Der halbe Fussballclub Oensingen war zur Budget-Gemeindeversammlung angetreten. Viele von den anwesenden Sportlern verfügen über kein Stimmrecht, wollten aber dennoch Präsenz und Interesse markieren, wie einhellig zu vernehmen war. So auch der Assistenzcoach der ersten Mannschaft, Ernst Frei aus Mümliswil: «Im Budget ist die Sanierung der Fussballanlage vorgesehen», erklärte er am Gästetisch sitzend gegenüber dieser Zeitung. Das sei der Grund, weshalb heute viele quasi in den Vereinsfarben hier Platz genommen hätten.

Effektiv sind rund 190 000 Franken für Anpassungen am Hauptspielfeld sowie die Gesamtsanierung für das FC-Klubhaus vorgesehen. Auch eine neue Beleuchtung und ein Rasenmäher-Roboter sollen angeschafft werden. Obschon dieser Punkt beim Budget überhaupt nicht zur Sprache kam, hatte die FC-Leitung um Präsenz ihrer Klubmitglieder an diesem Montagabend gebeten. Würde das Budget angenommen, wäre diese Mission erfüllt. Und so kam es am Ende auch.

Gloor erläutert Einsparungen

An allen Ecken und Enden wird gespart. «Die Nettokosten der allgemeinen Verwaltung konnten seit dem Jahr 2017 um 3 Prozent reduziert werden», erklärte Gemeindepräsident Fabian Gloor. Die Sparrunde 2018 sei hart gewesen, doch hätte man deswegen das Budget nochmals um 425 000 Franken verbessern können. Es sei jetzt beinahe ausgeglichen. Die Kostenoptimierungen zeigten erste Erfolge, steht in der detaillierten Version des Budgets. Gloor liess durchblicken, dass das Thema Sparen auch emotional nicht einfach zu verkraften war: «Die Reorganisation der Gemeindeverwaltung bedeutete schmerzhafte Einschnitte.» Auch die sonstigen «Leistungsreduktionen» seien alles andere als einfach. Ein weiterer Schritt zeigt sich darin, auf eine Lohnerhöhung sowie den Teuerungsausgleich der Gemeindeangestellten zu verzichten.

In der Abteilung Verkehr konnten die geplanten Ausgaben um 320 000 Franken reduziert werden, was ebenfalls auf Dienstleistungsabbau zurückzuführen ist, genau gesagt aufgrund von Stellenabbau und Streichung des Ortsbusses. Dies sind einige Beispiele der Einsparungen. Die Mehreinnahmen durch Steuern werden voraussichtlich mit rund 900 000 Franken budgetiert. Auf das Jahr 2018 war der Steuerfuss von 107 auf 111 Prozentpunkte angehoben worden. Damit und in der Hoffnung die Ortschaft möge weiter wachsen, werden neue Geldquellen vermutet.

Beeinflussbare Kosten

Die auffälligsten Abweichungen gegenüber der Jahresrechnung 2017 im Oensinger Budget sind die soziale Sicherheit und die Bildung. So sind die Kosten für wirtschaftliche Hilfe (Zweckverband Sozialregion Thal-Gäu) gegenüber der Jahresrechnung 2017 um 180 000 Franken gestiegen. Es hiess, dass bei diesen nicht beeinflussbaren Kostenblöcken kaum mit tieferen Kosten zu rechnen sei, weshalb sich der Gemeinderat bei der Sparübung um beeinflussbare Kosten kümmere. Bei der Bildung trügen vor allem höhere Schülerzahlen sowie steigende Betriebskosten für die Kreisschule zu erheblichen Abweichungen bei.

Für das Jahr 2019 sind Nettoinvestitionen in der Höhe von 9 Mio. Franken vorgesehen. «Davon fallen alleine 5,3 Mio. Franken für den Schulhausneubau Oberdorf an», relativierte der Gemeindepräsident. Das Budget wurde ohne grosse Diskussionen von der Versammlung mit grossem Mehr angenommen. Entwarnung im finanziellen Bereich gab es trotzdem keine. Die finanzielle Situation Oensingens sei weiterhin angespannt. Der Gemeindepräsident hatte vor knapp einem Jahr gegenüber den Meiden erklärt: «Wir versuchen, es so umzusetzen, dass es die Einwohner nicht direkt spüren.»