Die Aussage liess aufhorchen: An der Verleihung des Solothurner Unternehmerpreises am Dienstag sprach Laudatorin Nina Spielmann bei der Würdigung der ausgezeichneten Balsthaler Dyhrberg AG von Ausland-Expansionsplänen der Firma. Manch einer der 350 Gäste im Landhaus spitzte die Ohren – und fragte sich: Bedeutet Ausbreitung über die Schweizer Grenze hinaus am Ende vielleicht gar den Abschied aus der Klus? Oder will das Unternehmen auf Teufel komm raus wachsen?

Ralf Weidkuhn, Leiter Marketing und Verkauf beim 1965 gegründeten Räuchereiunternehmen, beruhigt am Tag nach der grossen Sause: «Nein, das ist mit Sicherheit nicht der Fall.» Die Räucherei und die klimatischen Bedingungen im Thal seien so fein aufeinander abgestimmt, dass ein Umzug oder zweiter Standort nie zur Diskussion stehen werde. «Alle Produkte, an welchen unsere ausländischen Kunden Interesse hätten, werden auch weiterhin in Balsthal in Handarbeit hergestellt werden», betont Weidkuhn.

Allerdings ist es in der Tat so, dass die Dyhrberg AG über die Landesgrenzen hinaus schielt, wenn es um den Absatz ihrer Produkte geht. «Im Moment sind Versuche mit dem Meerrettich-Mousse unter der Marke «Ove’s» am Laufen», sagt der Marketing- und Verkaufsleiter, «bei eventueller Marktakzeptanz könnte dieses Engagement in einem zweiten Schritt mit Dyhrberg-Rauchprodukten in ausgewählten Fachgeschäften ergänzt werden».

Unter dem Strich: «Es geht um eine Produkte- und nicht um eine Standortexpansion», sagt Weidkuhn. Und dies, obwohl die Zollbestimmungen eigentlich ein anderes Vorgehen nahelegen würden. In der Tat besteht die Herausforderung darin, so Weidkuhn, «dass die EU ihre Wirtschaft analog der Schweiz schützt». In Bezug auf das Metier der Dyhrberg AG heisst das: Rauchfischprodukte, die aus der Schweiz in die EU geliefert werden, sind mit einem Schutzzoll belegt. Aus der EU in die Schweiz importierte Rauchfischprodukte hingegen sind nicht mit Schutzzöllen belegt. 95 Prozent der in der Schweiz verkauften Rauchfischprodukte sind industriell hergestellte Importprodukte.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Dyhrberg AG ihrer Philosophie treu bleiben will und keine Standortexperimente wagen will – weder im In- noch im Ausland. Marketing- und Verkaufsleiter Weidkuhn hätte allerdings nichts dagegen, wenn das Meerrettich-Mousse, das in Deutschland derzeit zum Beispiel bei Baur/Edeka erhältlich ist, gleichsam als Wegbereiter für die Räuchereiprodukte dienen würde. Diese sind für den ausländischen Markt im Hochpreis-Segment anzusiedeln und nicht ohne weiteres zu etablieren. Vielleicht gelingt mit dem Mousse jedoch die Platzierung eines «Genuss-Trojaners» in den Läden ennet der Grenze.