In der aktuellen Inszenierung der Gäuer Spielleute, «Einsteins Frauen», vor der schönen Kulisse der Schälismühle in Oberbuchsiten, passt einfach alles: originelle Choreografie, solides Laienschauspiel, einfallsreiche Regie und ein schlichtes, aber durchdachtes Bühnenbild.

Wie der Titel schon sagt, gehts in «Einsteins Frauen» von Regisseur und Autor Christoph Schwager nicht in erster Linie um den Wissenschaftler Albert Einstein, dessen Name und Konterfei schon längst zum Allgemeingut geworden sind. Im Zentrum stehen die Beziehungen zu den wichtigsten Frauen in seinem Leben. Zugleich zeigt das Stück aber auch einen gelungenen Abriss seiner Biografie abseits von Relativitätstheorie und Quantenphysik.

Keine Spur von Altersweisheit

Der Einstieg ist temperamentvoll: Schwester Maja (Carina Bührer) fährt den alten Einstein närrisch-verspielt in einer rassigen Rollstuhlfahrt zu seinem letzten Ruhe-Bett. Hier blickt Einstein als alter Mann (Thomas Wyss) auf sein Leben zurück. Von Altersweisheit ist aber nicht viel zu spüren. Eher sitzt da ein verschmitzter, bejahrter Schlawiner auf seinem Totenbett, wo er nochmals eine Dame nach der anderen aus dem Hut zaubert: die erste Ehefrau Mileva Marić (Claudia Büttler), die zweite Ehefrau Elsa Löwenthal (Martina Stöckli Simon) und Stieftochter Ilse Löwenthal (Jamie Mahlstein).

Das Publikum lernt im Rückblick auch bald den jungen Einstein kennen, frisch und unverstellt in Szene gesetzt von Alain Röllin. Er ist gerade aus der Schule ausgebüxt und seinen Eltern nach Mailand gefolgt. Dieser erste Auftritt von Alain Röllin und seine Lehrerparodie lassen bereits erahnen, was sich später bestätigt: Röllin füllt die tragende Rolle Einsteins vom Jugendlichen bis zum reifen Mann ausgezeichnet aus.

Witzig-verspielte Choreografie

Köstlich sind die Tanzszenen, die ins Stück eingeflochten sind und vor allem eins zeigen: Einstein war amourösen Abenteuern nicht abgeneigt. In der bezaubernden Damenwelt bewegt er sich wie ein fasziniertes Kind im Süsswaren-Laden. Die Choreografie ist witzig-verspielt und von den Laientänzerinnen wirklich gekonnt umgesetzt. Die junge Choreografin Yvonne Barthel liess sich unter anderem inspirieren durch Ragtime-Rhythmen und Cake Walk Dance, einen Tanz, der seine Wurzeln darin hat, dass afroamerikanische Sklaven ihre weissen Herrschaften und das übertriebene Schäkern der Damen parodierten. So ist die Koketterie im Tanz allgegenwärtig. Einstein ist entzückt, Ehefrau und Stieftochter sind peinlich berührt, die Zuschauerinnen und Zuschauer amüsiert.

Einstein als Familienvater

«Einsteins Frauen» bietet aber nicht nur leichtfüssige Unterhaltung, sondern einen stimmigen Mix aus Tragik und Komik. So zeigt das Stück die erste Ehe Einsteins mit der um einiges älteren serbischen Physikerin Mileva Marić in verschiedenen Facetten. In der ersten Phase ist nebst Liebestaumel noch das gemeinsame wissenschaftliche Interesse tragend für die Beziehung. Einstein spricht hier noch von «unserer Arbeit an der Relativitätsbewegung». Später sieht er Marićs Zuständigkeit allein bei Kindern und Haushalt. Und er diktiert ihr Verhaltensregeln, die ihn nicht im besten Licht erscheinen lassen.

Hier kommt die Schwere des Stücks zum Tragen. Und da sind auch noch «Lieserl», das voreheliche Kind, das Einstein wohl nie gesehen haben dürfte, und der psychisch erkrankte Sohn «Tete», in einem Kurzauftritt hervorragend gespielt von Tobias Bühlmann. Melancholische Stimmungen unterstreicht und prägt Hubert Steiner mit seinem Paradeinstrument, der Violine. Aber auch Heiterkeit und Leichtigkeit weiss er musikalisch zu akzentuieren oder hervorzuzaubern.

Insgesamt ist Einsteins Biografie mit Akzent auf seinen Frauenbeziehungen flüssig und schön erzählt. Angedeutet werden Einsteins Pazifismus und seine Stellungnahme zu Zeiten des Nationalsozialismus. Auch hier wieder mit einem starken Aufmarsch der Tanztruppe und einem ganz speziellen Hitler-Auftritt (Ruedi Dutli). Bühnenbild und Maske setzen auf höchst originelle Effekte, um Einsteins Briefwechsel zu visualisieren, seine Reisen und Abwesenheiten sichtbar zu machen oder den Alterungsprozess einzuflechten. Die Akustik ist deutlich besser als zuvor. Und so darf man sagen, dass die Aufführung von «Einsteins Frauen» sicher eines der Highlights in der Geschichte der Gäuer Spielleute ist.