Rückblick
Skispringen, Abfahrten und Langlauf: Als im Thal Skipioniere wirkten

Skispringen in Mümliswil, Abfahrten auf dem Oberberg und Loipen auf dem Brunnersberg – im Thal war man schon früh skibegeistert.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Skisport in den 1930er Jahren wurde auch im Thal betrieben. Die Fotokamera allerdings fehlte. Hier eine Aufnahme vom Grenchenberg.

Skisport in den 1930er Jahren wurde auch im Thal betrieben. Die Fotokamera allerdings fehlte. Hier eine Aufnahme vom Grenchenberg.

Fotoarchiv Rudolf Feller

Etwa um 1925 wurde es in Balsthal Mode, Ski zu fahren. Massgebend war damals der Turnverein, der seinen jungen Mitgliedern die Möglichkeit verschaffte, sich mit Skiern einzudecken. Wer das nicht konnte, ging damals zum Wagner Reinhard und holte sich dort «Fassdubeli».

Die Bretter, die eigentlich zum Bau von Weinfässern verwendet wurden, liess man vorne zuspitzen und montierte Lederriemen als Halt für die Schuhe daran. Dann brauchte es noch einen langen Haselstecken, den man zum Anschieben oder zum Bremsen benötigte, nahm diesen zwischen die Beine – und ab ging die Fahrt.

Schulkinder übten auf dem Schafhübelstutz

«Die Balsthaler Schulkinder fuhren meist auf dem Schafhübelstutz oder auf dem Viggihübel, dort wo heute das Gemeinschaftsgrab angelegt ist,» erzählt der 93-jährige Balsthaler Kuno Fluri, der seit vielen Jahren in Solothurn lebt.

Kuno Fluri erinnert sich ans Skifahren, auch mit seiner Frau Beatrice.

Kuno Fluri erinnert sich ans Skifahren, auch mit seiner Frau Beatrice.

Hanspeter Bärtschi

«Ich bekam als Vierjähriger von meinem Götti ein Paar richtige Ski und war damit damals wohl einer der wenigen Buben, der solche Ski hatte.» Oft sei der Zahnarzt Ruedi Schnyder auf dem Hang anzutreffen gewesen, wo er den Kindern die richtigen Schwünge zeigte. «Und auch mein Onkel Robert Fluri, ein bekannter Kunstturner damals, lehrte uns das Skifahren.»

Es sei also die Skiriege des Turnvereins gewesen – eine eigene Abteilung –, die es noch vor dem Skiclub gab, die das Skifahren in Balsthal populär machte. «Es gab halsbrecherische Dorf-Skirennen vom Oberberg bis ins Hemmet unterhalb Höngen», erinnert sich Fluri. «Und als Gewinn gab es Skiwachs.»

Vom Thal nach Langenbruck zum Skifahren

«1952 baute mein Vater Pius Hammer, der in Balsthal Bezirkslehrer war, im Gebiet Wanne in Langenbruck den ersten Skilift», erinnert sich sein Sohn Peter Hammer, der heute noch Mitbesitzer der Wannenlifte ist. Dies geschah dank viel Goodwill seitens der Gemeinde Langenbruck und vieler tatkräftiger Kollegen aus Langenbruck und Balsthal.

Seit 1952 existiert der Skilift Untere Wanne in Langenbruck.

Seit 1952 existiert der Skilift Untere Wanne in Langenbruck.

Patrick Lüthy

1966 wurde dann der zweite, der obere Wannenlift in Betrieb genommen. «1978 wurde der untere Lift vollständig erneuert und eine erste Hütte zum Verpflegen und Aufwärmen mit einer Toilette gebaut», so Hammer. Der obere Lift sei ständig erneuert worden. In den Siebzigerjahren, als es noch gute Schneewinter gab, traf sich an der Postautohaltestelle Amtshausplatz in Balsthal besonders an den Mittwochnachmittagen die Thaler Schuljugend, um in Langenbruck das Skifahren zu vervollkommnen.

Langenbruck selbst hat eine lange Skitradition, wurde hier doch 1909 einer der ersten Skiclubs der Schweiz gegründet. Für den Schweizer Skisport bedeutend wurde der Ort aber wegen der Sprungschanzen. 1955 wurde nach einem Entwurf des Ingenieurs Reinhard Straumann die grösste Schanze der Schweiz dort in Betrieb genommen. «Ganze Völkerwanderungen gab es damals aus der ganzen Region nach Langenbruck, wo man die Skisprung-Weltelite sehen konnte», erinnert sich auch Kuno Fluri.

Mit dem Bau der drei Freichelen-Schanzen im Jahr 1963 wurden die vorherigen ersetzt. 1987 erhielt die Anlage einen neuen Sprungrichterturm, 1997 wurde die Beleuchtung für Abendsprungläufe eingerichtet. 2000 fand hier noch die Schweizer Junioren-Meisterschaften der Nordischen Kombination statt – der letzte offizielle Wettkampf. Im Dezember 2010 wurde der Abbruch der veralteten Schanzen wegen fehlenden Nachwuchses beschlossen.

Die begabten Mümliswiler Springer

Begabte Skispringer stammten aus Mümliswil. Die Reckenchiener Gebrüder Schmid, wovon der heute 72-jährige Hans Schmid als fünffacher Schweizer Meister ab 1969 der Erfolgreichste war. Seine Sprungbegeisterung startete im Reckenchien, wo zunächst eine Schanze aufgebaut wurde und wo auch Dorf-Skisprungkonkurrenzen stattfanden.

Links der erfolgreiche Thaler Skispringer: der Mümliswiler Hans Schmid mit Walter Steiner und Hans-Georg Aschenbach aus der DDR 1974.

Links der erfolgreiche Thaler Skispringer: der Mümliswiler Hans Schmid mit Walter Steiner und Hans-Georg Aschenbach aus der DDR 1974.

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Später wurde in der Winteri in Mümliswil eine Schanze gebaut, auf der gar Nachtspringen durchgeführt wurden, die viele Zuschauer anlockten.

Die Brunnersberg-Loipe

Der Skisprung war nicht die einzige nordische Disziplin, die im Thal Anhänger fand. 1973 legte der Skiclub Balsthal auf dem Brunnersberg eine Loipe an, die ab 1974 rege benutzt wurde. Mehrmals wurden Volkslangläufe durchgeführt. Vom Restaurant Alpenblick bis zur Tannmatt auf 16 km – zum Teil noch weiter – konnte die verschneite Juralandschaft genossen werden. Mitte der Neunzigerjahre wurde die Loipe aber aufgrund der immer schlechter werdenden Schneesituation aufgegeben.

Nun hat Christian Frey, Sohn des ehemaligen «Alpenblick»-Wirts, die Idee, die Loipe wieder zu installieren. «Ich habe in den sozialen Netzwerken einen Aufruf gestartet und viel Resonanz bekommen», sagt er. Benötigt würden rund 7000 Franken, um ein Spurgerät anzuschaffen. «Wenn es klappt, möchte ich noch diesen Winter wenigstens einen Teil der Loipe eröffnen. Auch ein Nachtrundkurs wäre möglich.» Weitere Infos: chrigu.frey@bluemail.ch. (frb)