Seilbahn Weissenstein
Die Gemeinde Kestenholz will keine Aktionärin mehr sein: «Das ist nicht unsere Aufgabe»

Aktien, zu deren Unternehmen man keine besondere Beziehung habe, möchte die Gemeinde Kestenholz nicht mehr besitzen. Deshalb hat sie 50 Aktien der Seilbahn Weissenstein verkauft. Die Seilbahn schmerze das höchstens moralisch, sagt ihr Geschäftsführer.

Hans Peter Schläfli
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Nur 7 Prozent der Aktien der Seilbahn Weissenstein AG sind in der Hand von Gemeinden. Nun hat die Gemeinde Kestenholz ihre 50 Aktien verkauft.

Nur 7 Prozent der Aktien der Seilbahn Weissenstein AG sind in der Hand von Gemeinden. Nun hat die Gemeinde Kestenholz ihre 50 Aktien verkauft.

Hanspeter Bärtschi

Der Gemeinderat Kestenholz hat beschlossen, die 50 Aktien der Seilbahn Weissenstein zu verkaufen, die die Einwohnergemeinde besitzt. Das sei kein Votum gegen die Seilbahn. Man sei nur grundsätzlich der Ansicht, dass Aktienbesitz keine Aufgabe der Einwohnergemeinde ist, sagt Gemeindepräsident Arno Bürgi.

Der Aktienkurs der Seilbahn Weissenstein hat in diesem Jahr eine starke Steigerung erfahren: Am 4. Januar kostete eine Aktie 93 Franken, am 5. Juli 120 Franken und zum Jahresende kostet sie 116 Franken. Am 14. Dezember wechselten sechs Aktien zu diesem Kurs den Besitzer. Die Erklärung liegt auf der Hand: Die Seilbahn Weissenstein AG hat 2020 trotz der Coronakrise nach rund 390’000 Franken Abschreibungen auf den Anlagen und einer Dividendenausschüttung von rund 300’000 Franken einen Jahresgewinn von 417’000 Franken geschrieben. Die Dividende wurde von 2 auf 2.50 Franken erhöht. «Das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2021 wird sogar leicht über dem Ergebnis des letzten Jahres liegen», sagt Konrad Stuber, Geschäftsführer der Seilbahn Weissenstein AG, zur Gesundheit des Unternehmens.

«Die Aktionäre müssten sich keine Sorgen machen. Unsere Dividendenzahlungen sind nachhaltig.»

Auch bei der BKW ausgestiegen

Auf den Ausgabepreis von 100 Franken gerechnet, beträgt die Verzinsung 2,5 Prozent, auf den heutigen Aktienkurs bezogen sind es immer noch mehr als 2 Prozent. Eine Rendite also, die heutzutage selten geworden ist. Warum betrachtet Kestenholz die Seilbahn Weissenstein AG trotzdem nicht als gewinnbringende Investition? Der Gemeindepräsident sagt:

«Weil die Bankgebühren fürs Aktiendepot die Dividenden gleich wieder aufbrauchen.»

Dass die hohen Depotgebühren für Kleinaktionäre ein Problem sind, bestätigt auch der Geschäftsführer der Seilbahn Weissenstein AG.

Man dürfe den Seilbahn-Aktienverkauf nicht isoliert betrachten, sagt Arno Bürgi. «Er steht im Zusammenhang mit unseren Aktien der BKW.» Die BKW habe der Gemeinde eine Offerte zum Umtausch oder Kauf der Onyx-Aktien zugestellt. «In Zusammenhang damit haben wir alle unsere Aktienposten überprüft und sind zum Schluss gekommen, diese zu verkaufen.» Aktienbesitz von Gesellschaften, zu denen man keine «besonderen Beziehungen» habe, sei schlicht keine Aufgabe der Einwohnergemeinde.

Nur 7 Prozent des Aktienkapitals halten umliegende Gemeinden

«Wenn eine Gemeinde ihre Aktien verkaufen will, bedauern wir das, aber es schmerzt uns höchstens moralisch», kommentiert der Geschäftsleiter den Vorgang. Lediglich 7 Prozent des Aktienkapitals werde von den umliegenden Gemeinden gehalten, wobei die Stadt Solothurn mit rund 3 Prozent unter den Gemeinden den grössten Anteil besitze.

«Viele Kleinstaktionäre halten unsere Titel eher aus Goodwill, aus Liebe zum Berg und der Region.»

Für sie sei der Besuch der Generalversammlungen ein wichtiger gesellschaftlicher Anlass, ein schöner Gratisausflug auf den Berg mit einem tollen Nachtessen. Das nennt der Volksmund eine «Fressaktie». Konrad Stuber nennt ein weiteres Argument für die Seilbahnaktie: «Unsere Aktionäre bekommen auch gratis Tickets für einen späteren Ausflug auf den Weissenstein.»

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