», sagt der Geschäftsführer.

80 Prozent vom Umsatz verloren

Keine 500 Meter entfernt vom «Zur Lotus» hat in Oensingen das Café Knaus an der Hauptstrasse 70 ebenfalls zu kämpfen. «In diesen schwierigen Zeiten geht es primär darum, für unsere Kunden als Grundversorger und Aufmunterer da zu sein», sagt der Geschäftsleiter Samuel Lanz. Die Bäckerei wie auch der Konditorei- und Confiserie-Laden sind aber weiterhin geöffnet, wobei Hygiene- und Abstandsvorschriften einzuhalten sind. «Neben den ofenfrischen Broten, Backwaren, Torten oder Schokoladenspezialitäten wie Schoko-Osterhasen, werden auch Take-away-Produkte wie Salate, Sandwiches oder Birchermüesli angeboten», sagt Lanz. Für ältere Personen gibt es das sogenannte Notstand-Brot, welches vorgebacken und tiefgekühlt ist und mit einer Gebrauchsanleitung zuhause fertig gebacken werden kann. Geliefert wird aber nur in dringenden Notfällen, was sich jedoch bei einer Ausgangssperre ändern könnte. Take-away wird zwar schon lange beim Café Knaus angeboten und auch rege genutzt, allerdings ist dies ein bescheidener Teil des Gesamtumsatzes. «Wir haben mit der Schliessung des Café-Restaurants von einem auf den anderen Tag 80 Prozent des Umsatzes verloren. Uns trifft die Krise also sehr hart», sagt der Geschäftsleiter. Über Wasser gehalten haben das Café Knaus der Epidemien-Plan, zum Teil angesparte Reserven, die Kurzarbeit und der Überbrückungskredit.

Take-away-Service gibt es auch im Thal

Nicht nur im Gäu, sondern auch im Thal offerieren Gastro-Betriebe Take-away und Lieferdienste. Seit zwei Wochen setzt auch das Restaurant Eintracht an der Goldgasse 1 in Balsthal auf Take-away und Lieferdienste. «Gerade das Take-away wird von der Kundschaft wahnsinnig stark genutzt», sagt Wirt Marcel Kunz auf Anfrage. Der Lieferservice wird momentan aber noch deutlich weniger genutzt als Take-away. «Lieferservice gibt es schon, wir liefern bei drei bis vier Leuten, aber die meisten Kunden holen das Essen bei uns ab», sagt Kunz. Der Lieferservice beschränkt sich auf die Gemeinde Balsthal. Welche Menüs sind beim Restaurant Eintracht zu bestellen? «Das variiert bei uns sehr stark. Es gibt verschiedene Menüs wie zum Beispiel belegte Brötchen, Schweinsbraten, Älplermagronen und auch frische hausgemachte Suppe», sagt Kunz. Auch wenn der Take-away derzeit sehr stark dominiere, sei die Zeit trotzdem nicht leicht. «In der letzten Zeit hat es gut angezogen, da mussten wir mehr machen, vor allem am Mittag, damit wir nicht in ein Loch fallen», findet Kunz. Weiterhin erhält das Restaurant und die Gelateria auch viele Komplimente von den Gästen. «Wir haben in dieser schwierigen Zeit erfahren, dass wir sehr treue Stammgäste haben», sagt der Inhaber.

Frischen Fisch für die Region

Auf ein ganz anderes Konzept setzt der Gasthof zum Reh an der Hauptstrasse 20 in Herbetswil. Statt Menüs bietet das Restaurant frische Forellen von der eigenen Zuchtstation an. «Für anderes wie Menüs ist die Nachfrage im Dorf einfach nicht so gross», sagt die Betreiberin Dorothea Müller auf Anfrage. Die Zuchtforellen können entweder in Take-away-Manier vor Ort abgeholt oder auch nach Hause geliefert werden.

«Wir liefern die Fische vor allem für die Risikogruppen nach Hause», sagt Müller. Geliefert wird in einem Umkreis von zirka 10 bis 20 Kilometern. Im Grossen und Ganzen melden sich aber die Kunden vorher telefonisch und holen den Fisch vor Ort ab. Die Dienstleistung des Abhol- und Lieferservices bietet der Gasthof seit den Anti-Corona-Massnahmen des Bundes an. «Für Ostern hätten wir eigentlich bis zu 500 Kilogramm Forellen vorbereitet. Wegen der derzeitigen Lage braucht es aber höchstwahrscheinlich weniger», vermutet die Betreiberin.

Dennoch ist der Fischfang für andere Restaurants und Private auf der Zuchtstation verboten. «Es gäbe sonst eine viel zu grosse Menschenansammlung.» Von dem her sei man froh, dass sich die Menschen telefonisch melden. Auch wenn aktuell die Nachfrage an frischen Zuchtforellen gross sei, so ersetze der daraus resultierende Erlös bei weitem nicht den Restaurantbetrieb.

«Bei uns ist der Verkauf von Fisch alltäglich, es ist im Moment einfach ein ganz kleiner Tropfen auf einem heissen Stein», sagt Dorothea Müller. Für den Gasthof ist es auch wichtig, dass die Fische, welche bereit sind, gut über die Theke kommen. Über Wasser halten kann sich das Restaurant damit aber nicht. «Wir haben noch finanzielle Reserven, sind aber froh, wenn die Krise bald wieder vorbei ist», sagt die Inhaberin.

Autor

Patrik Lützelschwab

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