Die Vorlage zur erleichterten Einbürgerung spaltete den Kanton. Auffällig dabei: Nur gerade drei Bezirke sagten insgesamt Nein zur Initiative. Am deutlichsten im Thal und Gäu, gefolgt vom Bezirk Thierstein. Die anderen Bezirke sagten zum Teil deutlich Ja, lagen aber, mit Ausnahme des Stadtbezirks Solothurn, allesamt unter dem schweizweiten Ja-Stimmen-Anteil von 60,4 Prozent.

Der Gemeindepräsident des einzigen Dorfs, welches für die Verfassungsänderung stimmte, kann sich die Gründe nicht erklären. «Es ist aber durchaus eine Tendenz, die ich auch schon beobachten konnte», sagt Kestenholz Gemeindepräsident Arno Bürgi. Dass es in Kestenholz überhaupt zu diesem Resultat kam, überraschte ihn nicht. Eher, dass die Gemeinde die einzige in der Amtei Thal-Gäu war, welche überwiegend ein Ja in die Urne legte.

Wenn auch nur knapp, denn nur gerade 22 Stimmen gaben den Ausschlag. Die von Bürgi angesprochene Tendenz lässt sich tatsächlich aufzeigen. Bei der Masseneinwanderungsinitiative, welche sich ebenfalls der Ausländerthematik widmete, lag die Zustimmung in Kestenholz bei 51 Prozent, 9 Prozentpunkte tiefer als durchschnittlich im Gäu.

Ausländeranteil egal

Im Nachbardorf Niederbuchsiten sieht die Lage anders aus. Nur 37,76 Prozent der Niederbuchsiterinnen und Niederbuchsiter stimmten der Einbürgerungs-Vorlage zu. «Vielleicht ist es so, dass hier im ländlichen Niederbuchsiten die Leute bei solchen Vorlagen zurückhaltender sind», sagt Gemeindepräsident Markus Zeltner. Etwa weil noch weniger Integration stattgefunden habe, und die Leute dadurch auch weniger Erfahrungen sammeln konnten. Zeltner sagt aber auch, dass diese These kaum auf grössere Gemeinden wie Egerkingen oder Oensingen mit mehr Ausländeranteil angewendet werden könne. Dort liegt der Ausländeranteil bei 28 (Egerkingen) beziehungsweise bei über 31 Prozent (Oensingen, per 31.12.2015), in Niederbuchsiten bei 13,8 Prozent. Der Ausländeranteil in Kestenholz liegt momentan bei 6 Prozent.

Auch in Egerkingen und Oensingen haben die Stimmberechtigten mit wuchtigem Nein-Stimmen-Anteil die Vorlage bachab geschickt. In Egerkingen mit rund 60 Prozent Nein-Stimmen, in Oensingen mit rund 56 Prozent Ja-Stimmen. «Die Einwohnerinnen und Einwohner haben wahrscheinlich genug von allem rund um die Ausländerthematik», sagt Johanna Bartholdi zum Abstimmungsresultat im Gäu und speziell in Egerkingen.

Kantonale Spitzenreiter

Im Thal sind mit Gänsbrunnen und Matzendorf die beiden Nein-Spitzenreiter des Kantons versammelt. Wobei in Gänsbrunnen nur gerade acht Stimmberechtigte ein Ja in die Urne legten, was einem Anteil von 30 Prozent entspricht. Noch deutlicher war die Sache bei der Masseneinwanderung, als die Zustimmung bei 75 Prozent lag. Auch in Matzendorf wurde die Initiative damals klar angenommen. Für Gemeindepräsident Marcel Allemann keine Überraschung. «Mir ist schon ein paarmal aufgefallen, dass Matzendorf eher konservativ und rechts stimmt», sagt er.

Wenn er aber durchs Dorf gehe, nehme er die Gemeinde ganz anders war, deshalb könne er sich diesen kantonalen Spitzenwert bei der Einbürgerungsinitiative nicht erklären. So zum Beispiel in Bezug auf eine afghanische Familie, welche vollständig im Dorf integriert sei. «Wir sehen aber natürlich noch Entwicklungspotenzial», sagt Allemann. Er selber vertrete im Dorf ganz klar die Meinung, dass in Matzendorf alle willkommen seien. Weit weniger deutlich der Nein-Stimmen-Anteil in Herbetswil. «Wir sind da grundsätzlich etwas offener als andere Gemeinden im Thal», sagt Gemeindepräsident und Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. Er führt dies auf eine etwas andere Bevölkerungsstruktur zurück. «Wir haben relativ viele Neuzuzüger».

Bereits vierte Vorlage

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt derweil, dass die Abstimmung vom Sonntag bereits die vierte war, welche eine erleichterte Einbürgerungspraxis zum Inhalt hatte. Alle drei vorhergehenden wurden abgelehnt. 1983 wurde die erleichterte Einbürgerung für junge Ausländerinnen und Ausländern verworfen, schweizweit mit 55 Prozent, im Kanton Solothurn mit 58 Prozent. 1994 scheiterte eine ähnliche Vorlage am Ständemehr, schweizweit sagte eine Mehrheit Ja zu diesem Begehren. Im Kanton Solothurn wurde sie mit 54 Prozent abgelehnt.

Zwei gesplittete Vorlagen von 2004 gingen derweil weiter: Sie sahen unter anderem vor, dass Ausländer der dritten Generation das Schweizer Bürgerrecht mit der Geburt in der Schweiz automatisch erwerben könnten. Ein Nein war die Folge. Schweizweit wurde sie mit 51 Prozent Nein-Stimmen-Anteil versenkt, im Kanton Solothurn gar mit über 62 Prozent. Die andere Vorlage wurde mit 57 Prozent (Schweiz), beziehungsweise 67 Prozent (Solothurn) deutlicher abgelehnt.

Dort zeigte sich indes, was die Amtei Thal-Gäu anbelangt, ein ähnliches Bild, wie bei der Abstimmung vom Wochenende. Auch hier lehnte Thal und Gäu das Begehren am deutlichsten aller Solothurner Bezirke ab. Und auch bei dieser Abstimmung zeigt sich, dass die Kestenholzerinnen und Kestenholzer noch am ehesten etwas für solche Begehren übrig haben, wenn auch dort die Ablehnung deutlich bei über 60 Prozent lag.